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15/155a Ver­di heizt Ar­beits­kampf bei der Post an

Bei der Post tobt ein er­bit­ter­ter Ar­beits­kampf - und ein En­de ist noch nicht in Sicht: Mit ei­ner neu­er­li­chen Strei­k­aus­wei­tung will Ver­di den Kon­zern zum Ein­len­ken zwin­gen
Plausch am Postschalter Wie viel Zu­stel­ler strei­ken?

15.06.2015. (dpa) - Im Streik bei der Deut­schen Post will die Ge­werk­schaft Ver­di die Mus­keln spie­len las­sen.

"Wir le­gen nach und ho­len jetzt Tag für Tag mehr Zu­stel­ler in den Ar­beits­kampf", sag­te die stell­ver­tre­ten­de Ver­di-Vor­sit­zen­de An­drea Koc­sis der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Die deut­sche Wirt­schaft ver­langt der­weil ein so­for­ti­ges En­de der Streiks.

"Das Ver­hal­ten von Ver­di ge­gen­über der Deut­schen Post ist ver­ant­wor­tungs­los", sag­te Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer der "Bild"-Zei­tung (Mon­tag­aus­ga­be).

"Die Streik­fol­gen tra­gen nicht nur die Ar­beit­neh­mer in den be­trof­fe­nen Be­trie­ben, son­dern auch vie­le Kun­den der Post. Ver.di soll­te am Ver­hand­lungs­tisch ei­ne Lö­sung su­chen und die An­wen­dung ei­ge­ner Flä­chen­ta­rif­ver­trä­ge in den be­trof­fe­nen Be­trie­ben ak­zep­tie­ren."

Die Ge­werk­schaft sieht sich in­des auch für län­ger an­dau­ern­de Streiks ge­wapp­net. "Wir bre­chen kei­nen Ar­beits­kampf vom Zaun, wenn wir nicht wüss­ten, dass wir ihn fi­nan­zi­ell durch­ste­hen könn­ten", sag­te Koc­sis, die auch stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Post-Auf­sichts­ra­tes ist.

Wie lan­ge der Atem in dem Streik reicht - wie gut al­so die Streik­kas­se aus­ge­stat­tet ist und wel­che Be­trä­ge an Strei­ken­de flie­ßen -, woll­te sie nicht sa­gen. Für je­den Ver­di-Mit­ar­bei­ter im Aus­stand zahlt die Ge­werk­schaft ei­ne Un­ter­stüt­zung, aber kei­nen Lohn­aus­fall.

Da­durch müs­sen Strei­ken­de auch Ein­kom­mens­ein­bu­ßen hin­neh­men. Fünf Ta­ge nach dem Be­ginn der un­be­fris­te­ten Aus­stän­de hat­ten sich am Frei­tag bei der Post fast 18 000 Zu­stel­ler und Be­schäf­tig­te in Brief­zen­tren im Dau­er­streik be­fun­den. Nach An­ga­ben der Post sol­len 80 Pro­zent der 65 Mil­lio­nen Brie­fe und 75 Pro­zent der 3,5 Mil­lio­nen Pa­ke­te trotz des Streiks zu­ge­stellt wer­den.

Koc­sis mach­te er­neut deut­lich, dass Ver­di die ge­plan­te Aus­la­ge­rung der Pa­ket­zu­stel­lung über die Grün­dung von 49 re­gio­na­len Ge­sell­schaf­ten rück­gän­gig ma­chen will. Jobs könn­ten auch im Haus­ta­rif­ver­trag lang­fris­tig ge­si­chert wer­den. "Wir glau­ben, dass die Post ein sehr gu­tes Netz hat" - die­ses wür­de sie nun zer­schla­gen.

Die Grün­dung der Ge­sell­schaf­ten im Pa­ket­ge­schäft ist der Knack­punkt in dem Ta­rif­streit. Die rund 6000 dort in­zwi­schen fest Be­schäf­tig­ten wer­den nicht nach dem Haus­ta­rif­ver­trag be­zahlt, son­dern nach den schlech­te­ren Be­din­gun­gen des Spe­di­ti­ons- und Lo­gis­tik­ge­wer­bes.

Post-Chef Frank Ap­pel ar­gu­men­tiert, die Ge­häl­ter sei­en im Ver­gleich zur Kon­kur­renz viel zu hoch. Er will das Kos­ten­ni­veau sen­ken. Gleich­zei­tig ver­spricht Ap­pel, vie­le neue und un­be­fris­te­te Jobs in dem Be­reich zu schaf­fen.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent Kra­mer kri­ti­sier­te, Ver­di strei­ke bei der Post fak­tisch ge­gen die An­wen­dung von Flä­chen­ta­rif­ver­trä­gen, die die Ge­werk­schaft selbst für die Spe­di­ti­ons- und Lo­gis­tik­bran­che ver­ein­bart ha­be.

Ver­di sei nicht an­ge­tre­ten, um ein Spar­pa­ket der Post um­zu­set­zen, kon­ter­te Koc­sis. Viel­mehr ge­he es jetzt dar­um, in ei­nem "kern­ge­sun­den Un­ter­neh­men, das Mil­li­ar­den­ge­win­ne macht", ei­nen Kom­pro­miss zu fin­den. Tech­nisch sei die Rück­ab­wick­lung der Aus­la­ge­rung das kleins­te Pro­blem.

Zu­gleich zeig­te sie sich zu­ver­sicht­lich, dass der Ar­beit­ge­ber in der kom­men­den Wo­che auf Ver­di zu­kom­men wer­de. "Wir ha­ben dar­ge­legt, dass wir kom­pro­miss­fä­hig sind", be­teu­er­te Koc­sis. Al­lein der Ver­zicht auf ei­ne li­nea­re Ge­halts­er­hö­hung in die­sem Jahr wür­de der Post auf zehn Jah­re ge­rech­net 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro an Ein­spa­run­gen brin­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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