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Ta­rif­löh­ne stei­gen auf brei­ter Front und stüt­zen Auf­schwung

Nur gut die Hälf­te der deut­schen Ar­beit­neh­mer wird nach Ta­rif be­zahlt: Sie spü­ren den wirt­schaft­li­chen Auf­schwung ver­stärkt in der ei­ge­nen Ta­sche und stüt­zen mit ih­rem pri­va­ten Kon­sum das Wachs­tum
Münzen, Münzhaufen Wie se­hen die jüngs­ten Ta­ri­fent­wick­lun­gen aus?

17.05.2014. (dpa) - Der pri­va­te Kon­sum ist zur wich­ti­gen Stüt­ze des deut­schen Wirt­schafts­auf­schwungs ge­wor­den.

Nied­ri­ge Zin­sen, si­che­re Jobs und nicht zu­letzt hö­he­re Ge­häl­ter ha­ben die Deut­schen da­zu ge­bracht, ihr Geld aus­zu­ge­ben und das Land zum ein­sa­men Wachs­tums­meis­ter in Eu­ro­pa zu ma­chen.

Die ak­tu­el­len Ta­rif­ab­schlüs­se deu­ten dar­auf hin, dass die Ent­wick­lung einst­wei­len so wei­ter geht.

Im lau­fen­den Jahr wird par­al­lel zum Wirt­schafts­wachs­tum der höchs­te Re­al­lohn­zu­wachs seit 2010 er­war­tet.

Vor dem Hin­ter­grund der der­zei­ti­gen geo­po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten und der Sor­ge um ei­ne Kon­junk­tur­ab­küh­lung in den Schwel­len­län­dern sei es er­freu­lich, dass der Auf­schwung in Deutsch­land von der Bin­nen­nach­fra­ge ge­tra­gen wer­de, sagt Volks­wirt Ste­fan Ki­par von der Bay­ern­LB. "Die deut­sche Kon­junk­tur ist so­mit we­ni­ger an­fäl­lig auf au­ßen­wirt­schaft­li­che Ri­si­ken."

Die jüngs­ten Ta­rif­ab­schlüs­se wei­sen meist ei­ne Drei vor dem Kom­ma auf, wie die Auf­stel­lung des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes von die­sem Frei­tag zeigt. Al­ler­dings sind da­bei nicht die Aus­wir­kun­gen der ver­schie­de­nen ta­rif­po­li­ti­schen In­stru­men­te be­rück­sich­tigt, die die aufs Jahr ge­rech­ne­ten Ent­gelt­stei­ge­run­gen noch schmä­lern kön­nen. Die schlich­tes­te ist da­bei die Lauf­zeit: Drei Pro­zent auf ein Jahr sind we­sent­lich mehr als drei Pro­zent auf zwei Jah­re. Im ers­ten Fall kann be­reits nach zwölf Mo­na­ten die nächs­te Lohn­er­hö­hung grei­fen, bei­spiels­wei­se er­neut um drei Pro­zent.

Im Re­per­toire der Ta­rif­part­ner ste­cken zu­sätz­lich noch Null­mo­na­te, Ein­mal­zah­lun­gen, mög­li­che Ver­schie­bun­gen bei wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten ein­zel­ner Un­ter­neh­men oder auch meh­re­re, mög­li­cher­wei­se un­ter­schied­lich lan­ge Ta­rif­stu­fen. Nach Aus­wer­tun­gen des ge­werk­schaft­li­chen WSI-Ta­rif­ar­chivs hat­ten deut­sche Ta­rif­ver­trä­ge im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne durch­schnitt­li­che Lauf­zeit von knapp 23 Mo­na­ten. Die aufs Jahr be­zo­ge­ne Be­rech­nung ist ei­ne zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­bern höchst um­strit­te­ne Kunst, auch weil sie die Ab­schlüs­se ih­ren je­wei­li­gen Mit­glie­dern ge­gen­über als hart er­run­ge­nen Kom­pro­miss ver­kau­fen müs­sen.

Die IG BCE hat­te im Fe­bru­ar die­ses Jah­res für die rund 550 000 Che­mie-Be­schäf­tig­ten ei­nen kräf­ti­gen Pflock ein­ge­schla­gen. In dem Ab­schluss über 14 Mo­na­te steck­ten Null­mo­nat und Ver­schie­be­mög­lich­keit für schwa­che Un­ter­neh­men. Die mit­tel­fris­ti­ge rea­le Be­las­tung der Un­ter­neh­men - oder um­ge­kehrt das Plus in den Ta­schen der Ar­beit­neh­mer - liegt oh­ne Be­rück­sich­ti­gung der fle­xi­blen Ele­men­te bei et­wa 3,2 Pro­zent pro Jahr und da­mit weit über der für Deutsch­land für 2014 er­war­te­ten In­fla­ti­ons­ra­te von et­wa 1,4 Pro­zent.

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten die deut­schen Ta­rif­be­schäf­tig­ten bei ei­ner In­fla­ti­on von 1,5 Pro­zent im Schnitt 2,4 Pro­zent brut­to mehr auf dem Ge­halts­zet­tel als zu­vor. Der rea­le Ein­kom­mens­zu­wachs war kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, wie ein Blick auf die ge­sam­te Ar­beit­neh­mer­schaft zeigt: Die Re­al­löh­ne, die auch Bo­ni und nicht-ta­rif­li­che Ge­häl­ter be­inhal­ten, sind 2013 erst­mals seit dem Kri­sen­jahr 2009 wie­der ge­sun­ken, wenn auch nur um 0,2 Pro­zent. Die Un­ter­neh­men ha­ben sich an­ge­sichts der lau­en Kon­junk­tur bei den Son­der­zah­lun­gen zu­rück­ge­hal­ten, ver­mu­tet der Ar­beits­kos­ten­ex­per­te des ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft, Chris­toph Schrö­der.

Für die­ses Jahr sagt der ge­werk­schafts­na­he Öko­nom Gus­tav Horn nun aber ei­nen star­ken rea­len Lohn­zu­wachs von 1,5 Pro­zent vor­aus. "Deutsch­land hat da­mit end­lich wie­der Aus­sich­ten auf ei­nen Auf­schwung, von dem brei­te Be­völ­ke­rungs­schich­ten pro­fi­tie­ren", sag­te er der "Bild-Zei­tung".

Die an­de­re star­ke Ta­rif­lo­ko­mo­ti­ve in Deutsch­land, die Me­tall- und Elek­tro-In­dus­trie mit rund 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten, zieht erst wie­der zur Jah­res­wen­de an, wenn der vo­ri­ge Ver­trag aus dem Mai 2013 aus­läuft. Die Hö­he der For­de­rung ist bei der IG Me­tall bis­lang noch kein öf­fent­li­ches The­ma. Viel­mehr wird 30 Jah­re nach dem er­streik­ten Ein­stieg in die 35-St­un­den-Wo­che dar­über nach­ge­dacht, wie man die Ar­beits­zeit für be­stimm­te Be­schäf­tig­ten­grup­pen bei vol­lem Lohn­aus­gleich re­du­zie­ren kann, wenn zum Bei­spiel klei­ne Kin­der er­zo­gen oder äl­te­re An­ge­hö­ri­ge ge­pflegt wer­den müs­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 22. Dezember 2015

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