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Zu­satz­bei­trä­ge statt Aus­ga­ben­brem­se im Ge­sund­heits­we­sen

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Grö­he will die Kran­ken­ver­si­che­rung "auf ei­ne so­li­de fi­nan­zi­el­le Grund­la­ge stel­len": Doch statt den Kos­ten­an­stieg im Ge­sund­heits­we­sen wei­ter zu brem­sen, sol­len es va­ria­ble Zu­satz­bei­trä­ge der Kas­sen rich­ten
Arzt im Operationssaal Was än­dert sich 2015 bei der GKV?

29.12.2014. (dpa) - 50 Mil­lio­nen Bei­trags­zah­ler ha­ben in den ver­gan­ge­nen Ta­gen Post von ih­rer ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung (GKV) be­kom­men.

Dar­in wur­de ih­nen der neue Bei­trags­satz für 2015 mit­ge­teilt.

Es war ein im­men­ser lo­gis­ti­scher Auf­wand.

Die gro­ßen Kran­ken­kas­sen hat­ten - mit­ten in der Haus­halts­auf­stel­lung für 2015 - in­ner­halb we­ni­ger Ta­ge meh­re­re Mil­lio­nen An­schrei­ben zu be­wäl­ti­gen - und ir­ri­tier­ten Mit­glie­dern an­schlie­ßend te­le­fo­nisch oder per Mail er­klä­ren­de Aus­kunft zu er­tei­len.

Hin­ter­grund die­ser Ak­ti­on ist, dass zum 1. Ja­nu­ar der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz zur GKV von 15,5 auf dann 14,6 Pro­zent ge­senkt wird, der wie bis­her zur Hälf­te vom Ar­beit­ge­ber auf­ge­bracht wird. Es ent­fällt der bis­lang schon von den Kas­sen­mit­glie­dern fi­nan­zier­te fes­te Son­der­bei­trag von 0,9 Pro­zent­punk­ten. Da­für kann nun je­de der rund 130 Kran­ken­kas­sen selbst - je nach Fi­nanz­la­ge - ei­nen ein­kom­mens­ab­hän­gi­gen Zu­satz­bei­trag von ih­ren Mit­glie­dern er­he­ben.

Die gu­te Nach­richt ist: Im ers­ten Jahr der Neu­re­ge­lung blei­ben die Bei­trä­ge weit­ge­hend sta­bil. Die gro­ßen der Bran­che lie­gen wei­ter­hin bei ma­xi­mal 15,5 Pro­zent oder leicht dar­un­ter. Es gibt kaum Aus­rei­ßer nach oben oder auch un­ten. Die Kas­sen ha­ben sehr dar­auf ge­ach­tet, im vor­ge­ge­be­nen Rah­men zu blei­ben. Ei­ni­ge ge­hen da­für jetzt schon an die Re­ser­ven. Denn Ver­si­cher­te be­kom­men mit der Neu­re­ge­lung ein Son­der­kün­di­gungs­recht, wenn die Kas­se erst­mals ei­nen Zu­satz­bei­trag er­hebt oder die­sen er­höht. Und Mit­glie­der ver­lie­ren will kei­ne Kas­se.

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) er­hofft sich auf die­sem We­ge mehr Wett­be­werb un­ter den Kas­sen. Das Bun­des­ver­si­che­rungs­amt warnt je­doch: "Kei­ne Pa­nik zum Jah­res­en­de." Es sei zwar rich­tig, über den Wett­be­werb An­rei­ze zu schaf­fen, dass die Kas­sen ih­re Ver­wal­tungs­kos­ten nied­rig hal­ten. Die Ver­si­cher­ten soll­ten sich aber ge­nau das Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis ih­rer Kas­se an­schau­en, be­vor sie wech­seln.

Dass die­ses Ver­hält­nis in den Fol­ge­jah­ren zu hal­ten ist, wird in­zwi­schen all­ge­mein be­zwei­felt. Denn die Kos­ten im Ge­sund­heits­sys­tem stei­gen wei­ter - und selbst Mil­li­ar­den­rück­la­gen sind ir­gend­wann auf­ge­braucht. Mit die­ser Angst im Na­cken "wird den Kas­sen ziem­lich bald die Pus­te aus­ge­hen", ist der Lin­ken-Ge­sund­heits­po­li­ti­ker Ha­rald Wein­berg über­zeugt. Geht ei­ner Kas­se aber tat­säch­lich das Geld aus, müs­sen die an­de­ren ein­sprin­gen bis hin zu wei­te­ren Fu­sio­nen.

Der Chef der Bar­mer GEK, Chris­toph St­raub, rech­net be­reits 2016 mit ei­nem durch­schnitt­lich GKV-Bei­trags­satz von gut 16 Pro­zent. Der Vor­sit­zen­de der Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se (TK), Jens Baas, er­war­tet ei­ne durch­schnitt­li­che Bei­trags­stei­ge­rung von 0,2 Pro­zent­punk­ten pro Jahr. Da­mit lie­gen bei­de im Bun­des­tags­wahl­jahr 2017 bei et­wa 16 Pro­zent Kran­ken­kas­sen­bei­trä­gen - oder dar­über.

Baas geht nicht da­von aus, dass die Po­li­tik den Wäh­ler mit Kür­zun­gen bei Leis­tungs­aus­ga­ben ver­grätzt. Sie könn­te viel­mehr auf den Ge­dan­ken kom­men, ei­nen wei­te­ren Bei­tra­gan­stieg mit Geld aus dem der­zeit 16 Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren Ge­sund­heits­fonds zu ver­hin­dern. St­raub kann sich auch ein Spar­ge­setz vor­stel­len. So oder so löst dies nicht das Pro­blem mas­si­ver Kos­ten­stei­ge­run­gen im Ge­sund­heits­we­sen. Al­lein 2015 und 2016 kom­men mit Kran­ken­haus­re­form, Ver­sor­gungs­stär­kungs- und Prä­ven­ti­ons­ge­setz mil­li­ar­den­schwe­re Re­for­men auf die Kas­sen zu.

Bis 2017 dürf­te dann bei den 50 Mil­lio­nen Bei­trags­zah­lern an­ge­kom­men sein, dass durch Grö­hes "Ge­setz zur Wei­ter­ent­wick­lung der Fi­nanz­struk­tur und der Qua­li­tät in der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung" die­se Kos­ten­stei­ge­run­gen vor al­len Din­gen bei ih­nen ab­ge­la­den wer­den. Durch das dau­er­haf­te Ein­frie­ren des Ar­beit­ge­ber­an­teils bei 7,3 Pro­zent hofft Grö­he, Ar­beits­plät­ze si­chern zu kön­nen. Der Ver­band der Er­satz­kas­sen vdek meint je­doch, an­ge­sichts der Kas­sen­la­ge dür­fe ei­ne An­he­bung des all­ge­mei­nen Bei­trags­sat­zes von 14,6 Pro­zent kein Ta­bu mehr sein.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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