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Traum­team sucht Stel­le - Job-Sha­ring wird im­mer po­pu­lä­rer

Zwei Mit­ar­bei­ter tei­len sich ei­ne Stel­le und wech­seln sich täg­lich, wö­chent­lich oder mo­nat­lich ab: Job-Sha­ring heißt das Kon­zept und ist et­wa für jun­ge El­tern ide­al. Doch sel­ten sind Voll­zeit­stel­len für zwei aus­ge­schrie­ben - meist müs­sen Mit­ar­bei­ter selbst ak­tiv wer­den
Ist Job-Sha­ring als Ar­beits­mo­dell auf dem Vor­marsch?

20.05.2013. (dpa) - Mon­tags ist San­dra Rath­mann dran.

Die 36-jäh­ri­ge Pro­jekt­lei­te­rin bei Bosch sitzt im Bü­ro, ent­wi­ckelt Kon­zep­te, lei­tet Work­shops, hält Mee­tings - Ar­beits­all­tag ei­ner Füh­rungs­kraft.

Bis Mitt­woch ist Rath­mann im Bü­ro, don­ners­tags und frei­tags ar­bei­tet sie vor­mit­tags im Ho­me Of­fice.

Ver­waist ist ihr Ar­beits­platz in der Zeit trotz­dem nicht – Job-Sha­ring-Part­ne­rin Su­san­ne Kle­ment ist ab Diens­tag vor Ort für den Chef und die Kol­le­gen an­sprech­bar.

"Ei­ne von uns ist im­mer da", er­klärt Rath­mann.

Ei­nen Tag ver­brin­gen bei­de Frau­en für Ko­or­di­nie­rungs­auf­ga­ben ge­mein­sam im Bü­ro, der Rest der Ab­spra­chen läuft über Te­le­fo­na­te und E-Mail.

Job-Sha­ring heißt das Teil­zeit-Ar­beits­mo­dell, bei dem sich meh­re­re Be­schäf­tig­te ei­nen Ar­beits­platz tei­len. Häu­fig sind die Job-Sha­rer da­bei sel­ber für die Auf­tei­lung der Ar­beits­zeit und der In­hal­te ver­ant­wort­lich. "Un­ser Chef sieht uns als Gan­zes. Wenn er ei­ne Auf­ga­be stellt, will er ein Er­geb­nis von uns – wie das zu­stan­de kommt, wer das macht, ist ihm egal", sagt Rath­mann. Dar­über stim­men sich Rath­mann und Kle­ment in­tern ab.

Seit Jah­ren wächst die Zahl der Job-Sha­ring Ar­beits­ver­hält­nis­se in deut­schen Un­ter­neh­men. Prak­ti­zier­ten 2003 nach ei­ner Un­ter­su­chung des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) in Köln 9,1 Pro­zent Un­ter­neh­men Job-Sha­ring, wa­ren es 2009 schon 20,4 Pro­zent. Chris­tia­ne Flü­ter-Hoff­mann vom IW ist si­cher, dass die Zah­len für 2012 wei­ter ge­stie­gen sind. "Es ist im Prin­zip ja auch ei­ne klas­si­sche Win-Win-Si­tua­ti­on." Gu­te Job-Sha­ring-Teams sind of sehr pro­duk­tiv.

Grün­de für Job­sha­ring gibt es vie­le: Vor al­lem weib­li­che Be­schäf­tig­te wün­schen sich ge­rin­ge­re Ar­beits­zei­ten, zum Bei­spiel um Fa­mi­lie und Be­ruf bes­ser ver­ein­ba­ren zu kön­nen. Mög­lich ist aber auch, ei­nen Stel­len­um­fang von über 100 Pro­zent auf zwei oder mehr Mit­ar­bei­ter zu ver­tei­len. Die ge­setz­li­chen Grund­la­gen re­gelt das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) un­ter Pa­ra­graf 13: "Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer kön­nen ver­ein­ba­ren, dass meh­re­re Ar­beit­neh­mer sich die Ar­beits­zeit an ei­nem Ar­beits­platz tei­len." Ei­nen Rechts­an­spruch auf Job-Sha­ring gibt es je­doch nicht.

