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Tön­nies ver­tei­digt Werk­ver­trä­ge in der Fleisch­in­dus­trie

Schlech­te Löh­ne, mie­se Un­ter­künf­te - über ost­eu­ro­päi­sche Ar­bei­ter in deut­schen Fleisch­be­trie­ben ist viel Ne­ga­ti­ves be­rich­tet wor­den. Jetzt geht der Markt­füh­rer in die Of­fen­si­ve: Tön­nies er­läu­tert, war­um er aus­län­di­sche Schlach­ter braucht
In­wie­fern wa­ren die Vor­wür­fe be­rech­tigt?

08.02.2014. (dpa) - Deutsch­lands größ­ter Schwei­ne­fleisch­ver­ar­bei­ter Tön­nies hat die brei­te Nut­zung von Werk­ver­trä­gen in der Bran­che ver­tei­digt.

"Das Sys­tem Werk­ver­trä­ge zu ver­teu­feln, wür­de uns das Ge­nick bre­chen", sag­te der Ge­schäfts­füh­rer der Un­ter­neh­mens­grup­pe Tön­nies Le­bens­mit­tel, Cle­mens Tön­nies, am Don­ners­tag­abend vor Jour­na­lis­ten in Düs­sel­dorf.

"Dann könn­ten wir un­se­re Wer­ke nur ins Aus­land ver­la­gern."

Von bis zu 6000 Be­schäf­tig­ten am Stand­ort Rhe­da-Wie­den­brück sei­en rund 2700 fest an­ge­stellt, be­rich­te­te Tön­nies. Su­b­un­ter­neh­mer brin­gen über Werk­ver­trä­ge vie­le Ar­bei­ter aus Po­len, Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en in die Schlacht­be­trie­be. "In Deutsch­land fin­den wir für die schwe­re Ar­beit kei­ne Mit­ar­bei­ter in der Gü­te und Mas­se", sag­te Tön­nies. Der Markt sei leer ge­fegt. "Ich wür­de je­den, der will, mor­gen fest­ein­stel­len." Die meis­ten über Werk­ver­trä­ge Be­schäf­tig­ten woll­ten aber auf be­grenz­te Zeit so viel wie mög­lich in Deutsch­land ver­die­nen, um sich an­schlie­ßend in der Hei­mat ei­ne Exis­tenz auf­zu­bau­en.

Tön­nies war im ver­gan­ge­nen Jahr nach Son­der­kon­trol­len des staat­li­chen Ar­beits­schut­zes in der Fleisch­in­dus­trie ins Vi­sier ge­ra­ten. In et­li­chen Groß­be­trie­ben sei­en aus­ufern­de Ar­beits­zei­ten, un­durch­sich­ti­ge Werk­ver­trä­ge mit Bil­lig­kräf­ten aus dem Aus­land und man­gel­haf­te Ge­sund­heits­vor­sor­ge auf­ge­deckt wor­den, hat­te NRW-Ar­beits­mi­nis­ter Gun­tram Schnei­der (SPD) be­rich­tet. Es ge­be kei­ne Groß­be­trie­be, in de­nen nichts ge­fun­den wor­den sei. Ver­schie­de­ne Me­di­en hat­ten über ost­eu­ro­päi­sche "Lohn-Skla­ven" in der Bran­che be­rich­tet.

"Wo 6000 Leu­te be­schäf­tigt sind, hört man zwei bis drei­mal in der Wo­che den Kran­ken­wa­gen", sag­te Tön­nies. Das Un­ter­neh­men ha­be aber nach­weis­lich weit un­ter­durch­schnitt­li­che Un­fall­ra­ten und ha­be mit der Ge­wer­be­auf­sicht auch das The­ma Ar­beits­zeit­über­schrei­tun­gen klä­ren kön­nen.

"Es gibt kein Kli­ma der Angst. Men­schen wer­den nicht ge­schun­den", ver­si­cher­te Tön­nies. In sei­nem Schlacht­hof Wei­de­mark im ems­län­di­schen Sö­gel ha­be Tön­nies be­reits vor über ei­nem Jahr Min­dest­stan­dards für Ar­beits­be­din­gun­gen und Un­ter­brin­gung ge­setzt, die von der Ge­mein­de über­wacht wür­den.

Er ha­be auch kein Pro­blem mit dem Min­dest­lohn, auf den sich die Fleisch­bran­che nach zä­hem Rin­gen mit der Ge­werk­schaft ge­ei­nigt ha­be, sag­te Tön­nies. Von Ju­li 2014 an soll der St­un­den­lohn der Fleisch-Ar­bei­ter 7,75 Eu­ro be­tra­gen und bis En­de 2016 stu­fen­wei­se auf 8,75 Eu­ro an­ge­ho­ben wer­den.

Der Un­ter­neh­mer geht nicht da­von aus, dass dies die Fleisch­prei­se in die Hö­he trie­ben wer­de. Wenn sich die Er­zeu­ger mit dem Han­del aber auf hö­he­re Prei­se für tier­schutz­freund­li­cher er­zeug­tes Schwei­ne­fleisch ei­ni­gen, ge­be es das auch für den End­ver­brau­cher «nicht zum Null-Ta­rif».

Das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um müs­se den Un­ter­neh­mern er­lau­ben, zu prü­fen, ob der Min­dest­lohn auch bei den Werk­ver­trags­be­schäf­tig­ten, die für Su­b­un­ter­neh­mer ar­bei­ten, an­kom­me und wie ih­re tat­säch­li­chen Ar­beits­zei­ten sei­en, for­der­te Tön­nies. Dies sei der­zeit nicht ge­stat­tet. "Wenn ich Ver­ant­wor­tung über­neh­men soll, muss ich auch Kon­troll­mög­lich­kei­ten ha­ben."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. Juni 2014

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