HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/366

Zeit­ar­beit, Aus­nah­men vom Min­dest­lohn - Dis­kus­si­on um Flücht­lin­ge

2016 wer­den sich vie­le Flücht­lin­ge auf Job­su­che be­ge­ben: Über ih­re Ent­loh­nung gibt es Dis­kus­sio­nen. Die Hal­tung von Ar­beits­agen­tur-Chef Wei­se ist klar. Un­ter­stüt­zung fin­det er beim In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung Hal­le
Wie sol­len Flücht­lin­ge ent­lohnt wer­den?

25.12.2015. (dpa) - Kon­junk­tur­ex­per­ten und Ar­beits­agen­tur-Chef Frank-Jür­gen Wei­se ha­ben sich ge­gen ei­ne Auf­wei­chung des Min­dest­lohns bei Flücht­lin­gen aus­ge­spro­chen.

Wei­se sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur, Flücht­lin­ge soll­ten wie an­de­re Be­schäf­tig­te auch von An­fang an den ge­setz­lich ver­ein­bar­ten Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de er­hal­ten.

Der Prä­si­dent des In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung Hal­le (IWH), Reint E. Gropp, warn­te vor Son­der­re­ge­lun­gen.

"Das wür­de Flücht­lin­ge und ein­hei­mi­sche Ar­beit­neh­mer ge­gen­ein­an­der aus­spie­len und zu Kon­flik­ten füh­ren."

Wei­se sag­te, er ha­be als Ar­beits­markt-Ex­per­te zu dem The­ma ei­ne kla­re Hal­tung: "Ich selbst wür­de in die Rich­tung den­ken, Men­schen zu be­fä­hi­gen, dass sie so viel leis­ten, dass sie den Lohn auch ver­die­nen". Un­ter­neh­mer soll­ten sich da­her nicht die Fra­ge stel­len, "Was kann ich am Min­dest­lohn dre­hen?", son­dern fra­gen, "Was kann ich un­ter den ge­ge­be­nen Rah­men­be­din­gun­gen un­ter­neh­men, Men­schen in den Ar­beits­markt zu brin­gen?" ", sag­te der Vor­stands­chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA).

Er wi­der­sprach wie­der­hol­ten For­de­run­gen aus der Wirt­schaft, den Min­dest­lohn für Flücht­lin­ge aus­zu­set­zen. Flücht­lin­ge müss­ten be­han­delt wer­den wie Lang­zeit­ar­beits­lo­se, bei de­nen der Min­dest­lohn für ei­ne ge­wis­se Zeit nicht gel­te, hat­te et­wa der Prä­si­dent des Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­ta­ges (DIHK), Eric Schweit­zer, ge­for­dert.

Nach Ein­schät­zung von IWH-Prä­si­dent Gropp wird der Zu­zug von Flücht­lin­gen die Ar­beits­lo­sen­quo­te in Deutsch­land kaum er­hö­hen. "Nach un­se­ren Be­rech­nun­gen wer­den kom­men­des Jahr durch die Flücht­lin­ge 130 000 oder 140 000 Men­schen zu­sätz­lich auf den Ar­beits­markt kom­men", sag­te Gropp der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Im Ver­gleich zu den zu­letzt 2,6 Mil­lio­nen Ar­beits­lo­sen sei­en das nicht so vie­le. Lang­fris­tig sei die Zu­wan­de­rung po­si­tiv für den Ar­beits­markt. "Wir ha­ben tat­säch­lich ein rie­si­ges De­mo­gra­fie­pro­blem."

Nach Ein­schät­zung von Daim­ler-Per­so­nal­vor­stand Wil­fried Porth dür­fen feh­len­de for­ma­le Qua­li­fi­ka­tio­nen kein Hin­der­nis für die Be­schäf­ti­gung von Flücht­lin­gen sein. "Wir müs­sen uns stär­ker mit der Fra­ge be­schäf­ti­gen, wel­che Fä­hig­kei­ten die­se Men­schen mit­brin­gen", sag­te Porth. "Es muss uns ge­lin­gen, dass die feh­len­de for­ma­le Qua­li­fi­ka­ti­on nicht au­to­ma­tisch nur zu ei­ner Be­schäf­ti­gung als An- und Un­ge­lern­ter führt."

Aus sei­ner Sicht kann Zeit­ar­beit "ei­ne Brü­cke" beim Über­gang in das Ar­beits­le­ben bie­ten. Im Ok­to­ber hat­te die Bun­des­re­gie­rung das Zeit­ar­beits­ver­bot für Asyl­be­wer­ber ge­lo­ckert - zu­vor war ih­nen die­se Mög­lich­keit für vier Jah­re ver­wehrt ge­blie­ben. Porth geht das nicht weit ge­nug. "Das Zeit­ar­beits­ver­bot in den ers­ten 15 Mo­na­ten ist nicht hilf­reich", kri­ti­sier­te er. "Es ist schlecht, wenn für Flücht­lin­ge nach ei­nem Prak­ti­kum ein Be­schäf­ti­gungs­loch ent­steht."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de