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"Erst mal Trans­fer­ge­sell­schaft" - Opel­aner sind nie­der­ge­schla­gen

Am letz­ten Pro­duk­ti­ons­tag des Bo­chu­mer Opel­wer­kes schwenkt kei­ner mehr ro­te Fah­nen: Re­si­gna­ti­on, Wut über Opel und die ei­ge­ne Ge­werk­schaft und Zu­kunfts­angst be­stim­men die Opel­aner. Und ei­ni­ge Trä­nen flie­ßen
Fließband, Automobilindustrie, Montage Was wird aus den Mit­ar­bei­tern des Bo­chu­mer Opel­wer­kes?

06.12.2014. (dpa) - Am frü­hen Frei­tag­mor­gen läuft ge­gen halb eins in Bo­chum der letz­te Opel vom Band - ein dun­kel­grau­er Za­fi­ra-Fa­mi­li­en­van.

Ei­ne Ära geht da­mit zu En­de.

"Das Herz von Opel hat auf­ge­hört zu schla­gen", sagt ein Mit­ar­bei­ter spä­ter, als er aus dem Werks­tor kommt. Gut 3000 Be­schäf­tig­te ver­lie­ren ih­ren Job, die meis­ten wech­seln im neu­en Jahr erst ein­mal in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft.

Nach der letz­ten Pro­duk­ti­ons­schicht ist am Werks­tor Ent­täu­schung, Re­si­gna­ti­on und Kri­tik am Opel-Ma­nage­ment zu hö­ren, das am En­de nicht ein­mal mehr das Dach der Bo­chu­mer Fa­brik er­neu­ert ha­be. Letz­te Pro­test­ak­tio­nen oder laut­star­ke Kri­tik gibt es nicht, nicht ein­mal Trans­pa­ren­te - der Kampf um Opel hat schon zu lan­ge ge­dau­ert.

"Tja, man hat uns hier ver­hun­gern las­sen", sagt Hans Sko­pek aus der End­mon­ta­ge, der seit 40 Jah­ren bei Opel ar­bei­tet. Die letz­ten zehn Jah­re sei es mit dem Werk im­mer wei­ter berg­ab ge­gan­gen. "Das Ma­nage­ment hat das Werk vor die Hun­de ge­hen las­sen." Am En­de ha­be es so­gar rein­ge­reg­net. Für den 55-Jäh­ri­gen An­la­gen­elek­tro­ni­ker geht es 2015 in die zwei­jäh­ri­ge Trans­fer­ge­sell­schaft - sie­ben Mo­na­te mit vol­lem Geld, dann mit 80 und im letz­ten Jahr mit 70 Pro­zent des Ge­halts. "Das ist jetzt Neu­land: viel­leicht fin­de ich ja was in mei­nem ge­lern­ten Be­ruf." Doch Sko­peks Zeit in die­sem Be­ruf ist lan­ge her.

"26 Jah­re ha­be ich hier gu­tes Geld ver­dient", sagt An­to­nio Gon­za­lez, 48, der als Ko­lon­nen­füh­rer Lo­gis­tik bei Opel ar­bei­tet. Er will nach dem Aus bei Opel ver­su­chen, sich zum Aus­bil­der für La­ger­fach­kräf­te um­schu­len zu las­sen. Das be­deu­tet er­heb­li­che Lohn­ein­bu­ßen für Gon­za­lez, der zu­sam­men mit sei­ner Part­ne­rin sechs Kin­der ver­sor­gen muss. "Den­noch - das Le­ben ist nicht Opel", sagt er. Sein be­we­gends­ter Mo­ment in den 26 Jah­ren? "Als ich ein­ge­stellt wur­de. Da ha­be ich ge­dacht: Jetzt kann nichts mehr pas­sie­ren - Ren­te, Du kannst kom­men."

Nicht al­le am Werks­tor sind so ge­las­sen wie der ge­bür­ti­ge Spa­nier. Vie­le schüt­teln nur stumm den Kopf oder ant­wor­ten kurz im Vor­bei­ge­hen Sät­ze wie "Was soll ich sa­gen - ich bin trau­rig" bis "Ich sag nix, mir reicht’s". Ei­nem Mit­ar­bei­ter schie­ßen die Trä­nen in die Au­gen, als plötz­lich ei­ne Fern­seh­ka­me­ra auf ihn ge­rich­tet ist. Gü­ler Ni­hat, der 1991 bei Opel ge­lernt hat, will so­gar ge­gen Opel kla­gen, wenn er sei­ne Kün­di­gung be­kommt. Er zählt zu den we­ni­gen, die den So­zi­al­ta­rif­ver­trag nicht un­ter­schrie­ben ha­ben. "Mei­ne Zu­kunft?", sagt der Fa­mi­li­en­va­ter mit drei Kin­dern zö­gernd, "50:50 - ach, ich weiß nicht."

Mi­ke Sz­c­ze­blew­ski ist nicht nur auf Opel, son­dern auch auf die IG Me­tall sau­er, die den Ta­rif­ver­trag für den Aus­stieg aus­ge­han­delt hat. "Ich bin tief ent­täuscht", sagt er. "Die ha­ben das An­ge­bot aus De­troit von GM an­ge­nom­men und nicht rich­tig für un­se­re Jobs ge­kämpft." Für sei­ne Zeit drau­ßen ist der 37-Jäh­ri­ge we­nig op­ti­mis­tisch. 1994 hat er bei Opel Schlos­ser ge­lernt, wech­sel­te aber schon 1998 in die La­ckie­re­rei. Nach der lan­gen Zeit au­ßer­halb des er­lern­ten Be­rufs gel­te er auf dem Ar­beits­markt jetzt als Un­ge­lern­ter, sagt Sz­c­ze­blew­ski. "Mei­ne Exis­tenz ist zer­stört."

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Letzte Überarbeitung: 30. Januar 2016

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