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An­nä­he­rung im Ta­rif­kon­flikt Rya­n­air in Sicht

Rya­n­air und Ver­di ha­ben ei­ne ers­te Ei­ni­gung im Ta­rif­kon­flikt mit den Flug­be­glei­tern er­zielt. Die künf­ti­ge Exis­tenz von Be­triebs­rä­ten bleibt um­strit­ten
Kabinenpersonal im Flugzeug, Flugbegleiter, Stewardess

09.11.2018 (dpa/fle) - Nach zä­hen Ver­hand­lun­gen und meh­re­ren Streiks bahnt sich im Ta­rif­streit beim Bil­lig­flie­ger Rya­n­air in Deutsch­land ei­ne ers­te Ei­ni­gung an.

Das iri­sche Un­ter­neh­men und die Ge­werk­schaft Ver­di ha­ben sich auf mehr Geld und bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen für die rund 1.000 Flug­be­glei­ter ver­stän­digt, wie bei­de Sei­ten am Don­ners­tag mit­teil­ten.

Die Ei­ni­gung be­inhal­te auch ei­nen So­zi­al­plan für Be­schäf­tig­te von Sta­tio­nen, die ge­schlos­sen wer­den. Rya­n­air er­klär­te, es sei ein Ta­rif­ver­trag un­ter­zeich­net wor­den, Ver­di hin­ge­gen sprach von ei­ner Vor­ver­ein­ba­rung.

Die Ge­werk­schaft will die Be­schäf­tig­ten über das zwei­sei­ti­ge Eck­punk­te­pa­pier bis Diens­tag ab­stim­men las­sen. Neh­men die Mit­ar­bei­ter an, wer­de auf die­ser Grund­la­ge der Ta­rif­ver­trag aus­ge­han­delt, sag­te ei­ne Ver­di-Spre­che­rin. Der Ta­rif­kon­flikt bei dem Bil­lig­flie­ger läuft seit et­wa ei­nem Jahr, ver­han­delt wird für et­wa 1.000 Flug­be­glei­ter, dar­un­ter rund 700 Leih­ar­bei­ter.

"Dies sind wei­te­re kon­kre­te Zei­chen für den sub­stan­zi­el­len Fort­schritt, den Rya­n­air da­bei macht, Ver­ein­ba­run­gen mit un­se­ren Mit­ar­bei­tern und ih­ren Ge­werk­schaf­ten in meh­re­ren eu­ro­päi­schen Län­dern zu schlie­ßen", kom­men­tier­te Per­so­nal­chef Ed­die Wil­son die Über­ein­kunft mit Ver­di.

Die wie­der­keh­ren­den Streiks bei dem Bil­lig­flie­ger hat­ten in die­sem Som­mer das Cha­os an den eu­ro­päi­schen Flug­hä­fen noch ver­stärkt. Lot­sen­man­gel und der har­te Wett­be­werb der Air­lines um Markt­an­tei­le der in­sol­ven­ten Air Ber­lin hat­ten oh­ne­hin zu zahl­rei­chen Ver­spä­tun­gen und Flug­aus­fäl­len ge­führt. Zu­letzt hat­ten Flug­be­glei­ter und Pi­lo­ten von Rya­n­air in Deutsch­land im Sep­tem­ber zwei­mal ge­mein­sam ge­streikt.

Ver­di warf Eu­ro­pas größ­tem Bil­lig­flie­ger Ar­beits­be­din­gun­gen aus dem 19. Jahr­hun­dert vor, auch die Bun­des­re­gie­rung schal­te­te sich ein. Öl ins Feu­er goss das Ma­nage­ment, in­dem es die Ba­sis in Bre­men mit zwei sta­tio­nier­ten Flug­zeu­gen schloss und aus Weeze na­he der nie­der­län­di­schen Gren­ze zwei von fünf Ma­schi­nen ab­zog.

Wei­te­re Streiks sind der­zeit zwar nicht in Sicht, die Ge­fahr ist aber noch nicht ge­bannt. So lau­fen noch die Ta­rif­ver­hand­lun­gen mit der Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC).

Die Ei­ni­gung mit Ver­di än­de­re den ei­ge­nen Fahr­plan nicht, nächs­te Wo­che ge­be es die nächs­te Run­de mit dem Rya­n­air-Ma­nage­ment, sag­te VC-Spre­cher Ja­nis Sch­mitt am Don­ners­tag. "Je­der be­harrt auf sei­nem Stand­punkt, aber man ist ge­sprächs­be­reit", be­schrieb er die Ver­hand­lun­gen für die gut 400 Rya­n­air-Pi­lo­ten in Deutsch­land.

Mit der Eck­punk­te-Ei­ni­gung zeigt sich der größ­te eu­ro­päi­sche Bil­lig­flie­ger be­reit, Kern­for­de­run­gen von Ver­di zu er­fül­len: ein Ta­rif­ver­trag nach deut­schem Recht, hö­he­re Ein­kom­men, Re­ge­lun­gen für Ver­set­zun­gen, Ab­fin­dun­gen und Wie­der­ein­stel­lun­gen. De­tails da­zu nen­nen bei­de Sei­ten aber noch nicht. Klar ist: Auf die Grün­dung von Be­triebs­rä­ten lässt sich Rya­n­air wei­ter­hin nicht ein.

"Hier ist jetzt die Po­li­tik in der Ver­ant­wor­tung", hob Ver­di am Don­ners­tag her­vor. Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) hat­te zu­ge­sagt, noch vor Weih­nach­ten die Bil­dung von Be­triebs­rä­ten des flie­gen­den Per­so­nals zu er­leich­tern.

Rya­n­air fliegt mehr als 215 Flug­hä­fen in 37 Län­dern in Eu­ro­pa und Nord­afri­ka an. Das Un­ter­neh­men be­schäf­tigt nach ei­ge­nen An­ga­ben rund 14.500 Per­so­nen - und steckt in ei­nem tief­grei­fen­den Wan­del, seit sich Pi­lo­ten und Flug­be­glei­ter zu­neh­mend in Ge­werk­schaf­ten or­ga­ni­sie­ren und eu­ro­pa­weit ver­net­zen. In meh­re­ren Län­dern hat sich das Un­ter­neh­men in­zwi­schen mit Ge­werk­schaf­ten ge­ei­nigt.

Im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr (bis En­de März 2019) wird der ers­te Ge­winn­rück­gang seit fünf Jah­ren er­war­tet. Ne­ben ho­hen Ke­ro­sin­prei­sen, ge­rin­ge­ren Ti­cket­prei­sen und Ent­schä­di­gun­gen für Pas­sa­gie­re sieht Rya­n­air die Streiks als ei­nen Grund. Nichts­des­to­trotz wird noch ein Ge­winn von 1,1 bis 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro er­war­tet.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 9. Dezember 2018

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