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Ta­rif­ab­schluss in der west­deut­schen Stahl­in­dus­trie per­fekt

Stahl­ar­bei­ter er­hal­ten ei­nen zu­sätz­li­chen Schluck aus der Lohn­pul­le: Der Ta­rif­kon­flikt ist bei­ge­legt, frü­her als er­war­tet. Ar­beit­ge­ber und IG Me­tall scheu­ten ei­nen län­ge­ren Kon­flikt, denn die wirt­schaft­li­che La­ge ist an­ge­spannt: Bil­lig­im­por­te aus Chi­na set­zen der Bran­che zu
Handschlag Playmobil Wie viel Geld er­hal­ten die Ar­beit­neh­mer?

27.11.2015. (dpa) - Neu­er Ta­rif­ver­trag in der Stahl­in­dus­trie: Rund 75 000 Be­schäf­tig­te in Nord­rhein-West­fa­len, Bre­men und Nie­der­sach­sen er­hal­ten ab dem kom­men­den Jahr 2,3 Pro­zent mehr Geld.

Bei der drit­ten Ta­rif­run­de ver­stän­dig­ten sich Ar­beit­ge­ber und IG Me­tall nach ei­ner Ma­ra­thon­sit­zung am frü­hen Don­ners­tag­mor­gen auf ei­nen Ta­rif­ver­trag mit ei­ner Lauf­zeit von 16 Mo­na­ten.

Für die Mo­na­te No­vem­ber und De­zem­ber er­hal­ten die Be­schäf­tig­ten ei­ne Ein­mal­zah­lung von ins­ge­samt 200 Eu­ro, für die Aus­zu­bil­den­den sind es 80 Eu­ro, wie ein IG-Me­tall-Spre­cher sag­te.

Die Ge­werk­schaft hat­te ur­sprüng­lich ei­ne Ein­kom­mens­ver­bes­se­rung von 5 Pro­zent ge­for­dert.

Der Ver­hand­lungs­füh­rer der IG Me­tall, Knut Gies­ler, sprach von ei­nem ak­zep­ta­blen Kom­pro­miss. "Trotz wirt­schaft­lich schwie­ri­ger Zei­ten in der Stahl­bran­che wer­den un­se­re Mit­glie­der nicht von der ins­ge­samt gu­ten wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung ab­ge­kop­pelt." Ge­werk­schafts­chef Jörg Hof­mann sprach von ei­nem "Ab­schluss mit Au­gen­maß". Mit dem nun er­ziel­ten Er­geb­nis hät­ten die Be­schäf­tig­ten re­al mehr Geld im Porte­mon­naie.

Bei den Ar­beit­ge­bern hieß es, das Er­geb­nis sei wirt­schaft­lich ge­ra­de noch ver­tret­bar, be­rück­sich­ti­ge aber die so­zia­len Be­dürf­nis­se der Be­schäf­tig­ten. "In ei­ner fort­dau­ernd schwie­ri­gen La­ge der Stahl­in­dus­trie woll­ten bei­de Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ei­ne län­ge­re Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zung mög­lichst ver­mei­den", be­ton­te der Ver­hand­lungs­füh­rer der Stahl­ar­beit­ge­ber, An­dre­as Goss.

Tat­säch­lich hat sich die Stahl­kon­junk­tur in Deutsch­land in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten stark ein­ge­trübt. Im drit­ten Quar­tal sei­en die Auf­trags­ein­gän­ge der Bran­che im Ver­gleich zum Vor­jahr um 11 Pro­zent ein­ge­bro­chen, be­rich­te­te der Prä­si­dent der Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung Stahl, Hans Jür­gen Kerk­hoff. Zu Be­ginn des vier­ten Quar­tals ha­be sich die Schwä­che im Be­stell­ein­gang fort­ge­setzt. Ur­sa­che sei vor al­lem der dra­ma­ti­sche An­stieg der chi­ne­si­schen Ex­por­te zu Dum­ping­prei­sen.

Kerk­hoff for­der­te des­halb ei­ne kon­se­quen­te­re und ra­sche­re An­wen­dung des han­dels­recht­li­chen Schutz­in­stru­men­ta­ri­ums durch die EU - vor al­lem in Form von An­ti­dum­ping- und An­ti­sub­ven­ti­ons­maß­nah­men. An­dern­falls dro­hen nach Ein­schät­zung des Ver­ban­des Ka­pa­zi­täts­still­le­gun­gen und Ar­beits­platz­ver­lus­te in Eu­ro­pa. Die Bran­che wirft den Chi­ne­sen vor, mit staat­li­cher Hil­fe ih­ren Stahl weit un­ter Her­stel­lungs- und Trans­port­kos­ten auf dem Welt­markt zu ver­kau­fen.

Auch der Welt­stahl­ver­band zeig­te sich be­sorgt über den Zu­strom chi­ne­si­scher Stahl­pro­duk­te: Von der Eu­ro­päi­schen Uni­on ver­lang­te Ver­bands­prä­si­dent Wolf­gang Eder schnel­le Ein­fuhr­be­schrän­kun­gen. Die EU müs­se han­deln, "sonst wer­den wir mit Stahl aus an­de­ren Re­gio­nen zu­ge­schüt­tet", mahn­te Eder, der zu­gleich Chef des ös­ter­rei­chi­schen Stahl­kon­zerns Voe­st­al­pi­ne ist. Da­bei sei­en Schutz­zöl­le aber kei­ne dau­er­haf­te Lö­sung. Viel­mehr müss­ten Ka­pa­zi­tä­ten ab­ge­baut wer­den, auch in Eu­ro­pa.

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Letzte Überarbeitung: 1. September 2016

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