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ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/094

Warn­streiks im öf­fent­li­chen Dienst

Im öf­fent­li­chen Dienst kommt es wie­der zum Show­down: Warn­streiks für die nächs­te Wo­che an­ge­kün­digt
Ver­här­te­te Fron­ten bei den Ta­rif­ver­hand­lun­gen im öf­fent­li­chen Dienst

02.03.2012 (dpa) - Mer­se­burg, Bre­men, Wit­ten­berg: Aus vie­len Re­gio­nen Deutsch­lands sind sie an die­sem Don­ners­tag nach Pots­dam ge­reist. Die kom­mu­na­len Mit­ar­bei­ter ver­eint ein Ziel: mehr Geld. "Bei uns ist jetzt der Ofen aus, rückt end­lich mal mehr Koh­le raus", heißt es auf Trans­pa­ren­ten vor dem Ho­tel, in dem Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber zum Ver­hand­lungs­auf­takt zu­sam­men­kom­men.

6,5 Pro­zent mehr Geld, min­des­tens aber 200 EUR, wol­len die Ta­rif­uni­on des Be­am­ten­bun­des dbb und Ver­di für rund zwei Mil­lio­nen Be­schäf­tig­te beim Bund und den Kom­mu­nen her­aus­schla­gen. Die Ar­beit­ge­ber hal­ten das für viel zu viel. Nun kommt es wie­der zum Show­down - nächs­te Wo­che gibt es Warn­streiks.

Mit viel Ap­plaus emp­fan­gen die rund 250 De­mons­tran­ten Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke. Und der greift das Auf­re­ger­the­ma schlecht­hin der ver­gan­ge­nen Ta­ge auf: Der zu­rück­ge­tre­te­ne Bun­des­prä­si­dent Chris­ti­an Wul­ff be­kommt nach nur 20 Mo­na­ten im Amt bis zum Le­bens­en­de Eh­ren­sold vom Staat. Der be­läuft sich auf knapp 200 000 EUR im Jahr, ei­ne Sum­me, von de­nen vie­le klei­ne An­ge­stell­ten der Kom­mu­nen nicht ein­mal zu träu­men wa­gen.

"Was wir brau­chen, ist ein Eh­ren­sold für Müll­wer­ker, für Kran­ken­schwes­tern, für Be­rufs­feu­er­wehr­leu­te. Die ha­ben das ver­dient", ruft Bsirs­ke. Viel zu lan­ge hät­ten sich die öf­fent­lich Be­schäf­tig­ten zu­rück­ge­hal­ten, meint der Ge­werk­schafts­chef. Doch die re­la­tiv gu­te Kon­junk­tur von 2011, auf die Bsirs­ke ver­weist, schwächt sich laut Pro­gno­sen 2012 schon wie­der ab. Im Ver­hand­lungs­zim­mer braucht es da­her schlag­kräf­ti­ge­re Ar­gu­men­te, um Ar­beit­ge­ber von deut­lich hö­he­ren Lohn­zah­lun­gen zu über­zeu­gen.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Hans-Pe­ter Fried­rich (CSU) und der Ver­hand­lungs­füh­rer der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber, Tho­mas Böh­le, räu­men zwar ein, dass es auch für die Staats­be­diens­te­ten Lohn­er­hö­hun­gen ge­ben muss. Die For­de­run­gen der Ge­werk­schaf­ten sind für sie aber jen­seits von Gut und Bö­se. Zwar geht die Neu­ver­schul­dung der Kom­mu­nen zu­rück, da die Steu­er­ein­nah­men zu­letzt wie­der ge­stie­gen sind. Je­doch ste­hen die Ge­mein­den mit 128 Mil­li­ar­den Eu­ro in der Krei­de - beim Bund sind es 1,3 Bil­lio­nen EUR.

Den Ge­werk­schaf­ten geht es auch um Grund­sätz­li­ches. Der Chef des Be­am­ten­bun­des, Pe­ter Heesen, ver­wies wie­der­holt auf den Per­so­nal­ab­bau in den städ­ti­schen Ver­wal­tun­gen. Mehr Ar­beit für den Ein­zel­nen und hö­he­re Kran­ken­quo­ten sei­en die Fol­ge. Und Bsirs­ke warn­te kürz­lich an­ge­sichts von Pri­va­ti­sie­run­gen öf­fent­li­cher Auf­ga­ben: "Wir ha­ben ei­nen Ent­staat­li­chungs­pro­zess, der die Funk­ti­ons­fä­hig­keit des öf­fent­li­chen Diens­tes in der Per­spek­ti­ve be­droht." Doch wenn kein Schnee ge­räumt wer­de, weil sich dies für pri­va­te Fir­men im har­ten Win­ter nicht rech­ne, be­kom­me das auch der Bür­ger zu spü­ren.

Das Ar­gu­ment, dass es öf­fent­lich Be­schäf­tig­te im Ver­gleich zu an­de­ren noch gut hät­ten und sie bei­spiels­wei­se in der Kri­se nicht mit Mas­sen­ent­las­sun­gen wie jetzt bei der Dro­ge­rie­ket­te Schle­cker rech­nen müss­ten, las­sen die Ge­werk­schaf­ten nicht gel­ten. Auch im öf­fent­li­chen Dienst sei­en be­fris­te­te Ar­beits­ver­trä­ge und Teil­zeit­ar­beit aus­ge­wei­tet wor­den.

Eu­ro­kri­se? Staats­ver­schul­dung? Schul­den­brem­se? "Man kann Haus­halts­de­fi­zi­te nicht in den Griff be­kom­men, in­dem man in die Kri­se hin­ein­spart. Das ge­lingt nur, wenn Wachs­tum kommt", ent­geg­net Bsirs­ke. Wachs­tum ge­be es, in­dem die Nach­fra­ge im Bin­nen­markt an­ge­kur­belt wer­de - über Lohn­er­hö­hun­gen.

Nach rund vier St­un­den am Ver­hand­lungs­tisch ist klar, dass Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber sehr weit aus­ein­an­der­lie­gen. Fried­rich spricht von "un­ver­ständ­li­chen For­de­run­gen", die die Ge­werk­schaf­ten den Ar­beit­ge­bern "zu­mu­ten". Böh­le hält sie gar für "ab­we­gig". Oh­ne rea­lis­ti­sche For­de­run­gen kein An­ge­bot, sagt Böh­le.

We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter kün­digt Bsirs­ke Warn­streiks an - ab der kom­men­den Wo­che, in al­len Bun­des­län­dern. Vor al­lem in den Kom­mu­nen wer­den das die Bür­ger zu spü­ren be­kom­men - bei­spiels­wei­se in Ki­tas.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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