HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/121

Ver­sand­händ­ler Ama­zon droht Streik an gro­ßen Stand­or­ten

Tau­sen­de Pa­ke­te wer­den täg­lich in den Ama­zon-Ver­teil­zen­tren ge­packt: Auf den schnel­len Weg zum Kun­den legt der Ver­sand­händ­ler gro­ßen Wert. Aber jetzt wol­len die Pa­ke­te-Pa­cker strei­ken
Droht ein Streik bei Ama­zon?

30.04.2013. (dpa) - Nach Är­ger mit den Wett­be­werbs­prü­fern und ei­ner hit­zi­gen De­bat­te um Leih­ar­bei­ter ste­hen die Zei­chen beim Ver­sand­händ­ler Ama­zon nun auf Streik.

Ne­ben den Ama­zon-Mit­ar­bei­tern in Leip­zig ha­ben sich auch die ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­schäf­tig­ten im größ­ten deut­schen Ver­teil­zen­trum im hes­si­schen Bad Hers­feld mit deut­li­cher Mehr­heit für ei­nen Ar­beits­kampf aus­ge­spro­chen.

Hin­ter­grund ist ih­re For­de­rung nach ei­nem Ta­rif­ver­trag ge­mäß den Kon­di­tio­nen der Ein­zel- und Ver­sand­han­dels­bran­che, was das Un­ter­neh­men bis­her ab­lehnt.

Rund 97,6 Pro­zent der Mit­glie­der sei­en zum Streik be­reit, teil­te die Ge­werk­schaft Ver­di nach der Ur­ab­stim­mung mit. Be­reits in der ers­ten Mai-Hälf­te soll die Ar­beit in Ost­hes­sen nie­der­ge­legt wer­den, hieß es. Ei­nen ge­nau­en Ter­min nann­te die Ge­werk­schaft nicht, Ver­di-Ver­hand­lungs­füh­rer Bern­hard Schie­de­rig hält die zwei­te Mai-Wo­che aber für wahr­schein­lich.

Ama­zon wei­ge­re sich, im Ta­rif­streit am Ver­hand­lungs­tisch Platz zu neh­men, sag­te Schie­de­rig am Mon­tag­mor­gen. "Wenn die Ge­schäfts­füh­rung auch die­se Zei­chen nicht ver­ste­hen will, sind Streiks in ab­seh­ba­rer Zeit nicht mehr zu ver­mei­den."

Auch am Stand­ort Leip­zig hieß es am Mon­tag: "Streiks wer­den im­mer wahr­schein­li­cher." Wei­ter ins De­tail woll­te Ver­di-Spre­cher Jörg Lau­en­roth-Ma­go je­doch nicht ge­hen. Ei­nen Ter­min für ei­nen Streik ge­be es noch nicht. Bei ei­ner Ur­ab­stim­mung in Leip­zig hat­ten 97 Pro­zent für Ar­beits­nie­der­le­gun­gen ge­stimmt. "Die Be­schäf­tig­ten plat­zen fast vor Un­ge­duld. Die Streik­be­reit­schaft ist hoch", sag­te Lau­en­roth-Ma­go.

Ama­zon-Spre­che­rin Chris­ti­ne Hö­ger wies die Kri­tik der Ge­werk­schaft am Mon­tag zu­rück und sag­te, das Un­ter­neh­men sei zu wei­te­ren in­for­mel­len Ge­sprä­chen mit Ver­di be­reit. Al­ler­dings ge­be es "der­zeit zu we­ni­ge Ge­mein­sam­kei­ten, um Ver­hand­lun­gen auf­zu­neh­men". Die Be­schäf­tig­ten wür­den bei Ama­zon ver­gleichs­wei­se gut be­zahlt: "Mit­ar­bei­ter der deut­schen Lo­gis­tik­zen­tren lie­gen mit ih­rem Ein­kom­men am obe­ren En­de des­sen, was in der Lo­gis­tik­in­dus­trie üb­lich ist", sag­te Hö­ger. "Über 10 Eu­ro nach ei­nem Jahr, 9,30 Eu­ro da­vor, plus Bo­ni."

Ver­di ver­langt von dem Un­ter­neh­men, den Ta­rif­ver­trag für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del an­zu­er­ken­nen. Für die ein­zel­nen Be­schäf­tig­ten wür­de das laut Ge­werk­schaft bis zu 9000 Eu­ro brut­to im Jahr aus­ma­chen. An den bei­den Ama­zon-Stand­or­ten in Bad Hers­feld ar­bei­ten rund 3300 Men­schen, es han­delt sich laut Ama­zon um ein rei­nes Ver­sand­zen­trum. "Un­se­re Mit­ar­bei­ter dort leis­ten lo­gis­ti­sche Tä­tig­kei­ten - Kom­mis­sio­nie­rung, Ver­pa­ckung und Ver­sen­dung von Wa­ren", sag­te Hö­ger. Des­halb lau­fe die Ver­di-Ar­gu­men­ta­ti­on ins Lee­re.

An­fang April hat­ten schon Ama­zon-Mit­ar­bei­ter in Leip­zig für ei­nen Streik ge­stimmt. An den Stand­or­ten in Gra­ben und Rhein­berg gibt es laut Ver­di eben­falls Be­stre­bun­gen für ent­spre­chen­de Ab­stim­mun­gen. "Wir ar­bei­ten na­tür­lich an ei­ner Ver­net­zungs­stra­te­gie", sag­te Hei­ner Rei­mann von Ver­di. Zu­nächst müss­ten sich aber die dor­ti­gen neu­en Be­triebs­rä­te ein­ar­bei­ten.

Rei­mann rech­net al­ler­dings nicht da­mit, dass Ama­zon-Kun­den al­lein we­gen des Streiks we­sent­lich län­ger auf ih­re Be­stel­lun­gen war­ten müs­sen: "So­lan­ge nicht al­le Stand­or­te mit­zie­hen, wird es Ama­zon ge­lin­gen, al­lein durch Vo­lu­men­ver­la­ge­rung grö­ße­re Aus­wir­kun­gen zu um­ge­hen", sag­te er.

Das in der deut­schen Öf­fent­lich­keit eher zu­rück­hal­ten­de Un­ter­neh­men stand zu­letzt mehr­fach im Fo­kus: Zu Jah­res­be­ginn war Ama­zon in Deutsch­land we­gen der Be­hand­lung von Leih­ar­bei­tern in die Kri­tik ge­ra­ten. Aus­lö­ser der De­bat­te war ei­ne ARD-Do­ku­men­ta­ti­on. Zu­dem hat­te das Bun­des­kar­tell­amt an­ge­kün­digt, die Recht­mä­ßig­keit von Preis­auf­la­gen für Händ­ler zu prü­fen, die Wa­ren über Ama­zon an­bie­ten.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 7. Januar 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de