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Zu­wan­de­rer ver­las­sen Deutsch­land oft nach kur­zer Zeit

Deutsch­land gilt bei Ar­beits­su­chen­den aus den Kri­sen­län­dern der EU als Top-Adres­se: Doch vie­le blei­ben nicht lan­ge hier. Da­bei hat sich vor al­lem die Ar­beits­si­tua­ti­on zu­letzt deut­lich ver­bes­sert
War­um ver­las­sen vie­le Zu­wan­de­rer Deutsch­land nach kur­zer Zeit wie­der?

14.06.2013. (dpa) - Deutsch­land lockt wei­ter vie­le Job­su­chen­de aus den eu­ro­päi­schen Kri­sen­län­dern - vie­le Zu­wan­de­rer blei­ben aber nur kurz.

So ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren nur je­der zwei­te Grie­che und Por­tu­gie­se län­ger als ein Jahr ge­blie­ben. Bei den Spa­ni­ern war es so­gar nur je­der drit­te.

Viel­fach ge­be es Sprach­pro­ble­me oder die Leu­te bräch­ten nicht die ge­for­der­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen mit, sag­te OECD-Ex­per­te Tho­mas Lie­big am Don­ners­tag in Ber­lin.

"Das heißt sie kom­men, ma­chen viel­leicht ein paar Ge­le­gen­heits­jobs - ha­ben aber nicht das ge­fun­den, was sie sich ei­gent­lich er­hoff­ten", sag­te Lie­big bei der Vor­stel­lung des In­ter­na­tio­na­len Mi­gra­ti­ons­aus­blicks der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD).

Den An­ga­ben nach er­höh­te sich zwi­schen 2007 und 2011 die Zahl der Ein­wan­de­rer aus Grie­chen­land um 73 und aus Spa­ni­en um knapp 50 Pro­zent. Kräf­ti­ge Zu­wäch­se gab es in dem­sel­ben Zeit­raum zu­dem bei Por­tu­gie­sen und Ita­lie­nern (35 Pro­zent). Im ver­gan­ge­nen Jahr setz­te sich die Ent­wick­lung fort: "Vor­läu­fi­gen Zah­len für 2012 zu­fol­ge stieg die kri­sen­be­ding­te Wan­de­rung vor al­lem aus Grie­chen­land und aus Spa­ni­en wei­ter an", teil­te die OECD mit.

In Deutsch­land war der An­stieg bei der Zu­wan­de­rung 2011 - dem ak­tu­ells­ten Jahr mit ver­gleich­ba­ren Da­ten - so stark wie in kaum ei­nem an­de­ren OECD-Land. Knapp 300 000 Men­schen ka­men, ein Zu­wachs von 68 000 im Ver­gleich zu 2010.

"Es gibt ei­ne Men­ge In­ter­es­se in den Ur­sprungs­län­dern an Deutsch­land. Das ist nicht das Pro­blem", sag­te Lie­big. Er for­der­te mehr In­ves­ti­tio­nen in die Sprach­för­de­rung. "So­zu­sa­gen die Mut­ter al­ler Man­gel­be­ru­fe sind Sprach­leh­rer." Die wich­tigs­te Qua­li­fi­ka­ti­on, die Ar­beit­ge­ber ei­ner Be­fra­gung zu­fol­ge ver­lang­ten, sei noch vor Hoch­schul­ab­schüs­sen das Be­herr­schen der deut­schen Spra­che. "Die­se Be­deu­tung der deut­schen Spra­che ist lan­ge Jah­re ver­nach­läs­sigt wor­den", sag­te Lie­big. Mitt­ler­wei­le tue sich aber ei­ne gan­ze Men­ge.

Die Be­schäf­ti­gungs­quo­te für Mi­gran­ten stieg in Deutsch­land ge­gen den Trend in der OECD - und zwar von 2008 bis 2012 um fünf Pro­zent­punk­te. Je­doch macht die Stu­die auch deut­lich, dass et­wa Män­ner mit tür­ki­schen Wur­zeln knapp dop­pelt so oft mit Ar­beits­lo­sig­keit rech­nen müs­sen wie je­ne oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Deutsch­land ist laut Lie­big das ein­zi­ge OECD-Land, in dem seit 2008 die Ar­beits­lo­sen­quo­ten so­wohl bei Zu­wan­de­rern als auch bei Nicht­zu­wan­de­rern san­ken.

Wie wich­tig In­te­gra­ti­on für die Volks­wirt­schaft sein kann, ma­chen Schät­zun­gen der Stu­di­en­au­to­ren deut­lich: Dem­nach könn­ten die Staats­ein­nah­men in Deutsch­land um et­wa 0,3 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts wach­sen, wenn Men­schen mit deut­schen und aus­län­di­schen Wur­zeln glei­cher­ma­ßen auf dem Ar­beits­markt ver­tre­ten wä­ren. Al­lein bei hoch­qua­li­fi­zier­ten Mi­gran­ten lä­gen die mög­li­chen Mehr­ein­nah­men bei mehr als 3,5 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Ins­ge­samt wan­der­ten 2011 gut vier Mil­lio­nen Men­schen dau­er­haft in die 34 OECD-Staa­ten ein. Im Ver­gleich zum Vor­jahr war das ein Plus von zwei Pro­zent, der Zu­zug war aber trotz­dem ge­rin­ger als vor der Wirt­schafts- und Staats­schul­den­kri­se (4,7 Mil­lio­nen).

Erst­mals ha­ben die Ex­per­ten auch die fi­nan­zi­el­len Fol­gen von Mi­gra­ti­on un­ter­sucht: So zah­len Fa­mi­li­en, de­ren Ober­haupt im Aus­land ge­bo­ren wur­de, in den OECD-Staa­ten im Schnitt we­ni­ger Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben als in­län­di­sche Fa­mi­li­en. Ren­ten­bei­trä­ge und -zah­lun­gen au­ßen vor ge­las­sen, be­zie­hen sie aber auch we­ni­ger oft So­zi­al­leis­tun­gen. Die­ser Trend gel­te auch in Deutsch­land.

"Be­son­ders deut­lich ist das beim Ar­beits­lo­sen­geld und bei Fa­mi­li­en­zu­la­gen", hieß es. Wohn­geld und So­zi­al­hil­fe be­zö­gen Zu­ge­wan­der­te da­ge­gen ge­ring­fü­gig häu­fi­ger als in Deutsch­land Ge­bo­re­ne. Den stärks­ten Un­ter­schied ge­be es bei Ren­ten. Dies füh­ren die Au­to­ren dar­auf zu­rück, dass hier an­tei­lig mehr Mi­gran­ten im Ren­ten­al­ter le­ben als in den meis­ten an­de­ren OECD-Län­dern.

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Letzte Überarbeitung: 7. Juni 2014

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