HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/236

Auf Sylt und an­de­ren Ur­laubs­in­seln feh­len Kell­ner und Zim­mer­mäd­chen

Zur Som­mer­zeit brummt das Ge­schäft auf Deutsch­lands Pro­mi-In­sel Sylt: Die Gäs­te kom­men in Scha­ren, bei Ar­beits­kräf­ten da­ge­gen ist der Zu­spruch ge­rin­ger. Ein Man­gel an be­zahl­ba­rem Wohn­raum ist aber nur ei­ner der Grün­de da­für
Auf Ur­laubs­in­seln herrscht Ar­bei­ter­man­gel

17.08.2013. (dpa) - Ei­nes will Ste­phan Beck klar­stel­len: Auf Sylt be­kommt noch je­der sein Schnit­zel und sein Bier - trotz Ar­beits­kräf­te­man­gel im Som­mer.

"Das soll hier nicht so rü­ber­kom­men, dass es heißt: Du wirst hier nicht mehr be­dient." Der Vor­sit­zen­de des Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­bands (De­ho­ga) Sylt sieht den­noch ei­ne Lü­cke auf der be­lieb­ten Ur­laubs­in­sel: 400 Kräf­te feh­len nach sei­nen An­ga­ben, ob im Re­stau­rant oder beim Zim­mer­ser­vice.

Das ha­be meh­re­re Grün­de, an­ge­fan­gen bei ho­hen Mie­ten. "Für ein Wohn­klo mit 28 Qua­drat­me­ter zah­len Sie 650 Eu­ro. Was sol­len wir den An­ge­stell­ten als Ar­beit­ge­ber be­zah­len?" Aber nicht nur die Prei­se sei­en ein Pro­blem, Wohn­raum feh­le an sich.

Wer ver­mie­te, kön­ne mit nur 100 Miet­ta­gen im Jahr mit Ur­laubs­gäs­ten mehr ver­die­nen als an 365 Ta­gen mit Dau­er­mie­tern. "Die Po­li­tik muss schnel­ler han­deln", kom­men­tiert Beck die bis­he­ri­gen An­sät­ze, auf Sylt be­zahl­ba­ren Wohn­raum nur für Syl­ter zu schaf­fen.

"Soll die Po­li­tik die letz­ten Dü­nen auch noch be­bau­en?", kon­tert Ru­dolf Reiff, Lei­ter der Ge­schäfts­stel­le Wes­ter­land der Agen­tur für Ar­beit.

Für ihn sind die Zah­len zum Ar­beits­kräf­te­man­gel auf Sylt ein "re­la­tiv sta­bi­ler Be­reich".

Das Pro­blem ha­be es in an­de­ren Pro­por­tio­nen schon vor 30 Jah­ren ge­ge­ben. Dies sei nicht nur ein Syl­ter Pro­blem, son­dern da ein The­ma, "wo Sai­son herrscht", et­wa an der Ost­see in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. "Da herrscht auch Ver­drän­gungs­wett­be­werb." So mel­de­te die Ge­schäfts­stel­le Wes­ter­land En­de Ju­li 99 freie Aus­bil­dungs­plät­ze - bei kei­nem ein­zi­gen un­ver­sorg­ten Be­wer­ber. Kö­che, Ho­tel- und Re­stau­rant­fach­leu­te zäh­len im Agen­tur­be­zirk Flens­burg, zu dem Wes­ter­land ge­hört, zu den Be­ru­fen mit den meis­ten frei­en Aus­bil­dungs­plät­zen.

Auf Am­rum und Föhr ist die La­ge in­zwi­schen eben­falls an­ge­spannt. Über­all wür­den Kräf­te ge­sucht, sagt die De­ho­ga-Be­zirks­vor­sit­zen­de An­ge­li­ka Hes­se. Es ge­be noch vie­le of­fe­nen Lehr­stel­len, wäh­rend in frü­he­ren Jah­ren im Herbst des Vor­jah­res be­reits die Aus­zu­bil­den­den fest­stan­den. Ein Nach­teil des Be­wer­ber­man­gels: "Da kann man nicht mehr wäh­len." Schon ein hal­bes Jahr vor En­de der Leh­re hät­ten man­che Aus­zu­bil­den­den ei­nen Ver­trag in der Ta­sche.

Ein wei­te­rer Grund für un­ge­deck­ten Be­darf auf Sylt sind für Beck die ver­än­der­ten An­sprü­che der Be­wer­ber. Wo es frü­her Wan­der­ar­bei­ter ge­ge­ben ha­be, die im Som­mer in der Gas­tro­no­mie ar­bei­te­ten und in der kal­ten Jah­res­zeit im Win­ter­sport, woll­ten die Men­schen heu­te Ganz­jah­res­jobs.

Gro­ße Män­gel bei der Qua­li­tät der Aus­bil­dung sieht die Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG). Dies schre­cke im­mer mehr jun­ge Men­schen ab, sagt Finn Pe­ter­sen, Ge­schäfts­füh­rer von NGG Schles­wig-Hol­stein Nord. Die Ar­beits­be­din­gun­gen hät­ten sich stark ver­schlech­tert, auf Sylt ha­be sich ei­ne Dau­er­sai­son ge­bil­det. "Und im Som­mer wird sehr viel ge­ar­bei­tet für sehr we­nig Geld." Oft wür­den Be­stim­mun­gen der Ta­rif­ver­trä­ge wie et­wa 30 Ta­ge Ur­laub oder Ur­laubs­geld nicht ein­ge­hal­ten. "Die Be­ru­fe sind nicht ein­fach", räumt Beck ein, der ein Re­stau­rant in Wes­ter­land hat. "Aber es gibt gro­ße Auf­stiegs­chan­cen."

Hol­ger Bo­den­dorf, Ster­ne­koch und Be­trei­ber des Fünf-Ster­ne-Su­pe­ri­or-Ho­tels "Land­haus Stri­cker", misst der Mit­ar­bei­ter-Mo­ti­va­ti­on ei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung zu. "Man muss schau­en, wie man mit den Mit­ar­bei­tern um­geht." So hät­ten Be­trie­be in der Ho­tel- und Re­stau­rant-Kol­lek­ti­on, der das Land­haus an­ge­schlos­sen ist, Gut­schei­ne für Mit­ar­bei­ter ge­kauft, et­wa für Rhe­to­rikse­mi­na­re. Zu­dem bie­te er für al­le Mit­ar­bei­ter Wohn­raum. Ar­beits­kräf­te­man­gel ist denn auch für Bo­den­dorf kein Pro­blem: "Hier und da" ge­be es Eng­päs­se. Die könn­ten aber aus ei­ge­nen Rei­hen aus­ge­gli­chen wer­den.

Da sich ins­ge­samt aber doch die Rei­hen lich­ten, hält der De­ho­ga Schles­wig-Hol­stein in­zwi­schen in Spa­ni­en und Grie­chen­land Aus­schau nach Aus­zu­bil­den­den. Die ers­ten könn­ten zum 1. Sep­tem­ber an­fan­gen, sagt De­ho­ga-Prä­si­dent Pe­ter Bartsch. Ein Kol­le­ge auf Sylt ha­be be­reits zu­ge­sagt, sechs grie­chi­sche Be­wer­ber ein­stel­len zu wol­len.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. September 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de