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Stu­die: Hö­he­re Löh­ne in Deutsch­land Bei­trag zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung

Deutsch­land ran­giert bei den Lohn­kos­ten im eu­ro­päi­schen Mit­tel­feld: Wäh­rend der Im­port schwä­chelt, er­klimmt der deut­sche Ex­port im­mer neue Über­schuss-Re­kor­de. Deut­li­che Lohn­er­hö­hun­gen könn­ten dem au­ßen­wirt­schaft­li­chen Un­gleich­ge­wicht ab­hel­fen, mei­nen For­scher
Europafahne Kann der Im­port durch hö­he­re Löh­ne an­ge­kur­belt wer­den?

03.12.2013. (dpa) - Das ge­werk­schafts­na­he In­sti­tut für Ma­kro­öko­no­mie und Kon­junk­tur­for­schung (IMK) sieht in Lohn­stei­ge­run­gen von min­des­tens drei Pro­zent ei­nen ge­eig­ne­ten Bei­trag Deutsch­lands zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung in der EU.

Lohn­zu­schlä­ge von zu­letzt im Schnitt 2,8 Pro­zent hät­ten zwar ge­hol­fen, die Pro­ble­me et­was ab­zu­mil­dern.

Der Nor­ma­li­sie­rungs­pro­zess bei den Löh­nen in Deutsch­land sei aber bis­lang zu schwach, um ei­nen re­le­van­ten Bei­trag ge­gen die wirt­schaft­li­chen Un­gleich­ge­wich­te in der EU zu leis­ten, sag­te IMK-Chef Gus­tav Adolf Horn am Mon­tag in Ber­lin.

Deutsch­land liegt laut der neu­en IMK-Stu­die mit Lohn­kos­ten von 31 Eu­ro pro Ar­beits­stun­de (2012) an ach­ter Stel­le im EU-Ver­gleich - und da­mit wei­ter­hin im Mit­tel­feld.

Ge­gen­über 2011 rutsch­te die Bun­des­re­pu­blik um ei­nen Rang nach hin­ten, tausch­te mit Finn­land die Po­si­ti­on.

Hö­he­re Ar­beits­kos­ten wei­sen Län­der wie die Nie­der­lan­de, Frank­reich, Bel­gi­en und Schwe­den auf.

Schwe­den hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr mit 42,20 Eu­ro pro St­un­de die höchs­ten Ar­beits­kos­ten in Eu­ro­pa.

Ge­ring­fü­gig nied­ri­ger als in Deutsch­land sind die Ar­beits­kos­ten mit 30,20 Eu­ro in Ös­ter­reich. In den Kri­sen­län­dern Ita­li­en, Ir­land, Spa­ni­en, Grie­chen­land und Por­tu­gal rei­chen sie von 27,40 bis 11,70 Eu­ro pro St­un­de. Zu den Ar­beits­kos­ten zäh­len ne­ben dem Brut­to­lohn die Ar­beit­ge­ber­an­tei­le an den So­zi­al­bei­trä­gen, Auf­wen­dun­gen für Aus- und Wei­ter­bil­dung so­wie als Ar­beits­kos­ten gel­ten­de Steu­ern.

Der ak­tu­el­le deut­sche Re­kord-Ex­port­über­schuss zeigt nach Ein­schät­zung von Horn, dass die jüngs­ten Lohn­stei­ge­run­gen die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der hie­si­gen In­dus­trie nicht be­ein­träch­tigt ha­ben. "Wir kri­ti­sie­ren den Über­schuss, nicht den Ex­port." Es sei im deut­schen In­ter­es­se, die brei­te in­ter­na­tio­na­le Kri­tik an den ho­hen Über­schüs­sen in der deut­schen Leis­tungs­bi­lanz ernst zu neh­men.

Laut Stu­die pro­fi­tiert die deut­sche In­dus­trie von den nied­ri­gen Löh­nen, die im deut­schen Dienst­leis­tungs­sek­tor be­zahlt wer­den. Die Dif­fe­renz zu den Löh­nen in der In­dus­trie wird mit et­wa 20 Pro­zent an­ge­ge­ben. Die preis­wer­ten Vor­leis­tun­gen die­ser Dienst­leis­ter ver­schaff­ten der deut­schen In­dus­trie im eu­ro­päi­schen Wett­be­werb ei­nen Kos­ten­vor­teil zwi­schen 8 und 10 Pro­zent. Das ent­spricht rund drei Eu­ro je Ar­beits­stun­de.

Auch nach Ein­füh­rung ei­nes flä­chen­de­cken­den ge­setz­li­chen Min­dest­loh­nes von 8,50 Eu­ro ver­schwin­det die­ser Kos­ten­vor­teil nach Ein­schät­zung der IMK-For­scher nicht. Er schrumpft et­was, be­tra­ge aber im­mer noch 6 bis 7 Pro­zent ge­gen­über wich­ti­gen Kon­kur­ren­ten. Ge­ne­rell gilt laut IMK: Hö­he­re Löh­ne bei sta­bi­ler Be­schäf­ti­gung schaf­fen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen re­la­tiv kräf­ti­gen pri­va­ten Kon­sum. "Das stützt un­se­re Wirt­schaft."

Im pri­va­ten Dienst­leis­tungs­sek­tor la­gen die deut­schen Ar­beits­kos­ten 2012 mit 28,40 Eu­ro wei­ter­hin an neun­ter Stel­le nach den Be­ne­lux-Län­dern, den nor­di­schen EU-Staa­ten, Frank­reich und Ös­ter­reich. Den höchs­ten Wert wies auch hier Schwe­den mit 41,90 Eu­ro aus, der Durch­schnitt im Eu­ro­raum be­trägt 27,70 Eu­ro. 2012 stie­gen die Ar­beits­kos­ten im deut­schen Dienst­leis­tungs­sek­tor um 3,1 Pro­zent. Da­mit lag der Zu­wachs erst­mals seit Be­ginn der Wäh­rungs­uni­on über dem Eu­ro­raum-Durch­schnitt (2,1 Pro­zent). In der ers­ten Hälf­te 2013 ver­lang­sam­te sich der An­stieg in Deutsch­land auf 2,6 Pro­zent.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. Mai 2014

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