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ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/079

Ver­di will bei Ama­zon wei­ter kämp­fen - aber wann?

Nach 23 Ta­gen Streik - dem ers­ten bei Ama­zon - herrscht schein­bar Still­stand: Ein Ta­rif­ver­trag für die 10 000 Be­schäf­tig­ten scheint nicht in Sicht
Wer­den die Streiks bei Ama­zon fort­ge­setzt?

10.03.2014. (dpa) - Im fest­ge­fah­re­nen Kon­flikt um ei­nen Ta­rif­ver­trag für die rund 10 000 Fest­an­ge­stell­ten beim On­line-Ver­sand­händ­ler Ama­zon Deutsch­land gibt sich die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di wei­ter kampf­be­reit.

Seit Som­mer 2013 ha­ben Tei­le der Be­leg­schaft am größ­ten Stand­ort im hes­si­schen Bad Hers­feld und in Leip­zig im­mer wie­der ge­streikt.

Die Strei­ken­den woll­ten dem deut­schen Ab­le­ger des US-Han­dels­rie­sen Ama­zon ei­nen Ta­rif­ver­trag nach den Be­din­gun­gen des Ein­zel- und Ver­sand­han­dels ab­rin­gen.

Mit­te De­zem­ber hat­ten sich auch Mit­ar­bei­ter am baye­ri­schen Stand­ort Gra­ben für ei­nen Tag be­tei­ligt.

An ins­ge­samt 23 Ta­gen wur­de ge­streikt. Be­son­ders schmerz­haft soll­te der Aus­stand den welt­größ­ten On­line-Ver­sen­der in der Vor­weih­nachts­zeit tref­fen. Doch Fehl­an­zei­ge. Das Un­ter­neh­men rühr­te sich nicht von der Stel­le und be­stritt jeg­li­che Aus­wir­kun­gen aufs Ge­schäft. Und Ver­di scheint trotz er­neu­ten Strei­kan­kün­di­gun­gen et­was die Pus­te aus­ge­gan­gen zu sein.

"Die Streiks vor Weih­nach­ten wa­ren ei­ne gro­ße Ge­schich­te", sagt Ver­di-Be­reichs­lei­ter Jörg Lau­en­roth-Ma­go in Leip­zig. Nach ei­ner so gro­ßen Sa­che müs­se man der Ge­gen­sei­te auch Luft las­sen. "An un­se­rer For­de­rung nach ei­nem Ta­rif­ver­trag hat sich nichts ge­än­dert. Wir be­ob­ach­ten die Si­tua­ti­on und die Ent­wick­lung in der Bran­che", sagt der Ge­werk­schaf­ter. "Wir wol­len der Ge­schäfts­füh­rung Zeit zur Re­ak­ti­on ge­ben."

Der Kon­zern hat es bis­her stets ab­ge­lehnt, in Ta­rif­ver­hand­lun­gen ein­zu­tre­ten. Ama­zon se­he auch wei­ter­hin kei­nen An­lass für Ver­hand­lun­gen, sagt ei­ne Spre­che­rin. Das Un­ter­neh­men ori­en­tie­re sich an den Ta­ri­fen der Lo­gis­tik-Bran­che und lie­ge bei der Be­zah­lung am obe­ren En­de des Üb­li­chen. "Wir sind der Mei­nung, dass un­se­re Ex­tras ein­fach nicht in un­fle­xi­ble Ver­trä­ge pas­sen", sagt sie. "Wir ar­bei­ten eng mit un­se­ren Mit­ar­bei­tern und den Be­triebs­rä­ten zu­sam­men."

Es sei noch nicht klar, wann 2014 wie­der ge­streikt wer­de, sagt Lau­en­roth-Ma­go. "wir wer­den wei­ter Druck ma­chen, wol­len aber für Ama­zon un­kal­ku­lier­bar blei­ben." Ist der Ge­werk­schaft viel­leicht der Pro­test von Tei­len der Be­leg­schaft ge­gen die Streiks in die Glie­der ge­fah­ren? Im­mer­hin 1000 Un­ter­schrif­ten wur­den für die Ak­ti­on Pro Ama­zon ge­sam­melt.

Das Un­ter­neh­men be­stritt, die Ak­ti­on mit­in­iti­iert zu ha­ben. Die Grä­ben in der Be­leg­schaft sei­en viel we­ni­ger tief als es schei­ne, be­ton­te Lau­en­roth-Ma­go. Es ge­he kein Riss durch die Be­leg­schaft. Es ge­be schließ­lich im­mer Leu­te, die nicht mit­streik­ten. "Die Men­schen, die dort ar­bei­ten ha­ben mit ih­rem Ar­beit­ge­ber ei­ne gro­ße Iden­ti­fi­ka­ti­on, auch die die kri­tisch sind", be­schwich­tigt Lau­en­roth-Ma­go.

Mo­men­tan ist un­klar, wie die ver­fah­re­ne Si­tua­ti­on auf­ge­löst wer­den kann. Die Ge­werk­schaft scheint im Zug­zwang. Es sei prin­zi­pi­ell für ei­ne Ge­werk­schaft nicht hin­nehm­bar, dass ein Un­ter­neh­men sich wei­ge­re, über­haupt in Ta­rif­ver­hand­lun­gen ein­zu­tre­ten, sagt der Streik­ex­per­te der Ge­werk­schafts­na­hen Hans-Böck­ler-Stif­tung, Hei­ner Drib­busch. Die aus sol­chen Si­tua­tio­nen re­sul­tie­ren­den Aus­ein­an­der­set­zun­gen könn­ten sehr lang­wie­rig wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. April 2015

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