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Zu­lie­fe­rer-Streit bei VW wird zu ei­ner im­mer grö­ße­ren Be­las­tungs­pro­be

Der Kon­flikt mit zwei Zu­lie­fe­rern hält Volks­wa­gen in Atem: An­de­re Lie­fe­ran­ten könn­ten eben­falls in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wer­den. Auch mit ei­nem an­de­ren Her­stel­ler hat die Zu­lie­fe­rer-Grup­pe Streit
Wel­che Fol­gen hat der Lie­fer­stopp?

23.08.2016. (dpa) - Der bei­spiel­lo­se Kon­flikt von Volks­wa­gen mit zwei wich­ti­gen Zu­lie­fe­rern er­reicht im­mer neue Di­men­sio­nen.

Bei VW ste­hen an­ge­sichts ei­nes Lie­fer­stopps vie­le Bän­der still, bis­lang sind 28.000 VW-Mit­ar­bei­ter be­trof­fen.

Die Zu­lie­fe­rer-Bran­che be­fürch­tet Aus­wir­kun­gen auch auf an­de­re Lie­fe­ran­ten.

Die Bun­des­re­gie­rung mahn­te am Mon­tag ei­ne Lö­sung an.

Nach In­for­ma­tio­nen der Deut­schen Pres­se-Agen­tur müh­ten sich der Au­to­bau­er und die Lie­fe­ran­ten am Mon­tag um ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung. Er­geb­nis­se gab es am frü­hen Abend zu­nächst nicht. Die Zu­lie­fe­rer ES Au­to­mo­bil­guss und Car Trim, die zur Un­ter­neh­mens­grup­pe Prevent ge­hö­ren, be­lie­fern VW der­zeit nicht mit be­nö­tig­ten Ge­trie­be­tei­len und Sitz­be­zü­gen. Zwi­schen den Fir­men und VW tobt ein Streit um die Kün­di­gung von Auf­trä­gen. Die Hin­ter­grün­de sind un­klar.

Der Lie­fer­stopp wir­belt gro­ße Tei­le der Pro­duk­ti­on bei VW emp­find­lich durch­ein­an­der. Al­len vor­an steht die Golf-Pro­duk­ti­on im Stamm­werk Wolfs­burg still. Wie der Au­to­bau­er am Mon­tag mit­teil­te, könn­ten ins­ge­samt 27.700 Mit­ar­bei­ter in den Wer­ken Wolfs­burg, Em­den, Zwi­ckau, Kas­sel, Salz­git­ter und Braun­schweig teils noch bis En­de Au­gust nicht so ar­bei­ten, wie es ei­gent­lich ge­plant sei. Der Au­to­bau­er sprach von "Fle­xi­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men bis hin zu Kurz­ar­beit".

Nach Bran­chen­an­ga­ben ste­hen hin­ter der Golf-Pro­duk­ti­on rund 500 Lie­fe­ran­ten, die nun zu­neh­mend in Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten. We­gen der Mon­ta­ge-Eng­päs­se bei VW könn­ten sie ih­re Tei­le nicht aus­lie­fern und müss­ten Be­stän­de auf­bau­en. "Die Fol­ge­wir­kun­gen für die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te sind schon heu­te be­trächt­lich", sag­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­ban­des Ma­te­ri­al­wirt­schaft, Ein­kauf und Lo­gis­tik, Chris­toph Feld­mann, am Mon­tag in Frank­furt.

Auch der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ar­beit­ge­ber­ver­ban­des Nie­der­sach­sen­Me­tall, Vol­ker Schmidt, sieht die Ent­wick­lung mit Sor­ge. "Spä­tes­tens jetzt, da die Pro­duk­ti­on im Stamm­werk in Wolfs­burg aus­setzt, droht die Si­tua­ti­on voll auf die Zu­lie­fe­rer­ket­ten durch­zu­schla­gen", warn­te Schmidt. Aus dem Feu­er dür­fe kein Flä­chen­brand wer­den. Al­le Be­tei­lig­ten soll­ten sich des­halb schnellst­mög­lich um ei­ne Ei­ni­gung be­mü­hen.

Auch das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um dringt auf ei­ne ra­sche Lö­sung. "Wir ge­hen da­von aus und er­war­ten auch, dass die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men die un­ge­klär­ten Fra­gen so bald wie mög­lich lö­sen kön­nen", sag­te ein Spre­cher in Ber­lin.

