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Stu­die: Kin­der­ar­mut alar­mie­rend - Hil­fen für Fa­mi­li­en nicht pass­ge­nau

Wie wach­sen Kin­der auf, de­ren El­tern we­nig Geld ha­ben? Wie vie­le sind von Ar­mut be­trof­fen - und wie äu­ßert sich das kon­kret im All­tag? Ei­ne Stu­die hat das un­ter­sucht: Und der staat­li­chen Hil­fe ein schlech­tes Zeug­nis aus­ge­stellt
Kinder verschiedener Hautfarbe War­um ver­sagt die staat­li­che Un­ter­stüt­zung so oft?

11.05.2015. (dpa) - Kin­der- und Fa­mi­li­en­ar­mut hat in Deutsch­land ei­ner Stu­die zu­fol­ge alar­mie­ren­de Aus­ma­ße an­ge­nom­men.

Die staat­li­che Un­ter­stüt­zung geht oft am Be­darf vor­bei.

Zu die­sem Er­geb­nis kom­men zwei Er­he­bun­gen im Auf­trag der Ber­tels­mann-Stif­tung, die am Sonn­tag ver­öf­fent­licht wur­den.

Je­des fünf­te Kind un­ter 15 Jah­ren ist dem­nach ar­muts­ge­fähr­det, wächst al­so un­ter­halb der Ar­muts­gren­ze auf.

Das sind 2,1 Mil­lio­nen Jun­gen und Mäd­chen, die in Fa­mi­li­en le­ben, die we­ni­ger als 60 Pro­zent des durch­schnitt­li­chen Net­to-Ein­kom­mens zur Ver­fü­gung ha­ben.

Bei ei­ner vier­köp­fi­gen Fa­mi­lie liegt die Schwel­le bei 1848 Eu­ro im Mo­nat.

Knapp die Hälf­te die­ser 2,1 Mil­lio­nen Kin­der lebt in Haus­hal­ten, die Hartz IV be­zie­hen. Bei der an­de­ren Hälf­te - das sind 1,15 Mil­lio­nen ar­me Kin­der - ist das al­ler­dings nicht der Fall: Sie le­ben oh­ne die­ses Un­ter­stüt­zung, ob­wohl sie teil­wei­se An­spruch dar­auf hät­ten. Und: Nur ge­ra­de mal knapp über der Ar­muts­schwel­le - und zwar mit Hil­fe von SGB-II-Leis­tun­gen - wach­sen wei­te­re rund 480 000 Kin­der in Deutsch­land auf.

Zu­sam­men­ge­fasst be­deu­tet das laut Stu­die, dass hier­zu­lan­de drei Vier­tel al­ler Kin­der in fi­nan­zi­ell ge­si­cher­ten, aber ein Vier­tel in fi­nan­zi­ell un­si­che­ren Ver­hält­nis­sen groß wer­den. Die Aus­wer­tung der Da­ten des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) im Auf­trag der Ber­tels­mann-Stif­tung zeigt ei­ne deut­li­che Be­nach­tei­li­gun­gen von Kin­dern ein­kom­mens­ar­mer Fa­mi­li­en im Ver­gleich zu Haus­hal­ten mit ge­si­cher­ten fi­nan­zi­el­len Ver­hält­nis­sen.

Kon­kret zeigt sich: Rund 20 Pro­zent der Kin­der, die Grund­si­che­rung be­zie­hen, le­ben in be­eng­ten Ver­hält­nis­sen. 76 Pro­zent, de­ren El­tern auf Hartz IV an­ge­wie­sen sind, kön­nen sich kei­nen Ur­laub von min­des­tens ei­ner Wo­che leis­ten. In vie­len Fäl­len lässt das schma­le Bud­get nicht zu, dass Freun­de nach Hau­se ein­ge­la­den wer­den.

Rund 14 Pro­zent wach­sen zu­dem in Haus­hal­ten oh­ne In­ter­net auf, 38 Pro­zent in Fa­mi­li­en oh­ne Au­to. Und bei 10 Pro­zent der Kin­der be­sit­zen nicht ein­mal al­le Fa­mi­li­en­mit­glie­der aus­rei­chen­de Win­ter­klei­dung. Zu­gleich stellt die re­prä­sen­ta­ti­ve Er­he­bung her­aus, dass ele­men­ta­re Gü­ter - ei­ne war­me Mahl­zeit am Tag oder pünkt­li­che Miet­zah­lun­gen - in Fa­mi­li­en mit Hartz-IV-Be­zug meist ge­währ­leis­tet sind.

Ei­ne zwei­te Un­ter­su­chung, für die Ar­muts­for­scher Fa­mi­li­en be­fragt ha­ben, bi­lan­ziert: Ein­kom­mens­schwa­che El­tern wün­schen sich für ih­re Kin­der vor al­lem gu­te Bil­dung und stel­len ei­ge­ne Be­dürf­nis­se zu­rück. Sie emp­fin­den es frus­trie­rend, häu­fig Nein sa­gen zu müs­sen auf­grund ih­rer schlech­ten Fi­nanz­la­ge. El­tern kla­gen zu­dem über zu vie­le be­hörd­li­che An­lauf­stel­len, bü­ro­kra­ti­sche Hür­den und wech­seln­de An­sprech­part­ner.

Der Ber­tels­mann-Stif­tung zu­fol­ge legt die Be­fra­gung of­fen, dass das staat­li­che Un­ter­stüt­zungs­sys­tem Ar­mut nur un­zu­rei­chend auf­fan­ge. Jörg Drä­ger, Vor­stand der Stif­tung, sag­te, der Be­darf der Kin­der, ihr Wohl­be­fin­den und ih­re Teil­ha­be­chan­cen müss­ten in den Mit­tel­punkt rü­cken, die staat­li­che Grund­si­che­rung sol­le er­höht wer­den.

Der DGB nann­te die Stu­die ein Ar­muts­zeug­nis für die Po­li­tik, "be­son­ders für die­je­ni­gen in der Re­gie­rung, die glau­ben, ei­ne po­si­ti­ve Ar­beits­markt­ent­wick­lung lö­se die Ar­muts­pro­ble­ma­tik". Aber vie­le neue Nied­rig­lohn-Jobs sei­en eben nicht ar­muts­fest.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2016

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