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Ein Stück in Rich­tung Bil­dungs­re­pu­blik - Ki­ta-Streit vor dem En­de

Es ging mo­na­te­lang ums Geld - aber nicht al­lein: Jetzt liegt ein Kom­pro­miss­vor­schlag im Ki­ta-Streit auf dem Tisch. Der al­ler­dings dürf­te nur ei­nen Teil der Be­trof­fe­nen freu­en
Wie sieht der Kom­pro­miss aus?

24.06.2015. (dpa) - Nicht al­le Er­zie­her und So­zi­al­ar­bei­ter der Kom­mu­nen wer­den deut­lich mehr im Porte­mon­naie ha­ben - so viel wird vier Mo­na­te nach Be­ginn der Ta­rif­ver­hand­lun­gen am Diens­tag im un­ter­frän­ki­schen Städt­chen Bad Brü­cken­au klar.

Knapp vier Wo­chen wa­ren die Ki­ta-Er­zie­he­rin­nen und -Er­zie­her zwi­schen­durch in den Aus­stand ge­tre­ten.

Meh­re­re Ge­sprächs­run­den auf Spit­zen­ebe­ne schei­ter­ten.

Nun ha­ben die Sch­lich­ter das Wort.

Was der frü­he­re säch­si­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Ge­org Milb­radt (CDU) und der eins­ti­ge Han­no­ve­ra­ner Ober­bür­ger­meis­ter Her­bert Schmal­stieg (SPD) in dem Kur­ort ganz im Nor­den Bay­erns zu ver­kün­den ha­ben, dürf­te manch Be­trof­fe­ne freu­en - aber längst nicht al­le. Zum Bei­spiel soll das Ge­halt für ei­ne Er­zie­he­rin mit Grund­tä­tig­keit, die seit min­des­tens 16 Jah­ren in ih­rem Job ist, von heu­te 3289 um 161 auf künf­tig 3450 Eu­ro stei­gen.

Er­zie­her mit schwie­ri­ger Tä­tig­keit und ent­spre­chen­der Be­rufs­er­fah­rung sol­len 3800 statt heu­te 3732 Eu­ro brut­to be­kom­men. So­zi­al­ar­bei­ter mit Grund­tä­tig­keit kom­men in der höchs­ten Stu­fe künf­tig auf 4022,50 Eu­ro. Nicht we­ni­ger als 17 Grup­pen um­fasst die Lohn­ta­bel­le für die 240 000 Be­schäf­tig­ten im So­zi­al- und Er­zie­hungs­dienst der Kom­mu­nen - für 8 wer­den laut Ar­beit­ge­ber­ver­band VKA die Wer­te an­ge­ho­ben. Ver­di be­dau­ert: "Bei den So­zi­al­ar­bei­tern konn­ten wir an­ge­sichts der har­ten Hal­tung der Ar­beit­ge­ber nur ge­ring­fü­gi­ge Ver­bes­se­run­gen, und auch nur für ei­nen Teil der Be­schäf­tig­ten, er­rei­chen."

Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke poch­te im­mer wie­der auf ei­ne Auf­wer­tung für al­le Be­trof­fe­nen. Es soll­te schließ­lich nicht nur ums Geld ge­hen, son­dern auch um ei­ne stär­ke­re ge­sell­schaft­li­che An­er­ken­nung früh­kind­li­cher Bil­dung. Sind die ins­ge­samt mehr als 50 000 Kin­der­ta­ges­stät­ten in Deutsch­land mehr­heit­lich noch rei­ne Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen - oder wer­den aus­rei­chen­de Bil­dungs­plä­ne schon heu­te von mo­ti­vier­ten Er­zie­he­rin­nen ad­äquat um­ge­setzt?

Es ist ein Ta­rif­kon­flikt mit be­son­de­ren Tü­cken - denn mit den Kom­mu­nen und Ge­werk­schaf­ten sit­zen nur zwei von meh­re­ren Ver­ant­wort­li­chen am Tisch. Den Ki­ta-Aus­bau der ver­gan­ge­nen Jah­re hat auch der Bund an­ge­trie­ben. Die Ki­tas fi­nan­zie­ren sich zwar mit rund 60 Pro­zent haupt­säch­lich durch die Kom­mu­nen. Et­wa ein Fünf­tel zah­len aber auch Län­der und Bund. Bil­dungs­ex­per­ten for­dern seit lan­gem, dass der Bund sein fi­nan­zi­el­les En­ga­ge­ment an­ge­sichts der Be­deu­tung der früh­kind­li­chen Bil­dung stark ver­grö­ßert.

Schmal­stieg un­ter­streicht, wie wich­tig es ge­we­sen sei, dass nun der Wert frü­her Bil­dung auf der ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Ta­ges­ord­nung sei. "Das ist wich­tig, im­mer dann, wenn Bund und Län­der sa­gen, dass wir ei­ne Bil­dungs­re­pu­blik sind, und dass Bil­dung in den Vor­der­grund ge­stellt wird." Nicht nur um Schu­len und Hoch­schu­len ge­he es da­bei - die Kin­der­er­zie­hung ge­hö­re auch da­zu.

Gro­ße Zie­le, ei­ne kom­pli­zier­te Ent­gelt­ta­bel­le und ho­he For­de­run­gen an klam­me Kom­mu­nen - das war die Mi­schung, die die Ver­hand­lun­gen bis zum Schluss zäh mach­te. "Wir ha­ben die Näch­te durch­ge­tagt, wir ha­ben den Par­tei­en ei­ni­ges zu­ge­mu­tet", sagt Milb­radt. Und noch gibt es kei­nen neu­en Ta­rif­ver­trag. Erst ha­ben die Gre­mi­en der Ge­werk­schaf­ten und der VKA das Wort. Am Mitt­woch­abend wol­len sich die Spit­zen noch ein­mal tref­fen, dies­mal in Of­fen­bach, und wahr­schein­lich meh­re­re St­un­den die Köp­fe zu­sam­men­ste­cken, um die Sch­lich­ter­emp­feh­lung in ei­nen or­dent­li­chen Ta­rif­ab­schluss zu über­füh­ren. Von ei­nem Schei­tern geht nie­mand mehr aus. Schließ­lich wa­ren Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaf­ten am ein­ver­nehm­li­chen Sch­lich­ter­spruch be­tei­ligt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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