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ARBEITSRECHT AKTUELL // 17/209

An­ge­hen­de Ho­tel­fach­leu­te müs­sen fle­xi­bel sein

Oh­ne Lei­den­schaft geht es nicht: Wer Ho­tel­fach­mann wird, muss von Her­zen Gast­ge­ber sein wol­len
Bewerbungsgespräch mit Bewerbungsmappe, Vorstellungsgespräch

07.08.2017. (dpa) - Die Aus­bil­dung im Ho­tel­fach bringt oft schwie­ri­ge Ar­beits­zei­ten mit sich und wird nicht über­mä­ßig gut be­zahlt. Im Ge­gen­zug gibt es bei der Ar­beit "am Gast" je­de Men­ge Ab­wechs­lung.

Hen­ry Gro­te hat die Au­gen über­all. Ist die Ser­vi­et­te rich­tig ge­fal­tet? Liegt das Sil­ber­be­steck an der kor­rek­ten Stel­le? Braucht ein Gast Hil­fe? Auf­merk­sam­keit ist wich­tig bei sei­ner Ar­beit, Höf­lich­keit eben­falls. Der 22-Jäh­ri­ge wird Ho­tel­fach­mann, er ist in sei­nem letz­ten Lehr­jahr im Ham­bur­ger Tra­di­ti­ons­ho­tel "At­lan­tic", das vom Kem­pin­ski-Kon­zern ge­ma­nagt wird.

"Mir macht es Spaß, mich um die Gäs­te zu küm­mern", sagt der ge­bür­ti­ge West­fa­le. Nach sei­nem Ab­itur ging er zu­nächst ein Jahr nach Flo­ri­da und ar­bei­tet dort im Dis­ney-Park Ep­cot. Das war die idea­le Vor­be­rei­tung auf sei­nen heu­ti­gen Job: "Wir sind im­mer auf der Su­che nach Cha­rak­te­ren für un­ser Haus, Per­sön­lich­kei­ten mit Ecken und Kan­ten", sagt So­phia Funk, die Per­so­nal­che­fin des "At­lan­tic".

An­ge­hen­de Ho­tel­fach­leu­te müss­ten sich nicht zwin­gend di­rekt nach der Schu­le in die Aus­bil­dung stür­zen, sagt sie. Wer sich erst­mal auf­macht, um die Welt zu be­rei­sen, ein so­zia­les Jahr ein­legt oder sich wo­an­ders en­ga­giert, kann sich da­nach noch im­mer be­wer­ben. "Denn so tut man et­was für die Fä­hig­kei­ten, mit Men­schen um­zu­ge­hen und für Men­schen da zu sein", sagt Funk. Über­haupt schaue sie erst spät auf Zeug­nis­se und Re­fe­ren­zen. Emo­tio­na­le Fer­tig­kei­ten und Au­then­ti­zi­tät sei­en eben­so wich­tig: "Ich will den Men­schen ken­nen­ler­nen und se­hen, ob er oder sie zu uns und ins Team passt."

Schicht­ar­beit, re­gel­mä­ßi­ger Dienst am Wo­chen­en­de und die Pflicht, im­mer freund­lich zu sein, im­mer höf­lich: Für die Ho­tel­le­rie wird es auf­grund sol­cher Be­din­gun­gen im­mer schwie­ri­ger, gu­te Azu­bis zu fin­den. "Die Bran­che hat schon ein Nach­wuchs­pro­blem", sagt Funk. Und be­zahlt wird die Aus­bil­dung auch nur mit­tel­mä­ßig, wie Zah­len des Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­ta­ges be­le­gen: 672 Eu­ro ver­die­nen Azu­bis dem­nach im Wes­ten im ers­ten Jahr durch­schnitt­lich, 572 Eu­ro im Os­ten. Im drit­ten Jahr sind es 862 be­zie­hungs­wei­se 728 Eu­ro. Im "At­lan­tic" be­gin­nen die Azu­bis mit 710 Eu­ro, im letz­ten Lehr­jahr gibt es 900 Eu­ro.

Al­ler­dings: Ver­pflegt wer­den die Azu­bis oft in ih­rem Ho­tel, da­für fal­len al­so kaum Kos­ten an. Auch gibt es Mit­ar­bei­ter­un­ter­künf­te, in de­nen sie zu­min­dest am Be­ginn der Aus­bil­dung woh­nen kön­nen. "Sonst wä­re es ge­ra­de in den gro­ßen Städ­ten und den be­lieb­ten Ur­laubs­or­ten schwie­rig", so San­dra War­den. Sie ist Ge­schäfts­füh­re­rin beim Bun­des­ver­band des Deut­schen Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­ban­des und zu­stän­dig für die Aus­bil­dung.

