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Uni­ons-Wirt­schafts­flü­gel ge­gen Ren­te mit 63 - Oet­tin­ger: Ren­te ab 70

Der CDU-Wirt­schafts­rat hält Kanz­le­rin Mer­kel vor, mit den schwarz-ro­ten Ren­ten­plä­nen ih­re ei­ge­nen Zie­le zu kon­ter­ka­rie­ren: Auch an­de­re Uni­ons­po­li­ti­ker schäu­men. Die SPD kon­tert die Be­den­ken kühl
Zwei Männchen mit Euro Ist die Kri­tik an ei­ner Ren­te mit 63 be­rech­tigt?

22.04.2014. (dpa) - Pro­mi­nen­te Ver­tre­ter des Wirt­schafts­flü­gels der Uni­on las­sen bei ih­rer Kri­tik an den schwarz-ro­ten Plä­nen für ei­ne Ren­te ab 63 nicht lo­cker.

Der CDU-Wirt­schafts­rat warf Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel vor, mit dem von der SPD durch­ge­setz­ten Ren­ten­kurs Po­li­tik ge­gen ih­re Über­zeu­gung zu ma­chen.

EU-En­er­gie­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger (CDU) und Wirt­schafts­for­scher spre­chen sich für län­ge­re Le­bens­ar­beits­zei­ten in­klu­si­ve ei­ner Ren­te mit 70 aus.

SPD-Vi­ze Thors­ten Schä­fer-Güm­bel sagt da­ge­gen zur Kri­tik aus den Rei­hen des Ko­ali­ti­ons­part­ners: "Ich ge­he fest da­von aus, dass die Uni­on zu den Ver­ein­ba­run­gen im Ko­ali­ti­ons­ver­trag steht. Die Ent­schei­dun­gen sind ge­fal­len."

Der Prä­si­dent des CDU-Wirt­schafts­rats, Kurt Lauk, sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur (dpa) in Ber­lin, der von Mer­kel in­iti­ier­te Eu­ro-Plus- Pakt se­he die An­glei­chung des tat­säch­li­chen Ren­ten­ein­tritts­al­ters an die Le­bens­er­war­tung und die Be­gren­zung der Vor­ru­he­stands­re­ge­lung vor. "Und jetzt kip­pen wir das wie­der." Die Uni­on kon­ter­ka­rie­re mit der Ren­te mit 63 "un­se­re ei­ge­nen For­de­run­gen in Eu­ro­pa. An­de­re Län­der sind froh, dass Deutsch­land das macht und sie sich nun nicht so an­stren­gen müs­sen."

CDU-Che­fin Mer­kel hat­te mehr­fach be­tont, dass ihr die Zu­ge­ständ­nis­se zur Ren­te mit 63 in den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen be­son­ders schwer ge­fal­len sei­en.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) ha­be die Ren­ten­plä­ne un­ge­recht auf­ge­setzt, sag­te Lauk. "Wenn es nur um ei­ne Ren­te mit 63 Jah­ren gin­ge für Men­schen, die 45 Jah­re am Stück hart ge­ar­bei­tet ha­ben - das wä­re kein so gro­ßes Pro­blem." Das be­trä­fe we­ni­ge hun­dert­tau­send Leu­te. "Aber wer 45 Jah­re halb­tags ge­ar­bei­tet hat und zwi­schen­durch ar­beits­los war, kommt auch in den Ge­nuss der Ren­te mit 63. Das kann nicht wahr sein. Hier ist die Um­set­zung des Ko­ali­ti­ons­ver­trags durch die So­zi­al­de­mo­kra­tie so­zi­al un­ge­recht ge­wor­den. Das kann man nicht durch­las­sen." Vor al­lem die SPD - und nicht die Uni­on - wer­de Scha­den neh­men. "Die SPD macht die gro­ßen fal­schen Pro­jek­te, die lang­fris­tig nicht halt­bar sind", sag­te Lauk.

EU-En­er­gie­kom­mis­sar Oet­tin­ger for­der­te in der Zei­tung "Die Welt" (Diens­tag): "Wir ha­ben ei­nen Fach­kräf­te­man­gel und müs­sen in den nächs­ten Jah­ren über die Ren­te mit 70 spre­chen." Un­ter­stüt­zung be­kam er von Mar­cel Fratz­scher, dem Prä­si­den­ten des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung. "Durch die stei­gen­de Le­bens­er­war­tung und die de­mo­gra­fi­sche Wen­de ist die Fra­ge der Ren­te mit 70 un­aus­weich­lich", sag­te er der "Welt".

Auch Klaus Zim­mer­mann, Di­rek­tor des For­schungs­in­sti­tuts zur Zu­kunft der Ar­beit, kri­ti­sier­te die Ko­ali­ti­ons­plä­ne: "Mit der Ren­ten­par­ty, die die deut­sche Bun­des­re­gie­rung ge­ra­de auf Kos­ten der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on vor­be­rei­tet, gibt Deutsch­land in Eu­ro­pa sei­nen An­spruch auf Füh­rung in ren­ten­po­li­ti­schen Zu­kunfts­fra­gen auf."

Der Ren­ten­ex­per­te Bert Rü­rup be­zeich­ne­te in "Fo­cus On­line" Re­for­men wie die Ren­te mit 63 und die Müt­ter­ren­te als "Kli­en­tel­po­li­tik". Sie sei­en an­ge­sichts der al­tern­den Be­völ­ke­rung "ein völ­lig fal­sches Si­gnal".

Der hes­si­sche SPD-Chef und Bun­des­vi­ze sei­ner Par­tei, Schä­fer-Güm­bel, sag­te der dpa in Wies­ba­den, mit der ab­schlags­frei­en Ren­te nach 45 Jah­ren Ar­beit wer­de ei­ne Ge­rech­tig­keits­lü­cke ge­schlos­sen. "Das gilt nicht nur für die Fach­ar­bei­ter­schaft, son­dern auch für vie­le an­de­re Be­schäf­tig­te", sag­te er zu Vor­wür­fen, die SPD be­die­ne mit der Re­form vor al­lem die ihr eng ver­bun­de­ne Kli­en­tel der Fach­ar­bei­ter.

Der stell­ver­tre­ten­de FDP-Vor­sit­zen­de Wolf­gang Ku­bi­cki sag­te der dpa, sei­ne Par­tei wol­le sich mit ei­nem ei­ge­nen Kon­zept zur Ren­ten­re­form pro­fi­lie­ren. "Wir fa­vo­ri­sie­ren das schwe­di­sche Mo­dell, nach dem im Al­ter zwi­schen 60 und 70 Jah­ren Ar­beit­neh­mer mit ih­rem Ar­beit­ge­ber frei mit­ein­an­der ver­ein­ba­ren kön­nen, wann sie auf­hö­ren oder in wel­cher Form sie in Teil­zeit über­ge­hen", sag­te er. "Auch wir mei­nen, dass Men­schen, die 45 Jah­re hart ge­ar­bei­tet ha­ben, in Ren­te ge­hen dür­fen und kön­nen", sag­te Ku­bi­cki. "Wir sind an­ders als So­zi­al- und auch Christ­de­mo­kra­ten aber der Auf­fas­sung, dass die Men­schen dar­über in ei­ner frei­heit­li­chen Welt selbst ent­schei­den kön­nen."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 21. April 2016

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