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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/084

VW zieht mit Streich­kon­zert Groll von Be­triebs­rat und Land auf sich

Die Kür­zungs­plä­ne bei Volks­wa­gen trei­ben ne­ben der Ar­beit­neh­mer­sei­te nun auch den Groß­ak­tio­när Nie­der­sach­sen auf die Bar­ri­ka­den: Die wich­ti­ge Toch­ter Por­sche kann die Stim­mung nur ein we­nig auf­hel­len
Autoschlüssel Wie se­hen die Spar­plä­ne aus?

12.03.2016. (dpa) - Der Au­to­bau­er Volks­wa­gen hat mit sei­nem ge­plan­ten Ab­bau von gut 3000 Bü­ro­jobs bei der Pkw-Kern­mar­ke nun auch den Groß­eig­ner Nie­der­sach­sen ge­gen sich auf­ge­bracht.

Zwi­schen dem Land, das im Auf­sichts­rat des Kon­zerns ein Blo­cka­de­recht be­sitzt, und VW sorgt der Stel­len-Streich­plan für ei­ne schwe­re Ver­stim­mung.

Am Don­ners­tag hat­te die Deut­sche Pres­se-Agen­tur be­rich­tet, dass VW bis En­de 2017 im Kreis sei­nes Haus­ta­ri­fes bei den Bü­ro-Mit­ar­bei­tern au­ßer­halb der Pro­duk­ti­on je­den zehn­ten Job ab­bau­en will.

We­gen der noch lau­fen­den Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung muss je­doch nie­mand fürch­ten, ar­beits­los zu wer­den.

Die ge­plan­ten Ein­schnit­te sol­len über Per­so­nal­schwan­kun­gen, Al­ters­teil­zeit oder neue Auf­ga­ben lau­fen.

Der Kon­zern hat­te Spar­plä­ne beim Per­so­nal be­stä­tigt, aber kei­ne De­tails nen­nen wol­len. VW ste­he wei­ter zur Stamm­be­leg­schaft, be­ton­te ein Spre­cher und ver­wies auf die Be­schäf­ti­gungs­si­che­rung, die auch Mar­ken­chef Her­bert Diess wie­der­holt her­vor­ge­ho­ben hat­te.

Nie­der­sach­sens Lan­des­re­gie­rung ist sau­er we­gen der Kom­mu­ni­ka­ti­on des The­mas. "Hier wer­den Zah­len in die Welt ge­setzt, über die die Lan­des­re­gie­rung und die Gre­mi­en nicht in­for­miert wa­ren – und auch noch im­mer nicht sind", sag­te ein Spre­cher von Wirt­schafts­mi­nis­ter und VW-Auf­sichts­rat Olaf Lies am Frei­tag. "Sei­ne Ver­är­ge­rung über die Art und Wei­se der Kom­mu­ni­ka­ti­on hat er deut­lich ge­macht. Es wird in den nächs­ten Gre­mi­en­sit­zun­gen da­zu auch in­ten­siv nach­ge­fragt wer­den."

Lies war am Vor­abend von der Op­po­si­ti­on im nie­der­säch­si­schen Land­tag scharf at­ta­ckiert wor­den, weil dem SPD-Po­li­ti­ker der ge­plan­te Ab­bau tau­sen­der VW-Stel­len nicht be­kannt war. Re­gie­rungs­chef Ste­phan Weil (SPD) äu­ßer­te sich ähn­lich: "Der Lan­des­re­gie­rung lie­gen kei­ner­lei Plä­ne in die­ser Hin­sicht bei VW vor." Maß­geb­lich für Re­ak­tio­nen des Lan­des müss­ten of­fi­zi­el­le Kon­zern­dar­stel­lun­gen sein, nicht Be­rich­te.

Kri­tik ern­te­te VW auch aus der nie­der­säch­si­schen SPD. "Die Plä­ne von Herrn Diess sind aus der neo­li­be­ra­len Mot­ten­kis­te", sag­te Gerd Will, Wirt­schafts­ex­per­te der SPD-Land­tags­frak­ti­on. Job­ab­bau sei kein ge­eig­ne­tes Mit­tel, um die Pro­duk­ti­vi­tät des Un­ter­neh­mens zu er­hö­hen.

Nach dpa-In­for­ma­tio­nen geht es um min­des­tens 3400 Jobs. Be­trof­fen sein könn­ten vor al­lem die Ver­wal­tun­gen in Wolfs­burg und Han­no­ver, aber auch die Fi­nanz­toch­ter in Braun­schweig. Der Spar­plan zu je­der zehn­ten Bü­ro­stel­le wur­de dem­nach am Diens­tag im in­ter­nen Teil ei­ner VW-Be­triebs­ver­samm­lung the­ma­ti­siert. Laut der "Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung»"ste­hen so­gar 4000 Stel­len auf dem Spiel.

