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Stu­die: Kaum Fort­schrit­te bei Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf

Al­les nur Lip­pen­be­kennt­nis­se? Po­li­tik und Ver­bän­de pro­pa­gie­ren ei­ne bes­se­re Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie: Doch die Wirk­lich­keit er­le­ben vie­le Ar­beit­neh­mer an­ders. Nun kommt vom DIHK der Vor­schlag ei­ner 35-St­un­den-Wo­che für Müt­ter und Vä­ter
Ist ei­ne 35-St­un­den-Wo­che rea­lis­tisch?

07.04.2014. (dpa) - In den meis­ten deut­schen Un­ter­neh­men hat sich in Sa­chen Fa­mi­li­en­freund­lich­keit im ver­gan­ge­nen Jahr we­nig ge­tan.

Das ist das Er­geb­nis ei­ner Stu­die der Ma­nage­ment­be­ra­tung A.T. Ke­ar­ney, die am Sams­tag in Düs­sel­dorf ver­öf­fent­licht wur­de.

Dem­nach ga­ben nur 8 Pro­zent al­ler be­frag­ten Ar­beit­neh­mer an, dass ihr Un­ter­neh­men in die­sem Zeit­raum fa­mi­li­en­freund­li­cher ge­wor­den ist.

Zu­gleich ant­wor­te­ten le­dig­lich 38 Pro­zent, die Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf sei in ih­rer Fir­ma ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit.

Nach wie vor lie­ßen vie­le Fir­men au­ßer Acht, dass sie von ei­nem fa­mi­li­en­freund­li­chen Um­feld selbst pro­fi­tier­ten. "Das Er­geb­nis von Fa­mi­li­en­freund­lich­keit sind mo­ti­vier­te, loya­le Mit­ar­bei­ter, die das Un­ter­neh­men wei­ter­emp­feh­len", sag­te Mar­tin Son­nen­schein, Part­ner bei A.T. Ke­ar­ney. Das sei in Zei­ten von de­mo­gra­fi­schem Wan­del und Fach­kräf­te­man­gel ein Schlüs­sel zum un­ter­neh­me­ri­schen Er­folg. "Es muss für Müt­ter und Vä­ter mög­lich sein, fa­mi­li­en­be­ding­te Aus­zei­ten zu neh­men oder auch ei­ne Zeit lang die Ar­beits­zeit zu re­du­zie­ren, oh­ne dass sie da­durch be­ruf­li­che Nach­tei­le be­fürch­ten müs­sen", sag­te Son­nen­schein.

Das sieht auch der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) so und schlägt nun ei­ne 35-St­un­den-Wo­che für Vä­ter und Müt­ter vor. "Wir müs­sen von Mo­del­len weg­kom­men, bei de­nen der ei­ne Part­ner Voll­zeit ar­bei­tet und der an­de­re Teil­zeit mit we­ni­gen St­un­den", sag­te DIHK-Prä­si­dent Eric Schweit­zer der "Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung". "Wenn man es sinn­voll or­ga­ni­siert, dann könn­te der ei­ne auf 35 St­un­den re­du­zie­ren und der an­de­re auf 35 St­un­den auf­sto­cken. In der Sum­me ist das im­mer noch mehr, als wenn der Mann 40 St­un­den ar­bei­tet und die Frau nur halb­tags."

Durch die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung fehl­ten künf­tig Mil­lio­nen Ar­beits­kräf­te. "Wenn wir die­se Ar­beits­leis­tung nicht er­set­zen, kön­nen wir un­ser jet­zi­ges So­zi­al­pro­dukt nicht mehr er­wirt­schaf­ten und un­ser So­zi­al­sys­tem nicht mehr fi­nan­zie­ren", sag­te der DIHK-Prä­si­dent. Der­zeit ar­bei­te­ten in Deutsch­land zu vie­le Frau­en in Teil­zeit.

In der Ke­ar­ney-Stu­die ga­ben nur 12 Pro­zent der Ar­beit­neh­mer mit Kin­dern oder Kin­der­wunsch an, ihr Ar­beit­ge­ber bie­te al­le für sie we­sent­li­chen Leis­tun­gen an. Von den üb­ri­gen 88 Pro­zent wünsch­ten sich Frau­en ins­be­son­de­re ei­ne Not­fall­be­treu­ung für ih­re Kin­der (51%), Be­treu­ung in den Fe­ri­en (45%) so­wie Aus­zeit- und Son­der­ur­laubs­re­ge­lun­gen (33%). Män­nern feh­len spe­zi­el­le An­ge­bo­te für Vä­ter (43%) und eben­falls Not­fall­be­treu­ungs­mög­lich­kei­ten (41%).

Von den be­frag­ten Müt­tern ha­ben fast zwei Drit­tel Er­fah­rung mit Teil­zeit ge­macht (62%), bei den Vä­tern aber nur 7 Pro­zent. Mög­lich­kei­ten, Ta­ges- und Wo­chen­ar­beits­zei­ten in­di­vi­du­ell zu ge­stal­ten, nut­zen bei­de Grup­pen aber in ähn­li­chem Um­fang: ein Drit­tel der Müt­ter und 26 Pro­zent der Vä­ter.

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD), die im Ja­nu­ar ein ähn­li­ches Mo­dell wie der DIHK vor­ge­schla­gen hat­te, sag­te der "FAS": "Wir müs­sen Voll­zeit für Fa­mi­li­en neu de­fi­nie­ren." Schwe­sigs Vor­stoß für ei­ne 32-St­un­den-Wo­che war von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) als "per­sön­li­cher De­bat­ten­bei­trag" zu­rück­ge­wie­sen wor­den. Die IG Me­tall hat­te an­ge­kün­digt, sie wol­le bei kom­men­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen ei­ne 30-St­un­den-Wo­che für Vä­ter und Müt­ter for­dern.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. Januar 2016

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