36 Mo­na­te dau­ert der Weg zum fer­ti­gen Ho­tel­fach­mann im Re­gel­fall. Be­rufs­schu­le und Ho­tel wech­seln sich ab, je nach Stand­ort gibt es Block­un­ter­richt oder wö­chent­li­che Ein­hei­ten. Im Ho­tel muss dann je­der Azu­bi al­les ma­chen, so­wohl im ope­ra­ti­ven als auch im ad­mi­nis­tra­ti­ven Be­reich. "Das ist sehr ab­wechs­lungs­reich und gibt ei­nen ganz­heit­li­chen Über­blick über al­les, was im Ho­tel pas­siert", sagt Hen­ry Gro­te. Er ar­bei­tet am liebs­ten di­rekt "am Gast", wie das in der Bran­che heißt. Trotz­dem hat er "auf der Eta­ge" auch Bet­ten ge­macht und Zim­mer ge­putzt.

Au­ßer­dem hat Gro­te in der Früh­stücks­kü­che das Es­sen zu­be­rei­tet, in der Wa­ren­wirt­schaft ge­ar­bei­tet, bei der Pla­nung von gro­ßen Kon­fe­ren­zen und Events ge­hol­fen und bei Ban­ket­ten be­dient. Ver­trieb, Mar­ke­ting, Ver­an­stal­tungs­ver­kauf, der Emp­fang und der Gäs­t­e­ser­vice stan­den eben­falls auf sei­ner Lis­te. Und ei­nen Mo­nat lang war er in Frank­furt, um dort in zwei an­de­ren Kem­pin­ski-Ho­tels hin­ter die Ku­lis­sen zu schau­en.

Das sei ein Vor­teil, wenn Azu­bis bei ei­nem in­ter­na­tio­na­len Un­ter­neh­men oder ei­nem Ket­ten­ho­tel ar­bei­ten, sagt War­den. Den­noch sei die ei­ne Aus­bil­dung nicht zwangs­läu­fig bes­ser als die an­de­re: "Es gibt in­ha­ber­ge­führ­te Ho­tels, in de­nen die Aus­zu­bil­den­den fast schon zur Fa­mi­lie ge­hö­ren und ei­ne her­vor­ra­gen­de Schu­le durch­lau­fen." Trotz­dem soll­te sich je­der Ju­gend­li­che, der mit dem Ge­dan­ken an ei­ne Aus­bil­dung im Ho­tel spielt, mit den ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten ver­traut ma­chen. "Am bes­ten sind kur­ze Prak­ti­ka, um in die ver­schie­de­nen Be­trie­be hin­ein­zu­schnup­pern."

Ur­laubs- oder Busi­ness­ho­tel, ein Haus, das vie­le Ver­an­stal­tun­gen aus­rich­tet oder ei­nes, das sich ganz auf Fa­mi­li­en kon­zen­triert: Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten gibt es über­all, aber Ho­tel und Azu­bi soll­ten zu­sam­men­pas­sen. Das Schul­wis­sen ist da­bei nur be­dingt ge­fragt. "Man eig­net sich das, was man braucht, in der täg­li­chen Ar­beit an", sagt der Aus­zu­bil­den­de Hen­ry Gro­te. Ein be­stimm­ter Schul­ab­schluss ist da­her auch nicht vor­ge­schrie­ben.

Trotz­dem sind rund 30 Pro­zent der 20.000 Aus­zu­bil­den­den im Ho­tel­fach Ab­itu­ri­en­ten. "Man­che Häu­ser neh­men nur Voll­jäh­ri­ge zur Aus­bil­dung, weil das we­gen der Ar­beits­zei­ten und der Schich­ten ein­fa­cher ist", sagt War­den. Den­noch kom­me es viel mehr auf die Soft Skills an als auf Deutsch- und Ma­the­no­ten. "Auf­ge­schlos­sen­heit, Zu­ver­läs­sig­keit, Fle­xi­bi­li­tät, Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent, sprach­li­che Fä­hig­kei­ten, Mo­bi­li­tät - das sind al­les Din­ge, die wich­tig sind", sagt die Ex­per­tin.

Und so kommt es dann, dass vie­le Ho­tel-Azu­bis die­se Frei­heit auch nach be­stan­de­ner Prü­fung pfle­gen: Mit­un­ter blei­ben sie nicht im Ho­tel, selbst wenn ih­nen mehr als ein Sai­son­job an­ge­bo­ten wird. Auch Hen­ry Gro­te macht es so, wenn er den Ab­schluss in der Ta­sche hat. Er geht in die Luft - als Flug­be­glei­ter. Zu­min­dest für ei­ne Wei­le.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 7. August 2017

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