VW-Be­triebs­rats­chef Bernd Os­ter­loh at­ta­ckier­te die bei­den Zu­lie­fe­rer: "Nach un­se­rer Auf­fas­sung liegt die Ver­ant­wor­tung ein­deu­tig beim Zu­lie­fe­rer. Oder glau­ben Sie, wir als Be­triebs­rat fra­gen nicht, wes­sen Schuld es ist, dass un­se­re Kol­le­gen zu Hau­se blei­ben müs­sen", sag­te Os­ter­loh der "Bild"-Zei­tung (Mon­tag).

Die be­tei­lig­ten Zu­lie­fe­rer da­ge­gen ar­gu­men­tie­ren, VW zwin­ge sie zu dem Lie­fer­stopp, da der Au­to­bau­er "frist- und grund­los" Auf­trä­ge ge­kün­digt ha­be und ei­nen fi­nan­zi­el­len Aus­gleich da­für ab­leh­ne. Der Lie­fer­stopp ge­sche­he zum Selbst­schutz und im Kampf für die Zu­kunft der ei­ge­nen Mit­ar­bei­ter.

Bei der Fir­ma ES Au­to­mo­bil­guss in Schön­hei­de im Erz­ge­bir­ge ist für die­sen Diens­tag ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung ge­plant, wie die dpa er­fuhr. Dar­aus er­hoff­ten sich die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter Ant­wor­ten auf die vie­len Fra­gen zur Zu­kunft des Zu­lie­fe­rers.

Volks­wa­gen setzt auf ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung, hat aber be­reits an­ge­kün­digt, not­falls al­le recht­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­zu­schöp­fen. Das Land­ge­richt Braun­schweig hat­te einst­wei­li­ge Ver­fü­gun­gen er­las­sen, wel­che die Lie­fe­ran­ten zur Wie­der­auf­nah­me der Be­lie­fe­rung ver­pflich­ten. VW könn­te aber frü­hes­tens En­de die­ser Wo­che sei­ne An­sprü­che per Ge­richts­voll­zie­her durch­set­zen und die Tei­le ho­len las­sen.

Die Fi­nanz­auf­sichts­be­hör­de Ba­fin prüft nach dem Pro­duk­ti­ons­stopp bei VW, ob der Kon­zern die Öf­fent­lich­keit frü­her über die Pro­ble­me hät­te in­for­mie­ren müs­sen. "Wir wer­den uns das Gan­ze an­schau­en", sag­te ei­ne Be­hör­den­spre­che­rin. Die Ba­fin wer­de prü­fen, ob es sich bei dem Streit mit Zu­lie­fe­rern und dem fol­gen­den Pro­duk­ti­ons­stopp um ei­ne In­si­der­infor­ma­ti­on ge­han­delt ha­be, die Volks­wa­gen hät­te ver­öf­fent­li­chen müs­sen. Ein VW-Spre­cher teil­te schrift­lich mit: "Wir sind der Auf­fas­sung, un­se­re ka­pi­tal­markt­recht­li­chen Pflich­ten ord­nungs­ge­mäß er­füllt zu ha­ben."

Un­ter­des­sen strei­tet ne­ben Volks­wa­gen auch Daim­ler mit der Zu­lie­fe­rer-Grup­pe Prevent vor Ge­richt. Vor dem Land­ge­richt Braun­schweig wol­le der Lie­fe­rant 40 Mil­lio­nen Eu­ro Scha­den­er­satz er­strei­ten, sag­te ein Spre­cher des Ge­richts. Prevent se­he dem­nach Ver­trä­ge von Daim­ler als nicht er­füllt und nicht wirk­sam be­en­det an. Am 8. No­vem­ber wer­de zu­nächst die Fra­ge ge­klärt, wel­che Kam­mer über­haupt für das Ver­fah­ren zu­stän­dig ist. Nach­dem die Kla­ge beim Land­ge­richt Braun­schweig zu­nächst von der Han­dels- zur Zi­vil­kam­mer wei­te­ge­reicht wur­de, sieht das Ge­richt nun die Zu­stän­dig­keit ei­gent­lich in Stutt­gart (Az.: 9 O 2142/15). "Bild am Sonn­tag" und "Süd­deut­sche Zei­tung" hat­ten zu­vor über den Rechts­streit be­rich­tet.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. Oktober 2016

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