Auch der VW-Be­triebs­rat, der im Auf­sichts­rat ei­ne Blo­cka­de­po­si­ti­on be­sitzt, ist in Alarm­be­reit­schaft. "Wir wer­den es nicht zu­las­sen, dass blind­wü­tig und plan­los Stel­len ge­stri­chen wer­den", hat­te Be­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh am Diens­tag in der Ver­samm­lung ge­sagt. Zu­dem wur­de be­kannt, dass VW über­legt, bei sei­nem Spar­kurs in der Ab­gas-Af­fä­re den Band­ar­bei­tern die Ar­beits-T-Shirts zu strei­chen.

Der kur­ze Auf­wärts­trend bei den VW-Ver­käu­fen flaut der­zeit wie­der ab. Die Pkw-Mar­ke um Golf und Pas­sat lie­fer­te im Fe­bru­ar welt­weit 394.400 Fahr­zeu­ge aus - 4,7 Pro­zent we­ni­ger als im Fe­bru­ar des Vor­jah­res. Im Ja­nu­ar hat­ten die Ver­käu­fe im Jah­res­ver­gleich noch um 2,8 Pro­zent zu­ge­legt, nun ste­hen sie im Jah­res­ver­lauf bei mi­nus 0,5 Pro­zent. Ein Aus­lö­ser war die Fe­bru­ar-Ab­satz­schwä­che auf dem wich­tigs­ten VW-Markt Chi­na, wo dies­mal das Neu­jahrs­fest we­ni­ger Ver­käu­fe brach­te.

Po­si­ti­ve Nach­rich­ten gab es am Frei­tag von der Toch­ter Por­sche. Die Stutt­gar­ter blie­ben auch im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne Ge­winn­ma­schi­ne bei Volks­wa­gen. Um­satz und ope­ra­ti­ves Er­geb­nis wuch­sen je um ein Vier­tel. Un­term Strich stieg der Ge­winn um sechs Pro­zent auf gut 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro – Geld, das der VW-Kon­zern an­ge­sichts dro­hen­der Straf­zah­lun­gen und vie­ler Kla­gen im Ab­gas-Skan­dal gut brau­chen kann.

Von der Lkw-Toch­ter MAN kommt da­ge­gen vor­erst we­ni­ger fi­nan­zi­el­le Hil­fe. Der Kon­junk­tur­ein­bruch in Bra­si­li­en und ei­ge­ne Um­bau lie­ßen das ope­ra­ti­ve Er­geb­nis 2015 um über drei Vier­tel ab­sa­cken. Un­term Strich fiel der Ge­winn fast um die Hälf­te auf 140 Mil­lio­nen Eu­ro.

Zu­dem wur­den wei­te­re De­tails zum Soft­ware-Be­trug be­kannt, der hin­ter der Kri­se um welt­weit elf Mil­lio­nen ma­ni­pu­lier­te Die­sel­au­tos steht. Wie NDR, WDR und "Süd­deut­sche Zei­tung" be­rich­te­ten, wur­de das il­le­ga­le Pro­gramm En­de 2014 in den USA noch ein­mal um ei­ne neue Funk­ti­on er­wei­tert, ob­wohl die US-Be­hör­den Volks­wa­gen we­gen deut­lich er­höh­ter Ab­gas­wer­te schon im Vi­sier hat­ten. Den In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge spiel­te VW bei ei­nem Rück­ruf der be­trof­fe­nen Die­sel­wa­gen 2014/2015 ei­ne Er­ken­nungs­funk­ti­on für den Win­kel des Lenk­ra­des auf.

Be­wegt sich das Steu­er nicht - wie im Ab­gas­test der Be­hör­den - er­kennt die Soft­ware die La­bor­si­tua­ti­on. Auf der Stra­ße im rea­len Be­trieb hilft die Win­ke­l­er­ken­nung da­ge­gen, den Spar­mo­dus zu ver­mei­den. Kon­zern­krei­se be­stä­tig­ten dpa dies. Dem­nach sol­len die Pro­gram­mie­rer das il­le­ga­le Pro­gramm als "Akus­tik­soft­ware" ge­tarnt ha­ben. In der zwei­ten April-Hälf­te will VW ei­nen um­fang­rei­chen Zwi­schen­be­richt zur Schuld­fra­ge bei den Ma­ni­pu­la­tio­nen vor­le­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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