Sel­ten sind Job-Sha­ring-Stel­len aus­ge­schrie­ben. "Das pas­siert meis­tens auf Initia­ti­ve der Mit­ar­bei­ter", be­rich­tet Bar­ba­ra Sarx-Loh­se, Mit­be­grün­de­rin von Fl­ex­per­ten, ei­nem Job­por­tal für fle­xi­bles Ar­bei­ten. Ge­ra­de in klei­ne­ren Un­ter­neh­men ist die Skep­sis ge­gen­über der Ar­beits­platz­tei­lung groß, vor al­lem, was die in­ter­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on, aber auch hö­he­re So­zi­al­ab­ga­ben an­geht.

Auch San­dra Rath­mann und Su­san­ne Kle­ment muss­ten Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten: "Mit ei­ner Ge­halts­si­mu­la­ti­on konn­ten wir zei­gen, dass die Kos­ten für Ge­halt und So­zi­al­ab­ga­ben nur um rund 10 Pro­zent teu­rer sind als bei ei­ner Voll­zeit­stel­le", er­zählt Rath­mann. "Da­für ist un­se­re Stel­le im­mer be­setzt, egal ob mal ei­ne krank oder im Ur­laub ist."

Ein gu­tes hal­bes Jahr ha­ben die Bosch-Frau­en ihr Ar­beits­zeit­mo­dell ge­plant und über­ar­bei­tet, be­vor sie da­mit im Kon­zern auf Stel­len­su­che gin­gen. Da­bei ging es nicht nur dar­um, Ar­beits­zei­ten und Or­ga­ni­sa­to­ri­sches zu klä­ren. Viel wich­ti­ger war das per­sön­li­che Ken­nen­ler­nen und das ehr­li­che Ab­klä­ren von Grund­wer­ten un­ter­ein­an­der: "Wie lan­ge soll die­se Part­ner­schaft dau­ern?" und "Mit wel­chen Ge­halts­vor­stel­lun­gen geht man in die Ar­beits­ver­trags­ver­hand­lung?"

Auch die Ar­beits­markt­ex­per­tin­nen war­nen vor schnel­len Ent­schei­dun­gen beim Job-Sha­ring: "Die Che­mie zwi­schen den bei­den Spar­ring-Part­nern muss stim­men, das ist das A und O", sagt Flü­ter-Hoff­mann. Bei­de Part­ner müs­sen of­fen und ehr­lich mit­ein­an­der um­ge­hen und Kri­tik so­wohl aus­spre­chen als auch ein­ste­cken kön­nen.

Be­son­ders wich­tig ist bei Job-Sha­ring-Mo­del­len die Ver­tre­tungs­re­ge­lung. Was pas­siert, wenn ei­ner der bei­den Part­ner we­gen Krank­heit län­ger aus­fällt? So sind Job-Sha­rer laut Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz "zur Ver­tre­tung ver­pflich­tet, wenn sie der Ver­tre­tung im Ein­zel­fall zu­ge­stimmt ha­ben." Ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­run­gen soll­ten Job-Sha­rer un­be­dingt prü­fen, emp­fiehlt Flü­ter-Hoff­mann. Fehlt ei­ne ent­spre­chen­de Klau­sel, müs­sen sie das nicht ma­chen. Es sei denn, der Chef kann Über­stun­den an­ord­nen. "Am bes­ten geht man bei der Ar­beits­zeit­ver­ein­ba­rung nicht ganz ans Li­mit, so dass man even­tu­ell die Mög­lich­keit hat, vor­über­ge­hend auch et­was mehr zu ar­bei­ten."

Job-Sha­ring als Ar­beits­mo­dell wird sich wei­ter aus­brei­ten, da sind sich die Fach­frau­en si­cher. Der be­son­de­re Reiz des Teil­zeit­mo­dells: "Es ist ge­ra­de für hoch qua­li­fi­zier­te Jobs in­ter­es­sant", meint Sarx-Loh­se. Denn mit der Auf­tei­lung sind auch Füh­rungs­po­si­tio­nen, die ei­ne Voll­zeit­stel­le er­for­dern, mit re­du­zier­ter Ar­beits­zeit mög­lich. Bosch-Pro­jekt­lei­te­rin Rath­mann wä­re al­lei­ne an ei­ner Füh­rungs­auf­ga­be ge­schei­tert. Zu­sam­men mit Kle­ment übt sie jetzt trotz ih­rer drei Kin­der ei­nen Be­ruf in lei­ten­der Po­si­ti­on aus.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 15. Februar 2016

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