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15/062a Über­ra­schen­der Vor­stoß zur Ta­rif­ein­heit: Wer darf wann strei­ken?

Ei­gent­lich woll­te die Ko­ali­ti­on ih­re Plä­ne ge­gen Streiks wie je­ne der Lok­füh­rern un­ver­än­dert durchs Par­la­ment brin­gen: Doch nun über­legt sie, auch gro­ßen Ge­werk­schaf­ten nicht al­les durch­ge­hen zu las­sen
Streik sechs Streikende Was soll ge­än­dert wer­den?

06.03.2015. (dpa) - Die Ko­ali­ti­on bes­sert ih­ren um­strit­te­nen Ge­setz­ent­wurf zur Ta­rif­ein­heit wo­mög­lich doch noch über­ra­schend nach.

Die CDU kün­dig­te bei der ers­ten Be­ra­tung des Ge­set­zes am Don­ners­tag im Bun­des­tag mög­li­che Än­de­run­gen an zen­tra­ler Stel­le an.

In Ko­ali­ti­ons­krei­sen hat­te es zu­vor ge­hei­ßen, der Ent­wurf wer­de wohl nicht mehr ge­än­dert.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) ver­tei­dig­te ih­ren Ge­setz­ent­wurf ge­gen ei­ne Wel­le von Kri­tik und Ab­leh­nung.

Mit dem Ge­setz will die Re­gie­rung die Macht von Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wie die der Lok­füh­rer (GDL) ein­däm­men. In Be­trie­ben mit meh­re­ren Ta­rif­ver­trä­gen für glei­che Be­schäf­tig­ten­grup­pen soll nur noch der Ver­trag der Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern gel­ten. Die Kri­ti­ker mei­nen, dann ver­lie­re die Min­der­heits­ge­werk­schaft Da­seins­be­rech­ti­gung und Streik­recht. Der Be­am­ten­bund (dbb), die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund und an­de­re klei­ne­re Ge­werk­schaf­ten hat­ten des­halb Ver­fas­sungs­kla­ge an­ge­kün­digt. Nah­les ent­geg­ne­te nun, Streiks klei­ner Ge­werk­schaf­ten wür­den durch das Ge­setz nicht ver­bo­ten. "Streik­recht und Ko­ali­ti­ons­frei­heit tas­ten wir nicht an."

Der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Karl Schie­wer­ling (CDU), setz­te sich für ei­ne Än­de­rung des Ent­wurfs ein. Da­bei geht es um ei­ne vor­ge­se­he­ne Pas­sa­ge zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit von Streiks. Nach der bis­he­ri­gen Fas­sung wä­ren Streiks künf­tig wohl ge­ne­rell nicht ver­hält­nis­mä­ßig, wenn die Ge­werk­schaft kei­ne Mehr­heit der or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mer im Be­trieb hat. Schie­wer­ling wand­te ein: "Wenn ei­ne gro­ße Ge­werk­schaft (...) sich nicht ernst­haft mit klei­ne­ren um den Be­triebs­frie­den küm­mert (...), dann kann am En­de der Ta­ge auch der klei­nen Ge­werk­schaft der Streik nicht ver­bo­ten wer­den."

Die Pas­sa­ge zur Ver­hält­nis­mä­ßig­keit sol­le al­so über­dacht wer­den. Schie­wer­lings Ar­gu­ment passt da­zu, dass die Ko­ali­ti­on nach ei­ge­nen An­ga­ben die Ge­werk­schaf­ten vor al­lem zu mehr Ko­ope­ra­ti­on drän­gen will. "Wir wer­den nach ei­ner Lö­sung su­chen, so­fern jetzt noch wei­te­re Schrit­te not­wen­dig sind", sag­te der CDU-Po­li­ti­ker.

Nah­les ar­gu­men­tier­te, das Recht für Ar­beit­neh­mer, sich zu­sam­men­zu­schlie­ßen, sei nicht al­lein ein Frei­heits­recht. Die­se Zu­sam­men­schlüs­se müss­ten das Ar­beits­le­ben auch ord­nen und be­frie­den. Des­halb gel­te: "Un­ser Vor­schlag ist ver­fas­sungs­ge­mäß." Doch vor Ge­richt ge­be es kei­ne Si­cher­heit. "Das weiß je­der hier, auch ich."

Die Op­po­si­ti­on lehn­te das Ge­setz ab. Für Lin­ke-Frak­ti­ons­vi­ze Klaus Ernst ist es "über­flüs­sig wie ein Kropf - weil die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Ar­beit­neh­mer so­wie­so nicht viel strei­ken". Die Grü­nen-Ar­beits­ex­per­tin Bea­te Mül­ler-Gem­me­ke warn­te vor stän­di­gem Rin­gen um die Vor­herr­schaft der Ge­werk­schaf­ten durch das Ge­setz: "Durch die Ta­rif­ein­heit ent­steht nicht So­li­da­ri­tät son­dern Häu­ser­kampf."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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