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Was die Ge­ne­ra­ti­on Z vom Be­ruf er­war­tet

In Zei­ten des Fach­kräf­te­man­gels hat sich der Ar­beits­markt zu ei­nem Ar­beit­neh­mer­markt ent­wi­ckelt. Doch wie weit ge­hen die Vor­stel­lun­gen der Ge­ne­ra­ti­on Z?
Stellenanzeige in der Zeitung, Stellenmarkt, Arbeitsmarkt

17.06.2019. (dpa/fle) - Die Zei­ten sind gut für jun­ge Job­ein­stei­ger: Der Ar­beits­markt ist nicht mehr so über­flu­tet wie in frü­he­ren Ge­ne­ra­tio­nen, Be­rufs­an­fän­ger fin­den leich­ter ei­ne Stel­le.

"Die Ge­ne­ra­ti­on Z hat den Rie­sen­vor­teil, dass sie ei­ne hart um­kämpf­te Wa­re ist", sagt Chris­ti­an Scholz, eme­ri­tier­ter Pro­fes­sor für Wirt­schafts­wis­sen­schaft an der Uni­ver­si­tät des Saar­lan­des.

Scholz forscht un­ter an­de­rem zu den Vor­stel­lun­gen der Ge­ne­ra­ti­on Z zur Ar­beits­welt. Dass sich die Be­dürf­nis­se der neu­en Be­rufs­ein­stei­ger ge­än­dert ha­ben, sei ein ge­ne­rel­les Phä­no­men: "Das fängt beim Ma­ler­meis­ter um die Ecke an und geht bis hin zu IT-Un­ter­neh­men", so Scholz über die ab En­de der 1990er Jah­re Ge­bo­re­nen.

Die Ge­ne­ra­ti­on Z plant lang­fris­tig und hat da­durch kla­re Ide­en, wie sie ar­bei­ten möch­te. Da­zu ge­hö­ren laut Scholz ge­re­gel­te Ar­beits­zei­ten, kei­ne Über­stun­den und ein ei­ge­ner Ar­beits­platz, der nicht in ei­nem Groß­raum­bü­ro ist. Au­ßer­dem wol­len jun­ge Be­rufs­ein­stei­ger un­gern die Stadt und den Ar­beit­ge­ber wech­seln.

Laut Mar­ti­na Nie­mann, Per­so­nal­lei­te­rin bei Luft­han­sa und Prä­si­di­ums­mit­glied beim Bun­des­ver­band der Per­so­nal­ma­na­ger, su­chen die jun­gen Ein­stei­ger in ers­ter Li­nie nach ei­ner sinn­er­füll­ten Ar­beit, die ei­nen Bei­trag zu den Un­ter­neh­mens­zie­len leis­tet.

Bea­te Groß­eg­ger vom In­sti­tut für Ju­gend­kul­tur­for­schung in Wien er­klärt in ei­nem Be­richt zum The­ma, dass be­son­ders jun­ge Aka­de­mi­ker ei­nen Ar­beit­ge­ber su­chen, der zu ih­nen passt - das kön­ne vor al­lem in dienst­leis­tungs­ori­en­tier­ten Bran­chen zur Ir­ri­ta­tio­nen bei Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen füh­ren. Denn in die­sen Bran­chen steht oft die Kun­den­ori­en­tie­rung über den Ent­fal­tungs­wün­schen des Ein­zel­nen.

Gleich­zei­tig sind der Ex­per­tin zu­fol­ge die aka­de­mi­schen Ab­schlüs­se der so­ge­nann­ten Twen­ty­so­me­things längst nicht mehr so viel wert wie in der El­tern­ge­ne­ra­ti­on. Schließ­lich wird ein Hoch­schul­ab­schluss im­mer mehr zur Norm und ist da­mit nicht au­to­ma­tisch ei­ne Ga­ran­tie für ei­nen gut be­zahl­ten Job. Das füh­re häu­fig zu Ver­un­si­che­rung und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit.

Nie­mann hat die Er­fah­rung ge­macht, dass Spiel­re­geln wich­tig sind: "Ich er­le­be, dass die Neu­en ger­ne wis­sen wol­len, wor­an sie sind." Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­ne 40-St­un­den-Wo­che ver­spricht, dür­fen dann am En­de kei­ne 50 St­un­den her­aus­kom­men. "Die­se Wün­sche wa­ren frü­her auch da, aber die Kon­kur­renz war grö­ßer", er­klärt Nie­mann. Heu­te kön­nen Be­rufs­ein­stei­ger selbst­be­wuss­ter auf­tre­ten, weil sie Man­gel­wa­re sind.

Ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Be­fra­gung von Aus­bil­dungs­be­wer­bern der Bun­des­agen­tur für Ar­beit und dem Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung von 2017 zeigt, dass es Lehr­stel­len­an­wär­tern vor al­lem dar­um geht, ob der Be­trieb sich als lang­fris­ti­ger Ar­beit­ge­ber eig­net - mit gu­tem Be­triebs­kli­ma und si­che­ren Ar­beits­plät­zen. Ju­gend­li­che in Re­gio­nen mit ei­ner "güns­ti­ge­ren Markt­la­ge" stel­len zu­dem hö­he­re An­sprü­che an Be­trie­be. Auch hö­he­re Schul­ab­schlüs­se und ei­ne be­son­ders gu­te Deutsch­no­te las­sen die Ein­stei­ger mehr for­dern.

Doch wie weit kom­men sie mit ih­rer Er­war­tungs­hal­tung? "Ich er­le­be da nicht ei­ne Ge­ne­ra­ti­on, die vor mir sitzt und An­sprü­che stellt", stellt Nie­mann klar. In Ge­sprä­chen wer­de nach der all­ge­mei­nen Kul­tur des Un­ter­neh­mens ge­fragt: "Sind die für Di­ver­si­ty und Wei­ter­bil­dung, kann man sich da ent­wi­ckeln?" Kei­ner fal­le mit der Tür ins Haus und for­de­re so­fort Sab­ba­ti­cals oder un­ver­hält­nis­mä­ßig viel Ur­laub.

Auch Scholz be­tont: "Sie wol­len ar­bei­ten, und in der Zeit, in der sie ar­bei­ten, sind sie hoch­mo­ti­viert, hoch­en­ga­giert und krea­tiv." Al­ler­dings for­de­re die Ge­ne­ra­ti­on Z auch ei­ne ganz kla­re Tren­nung von Ar­beit und Pri­vat­le­ben ein. Nach dem Ar­beits­tag wol­le sie sich der Part­ner­schaft oder Hob­bys wid­men, um sich dar­in zu ver­wirk­li­chen.

Das lässt sich nicht mit viel Ver­ant­wor­tung im Un­ter­neh­men und stän­di­ger Er­reich­bar­keit ver­ein­ba­ren. «Wenn Sie heu­te in ei­ne Stel­len­an­zei­ge schrei­ben "früh­zei­ti­ge Über­nah­me von Füh­rungs­ver­ant­wor­tung", ha­ben Sie schon ein Pro­blem", sagt Scholz. Auch Schlag­wör­ter wie fle­xi­ble Ar­beits­zei­ten oder Ver­trau­ens­ar­beits­zeit wür­den von der Ge­ne­ra­ti­on Z ne­ga­tiv ge­wer­tet, weil das un­be­zahl­te Über­stun­den im­pli­zie­re.

"Man kann sie auch wun­der­bar ver­grau­len, in­dem man sagt: Wir ha­ben ei­ne tol­le, leis­tungs­ori­en­tier­te Ent­loh­nung", sagt Scholz. Wich­ti­ger als Kar­rie­re sei der Er­werb von Qua­li­fi­ka­tio­nen. Denn das sei ei­ne Zu­kunfts­ver­si­che­rung, wenn man doch mal den Ar­beit­ge­ber wech­seln müs­se.

Spie­len auch Be­ne­fits ei­ne Rol­le? "In vie­len Un­ter­neh­men hat sich die Mo­bi­li­täts­po­li­tik ge­än­dert", er­zählt Nie­mann. Die Ge­ne­ra­ti­on Z möch­te ihr öko­lo­gi­sches Be­wusst­sein auch am Ar­beits­platz aus­le­ben. Die Un­ter­neh­men wür­den da­her et­wa E-Bikes för­dern oder bei Dienst­rei­sen mit dem Flug­zeug ent­spre­chen­de CO2-Zer­ti­fi­ka­te kau­fen.

Laut Scholz fin­den jun­ge Be­rufs­ein­stei­ger ih­re Be­dürf­nis­se eher bei mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men oder Fa­mi­li­en­be­trie­ben er­füllt als bei gro­ßen Kon­zer­nen. Sie hät­ten im Zwei­fel ge­nau das, was die Ge­ne­ra­ti­on sucht: Struk­tur, Si­cher­heit und Wohl­füh­len. "Ich ha­be mal ein Un­ter­neh­men ge­se­hen, die ha­ben mit der Idee ge­wor­ben: Wir ha­ben in den letz­ten 15 Jah­ren nie­man­den ge­kün­digt", er­klärt Scholz. Das sei wich­tig für die Job­ein­stei­ger: Loya­li­tät vom Ar­beit­ge­ber, dem sie sich dann auch loy­al ge­gen­über ver­hal­ten.

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Letzte Überarbeitung: 5. August 2019

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