HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/232

Beißt sich Ver­di an Ama­zon die Zäh­ne aus?

Seit Mo­na­ten wird beim In­ter­net-Ver­sand­händ­ler Ama­zon im­mer wie­der ge­streikt: Doch rich­tig vor­wärts geht es nicht. Der US-Gi­gant lässt die Strei­ken­den an­schei­nend ins Lee­re lau­fen
War­um lau­fen die Streiks ins Lee­re?

13.08.2013. (dpa) - Die Si­tua­ti­on scheint fest­ge­fah­ren.

Der ers­te Streik beim deut­schen Ab­le­ger des US-Han­dels­gi­gan­ten Ama­zon hat bis­lang we­nig be­wirkt.

Der ge­for­der­te Ta­rif­ver­trag ist nicht in Sicht, ob­wohl seit Mo­na­ten am größ­ten deut­schen Stand­ort in Bad Hers­feld und in Leip­zig im­mer wie­der ge­streikt wird.

Zu­letzt im ost­hes­si­schen Bad Hers­feld so­gar drei Ta­ge am Stück.

An den Streik­ta­gen zieht Ver­di ei­ne Er­folgs­bi­lanz und gibt Teil­neh­mer­zah­len be­kannt.

Ama­zon kon­tert un­ge­rührt, kor­ri­giert die Zah­len nach un­ten und ver­kün­det, dass durch den Aus­stand kei­ne Stö­run­gen ent­stan­den sind - im­mer das glei­che Pro­ze­de­re.

Kann es sein, dass sich Ver­di an dem US-Un­ter­neh­men, des­sen Chef sich ge­ra­de die re­nom­mier­te "Wa­shing­ton Post" ge­kauft hat, die Zäh­ne aus­beißt? Die Ge­werk­schaft will nicht auf­ge­ben. Auch wenn jetzt Som­mer­pau­se ist, die Streiks wer­den wei­ter­ge­hen, sagt der Leip­zi­ger Ver­di-Mann Tho­mas Schnei­der. "So ein Weg zu ei­nem Ta­rif­ver­trag ist im­mer ein Pro­zess, da gibt es kei­ne Schnell­stra­ße", sagt er. Ver­di sei auf ei­ne lan­ge Dis­tanz ein­ge­rich­tet.

Und Schei­tern? "Das ist für uns kei­ne Fra­ge, über die wir uns den Kopf zer­bre­chen." Sei­ne hes­si­sche Ge­werk­schafts-Kol­le­gin Mecht­hild Mid­de­ke denkt ge­nau­so. Sie wer­tet die An­kün­di­gung, dass es Weih­nachts­geld ge­ben soll, als ein Zei­chen, dass sich et­was be­wegt. "Die Kol­le­gen ha­ben ge­sagt, jetzt erst recht, Ama­zon be­wegt sich zwar, aber das reicht uns nicht." Ama­zon in­des­sen will die­se Ges­te nicht als Ein­len­ken ver­stan­den wis­sen. Das Weih­nachts­geld ha­be nichts mit den Streiks zu tun.

Ver­di for­dert für die Be­schäf­tig­ten ei­nen Ta­rif­ver­trag nach den Kon­di­tio­nen des Ein­zel- und Ver­sand­han­dels. Das US-Un­ter­neh­men ori­en­tiert sich da­ge­gen nach ei­ge­nen An­ga­ben an der Be­zah­lung in der Lo­gis­tik­bran­che. In ei­nem State­ment hat­te Ama­zon kürz­lich er­klärt, es wer­de für Kun­den und für Mit­ar­bei­ter kein Vor­teil in ei­nem Ta­rif­ab­schluss ge­se­hen.

Für den Streik­ex­per­ten von der ge­werk­schafts­na­hen Hans Böck­ler Stif­tung, Hei­ner Drib­busch, ge­hört das al­les mit zum Ar­beits­kampf. "Die Fra­ge nach den Aus­wir­kun­gen und der An­zahl der Teil­neh­mer ist Teil der Aus­ein­an­der­set­zung", sagt Drib­busch. Er gibt kei­ne Pro­gno­se über den Aus­gang ab. "Das wird nicht al­lein in Leip­zig oder Bad Hers­feld ent­schei­den. Das ist ei­ne Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Ama­zon und Ver­di", be­tont er.

Es spre­che ei­ni­ges da­für, dass es kei­ne schnel­le Ei­ni­gung gibt. Auch weil im­mer nur ein Teil der Be­leg­schaft streikt. Es kön­ne aber auch sein, dass die Ak­tio­nen den Kon­zern zu­neh­mend ner­ven und er das Pro­blem vom Tisch ha­ben wol­le. In der Re­gel en­de­ten Streiks mit ei­nem Kom­pro­miss. Das sich ei­ne der Par­tei­en 1:1 durch­set­zen kön­ne, sei sehr sel­ten, sagt Drib­busch. Ge­nau­so sel­ten sei es, dass ein Streik er­geb­nis­los en­det. Ein Bei­spiel sei der ge­schei­ter­te Kampf um die 35-St­un­den-Wo­che für die ost­deut­schen Me­tal­ler im Jahr 2003. "Im Prin­zip wis­sen wir es erst hin­ter­her ganz ge­nau."

Im vo­ri­gen Jahr gab es in Deutsch­land laut Drib­busch 250 Streiks und Warn­streiks, an de­nen sich 1,2 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te be­tei­lig­ten. Vor al­lem ging es um Haus- und Fir­men­ta­rif­ver­trä­ge. Oft wei­ge­re sich der Ar­beit­ge­ber, über­haupt ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­zu­schlie­ßen. Dann zie­he sich die Aus­ein­an­der­set­zung hin. So gab es bei­spiels­wei­se erst nach 126 Ta­gen Streik beim Spar­kas­sen-Call­cen­ter S-Di­rekt in Hal­le ei­nen Ab­schluss.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de