HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/043

Ver­ord­nung zur Ver­ord­nung - Nah­les kommt Kri­ti­kern bei Ar­beits­schutz ent­ge­gen

Ver­ord­nun­gen zum Ar­beits­schutz soll­ten per Ver­ord­nung aus dem Hau­se Nah­les ge­än­dert wer­den: "Ab­sur­dis­tan!", schimpf­ten die Ar­beit­ge­ber. Nun soll das strit­ti­ge Pro­jekt ent­schärft wer­den - per Ver­ord­nung
Arbeitsschutz Was soll die wei­te­re Ver­ord­nung ab­mil­dern?

12.02.2015. (dpa) - Nach ei­ner Wel­le von Kri­tik an ge­plan­ten neu­en Re­geln zum Ar­beits­schutz lenkt Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) ein.

Al­ler­dings will sie die Ver­ord­nung nicht wie von den Ar­beit­ge­bern ge­for­dert stop­pen.

Statt­des­sen soll die "Ver­ord­nung zur Än­de­rung von Ar­beits­schutz­ver­ord­nun­gen" wie ge­plant be­schlos­sen - und um­ge­hend durch ei­ne wei­te­re Ver­ord­nung ab­ge­mil­dert wer­den.

Der Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA be­zwei­felt, dass die Un­ter­neh­men die Re­geln dann nur in der ab­ge­mil­der­ten Form an­wen­den müss­ten.

"Ich hän­ge zum Bei­spiel nicht an den ab­schließ­ba­ren Spin­den, und über Aus­nah­men bei den Pau­sen­räu­men kann man von mir aus auch re­den", sag­te Nah­les der "Rhein-Zei­tung" (Mitt­woch). Aber: "Wenn wir das jetzt nicht be­schlie­ßen, wä­re dies ein schwe­rer Schlag für den Ar­beits­schutz, der seit 40 Jah­ren in die­sem Ver­fah­ren kon­sen­su­al ent­wi­ckelt wird."

Hin­ter­grund ist das bis­he­ri­ge Ver­fah­ren zur No­vel­lie­rung der Re­geln. Der Bun­des­rat hat­te dem Ent­wurf des Mi­nis­te­ri­ums be­reits am 19. De­zem­ber mit Än­de­rungs­wün­schen zu­ge­stimmt. Hier­bei kam auf An­trag Sach­sens auch die For­de­rung nach ab­schließ­ba­ren Spin­den hin­ein. Nah­les sagt, nach der Zu­stim­mung des Bun­des­rats dürf­te man nicht wie­der al­les än­dern. "Wir müss­ten den Pro­zess kom­plett neu be­gin­nen."

Wie das kon­kret aus­se­hen wür­de, ließ sie of­fen. Der ak­tu­el­le Ent­wurf ist seit mehr als zwei Jah­ren vor­be­rei­tet wor­den. Aus­ge­tüf­telt wor­den wa­ren die De­tails in ei­nem 15-köp­fi­gen Ar­beits­stät­ten­aus­schuss mit Ver­tre­ten der Ar­beit­ge­ber, Ge­werk­schaf­ten, Lan­des­mi­nis­te­ri­en, Kom­mu­nen, So­zi­al­ver­si­che­run­gen so­wie mit Hoch­schul­leh­rern.

Was wür­de pas­sie­ren, wenn die No­vel­le nun be­schlos­sen und durch ei­ne wei­te­re Ver­ord­nung ab­ge­mil­dert wür­de? Ar­beit­ge­ber soll­ten die strit­ti­ge Ver­ord­nung gar nicht erst um­set­zen müs­sen, son­dern die Än­de­run­gen ab­war­ten, zi­tier­te die "Rhein-Zei­tung" das Nah­les-Res­sort. Die BDA hin­ge­gen kri­ti­sier­te, die ge­plan­ten Än­de­run­gen wür­den dann bis zur Ver­ab­schie­dung der Kor­rek­tur gel­ten. "Die neu­en Vor­ga­ben müss­ten da­mit be­reits kurz nach dem Ka­bi­netts­be­schluss ein­ge­hal­ten wer­den." Ein neu­es Ver­ord­nungs­ver­fah­ren kön­ne hin­ge­gen in zeit­lich an­ge­mes­se­ner Frist um­ge­setzt wer­den - Grund zur Ei­le ge­be es nicht.

Wäh­rend Be­für­wor­ter der No­vel­le mei­nen, gel­ten­de Vor­ga­ben wür­den vor al­lem prä­zi­ser ge­fasst, war­nen die Kri­ti­ker vor neu­er Bü­ro­kra­tie. So wol­le die Po­li­tik, dass Fir­men die Te­le­ar­beits­plät­ze von Mit­ar­bei­tern zu­hau­se kon­trol­lie­ren. Die Ar­beit­ge­ber mo­nier­ten, dass et­wa auch nur sel­ten auf­ge­such­te Ar­chi­ve in Be­trie­ben künf­tig ei­ne be­stimm­te Tem­pe­ra­tur ha­ben müs­sen - oder dass Sa­ni­tär­räu­me Fens­ter ha­ben müs­sen. Im Nah­les-Mi­nis­te­ri­um hat­te man ent­geg­net: "Ar­chi­ve und Ab­stell­räu­me müs­sen auch künf­tig nicht ge­heizt wer­den."

Die Re­geln, die es be­reits gibt, wer­den von den zu­stän­di­gen Ar­beits­schutz­be­hör­den der Län­der deut­lich sel­te­ner als frü­her kon­trol­liert. Nach den jüngs­ten Zah­len sank die Zahl der Auf­sichts­be­am­ten für den ge­sam­ten Be­reich bin­nen zehn Jah­ren um mehr als 1000 auf 2935 im Jahr 2012. Sie kon­trol­lier­ten mit rund 100 000 Be­trie­ben noch gut die Hälf­te - und ka­men mit knapp 420 000 auf we­ni­ger als die Hälf­te Be­an­stan­dun­gen im Ver­gleich zu 2002.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de