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Ar­beit bei "Li­la-Bä­cker" geht wei­ter

Es wa­ren schwe­re Mo­na­te für die Mit­ar­bei­ter von "Li­la-Bä­cker", doch nun konn­ten die Wei­chen für den Be­stand des Un­ter­neh­mes ge­stellt wer­den
Handschlag, eine Hand mit weißem Hemd und Anzugjacke, eine Hand mit Flanellhemd

12.08.2019. (dpa/fle) - Als sich die Tür im Amts­ge­richt Neu­bran­den­burg zur Gläu­bi­ger­ver­samm­lung der in­sol­ven­ten Bä­cke­rei-Ket­te "Li­la Bä­cker" (Pa­se­walk) öff­ne­te, war die Er­leich­te­rung der Be­tei­lig­ten zu spü­ren.

"Ich bin zu­frie­den, es sieht gut aus", sag­te die Pa­se­wal­ker Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de Mar­ti­na Her­ren­kind an­ge­sichts des po­si­ti­ven Vo­tums der Ver­samm­lung zum In­sol­venz­plan.

Hell­wach ist bei ihr und den rund 2.200 Mit­ar­bei­tern die Er­in­ne­rung an die ver­gan­ge­nen Mo­na­te, als die Zu­kunft ih­rer Ar­beits­plät­ze mehr als düs­ter er­schien. Ein Be­triebs­en­de hät­te auch die struk­tur­ar­me Re­gi­on hart ge­trof­fen.

Zu­vor hat­te In­sol­venz­ver­wal­ter Tors­ten Mar­ti­ni sei­nen Plan für die Wei­ter­füh­rung des Be­triebs vor­ge­stellt. Die­ser sieht vor, dass kei­ne wei­te­re der 270 Fi­lia­len in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Ber­lin und Bran­den­burg ge­schlos­sen wird. "Die Um­sät­ze ent­wi­ckeln sich im Au­gust dan­kens­wer­ter­wei­se bes­ser als er­war­tet. Wir hof­fen, dass es da­bei bleibt." Auch die Zahl der Mit­ar­bei­ter blei­be mit rund 2.200 sta­bil. Nun müs­se der Bank­kre­dit in Hö­he von zehn Mil­lio­nen EUR aus­ge­reicht wer­den, wel­cher wie­der­um zu 80 Pro­zent vom Land ver­bürgt ist. "Und dann wird hof­fent­lich dem­nächst das In­sol­venz­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben", sag­te Mar­ti­ni der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

"Das po­si­ti­ve Vo­tum der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ist er­freu­lich", sag­te Meck­len­burg-Vor­pom­merns Fi­nanz­mi­nis­ter Rein­hard Mey­er (SPD). Da­mit sei ei­ne we­sent­li­che Vor­aus­set­zung ge­ge­ben, den In­sol­venz­plan um­zu­set­zen und Ar­beits­plät­ze im Land zu si­chern. "Gleich­zei­tig ist die­se Ent­schei­dung not­wen­di­ge Grund­la­ge für die be­ab­sich­tig­te Lan­des­bürg­schaft." Die dies­be­züg­li­che Prü­fung lau­fe be­reits, ei­ne Ent­schei­dung des Bürg­schafts­aus­schus­ses kön­ne zeit­nah er­fol­gen.

Die Bä­cke­rei­ket­te, die zu­nächst in Meck­len­burg-Vor­pom­mern tä­tig war und spä­ter nach Sü­den ex­pan­dier­te, hat­te im Ja­nu­ar 2019 In­sol­venz an­ge­mel­det, da­mals noch mit et­wa 2.500 Mit­ar­bei­tern. Seit­dem wur­de rund ein Drit­tel der 400 Fi­lia­len so­wie Stand­or­te in Gä­ge­low bei Wis­mar und Dah­le­witz bei Ber­lin auf­ge­ge­ben.

Die Ver­gan­gen­heits­auf­ar­bei­tung bei­spiels­wei­se über die Grün­de der In­sol­venz daue­re an, sag­te Mar­ti­ni. Die Quo­te für die Rück­erstat­tung aus­ste­hen­der Be­trä­ge der Gläu­bi­ger wer­de im ein­stel­li­gen Be­reich lie­gen. "Das ist sehr we­nig. Es wä­re noch we­ni­ger ge­we­sen, wenn der In­sol­venz­plan nicht zu­stan­de ge­kom­men wä­re", er­klär­te Mar­ti­ni. Die bis­he­ri­ge Ge­schäfts­füh­rung blei­be in Diens­ten des Un­ter­neh­mens.

"Es gab kei­ne Al­ter­na­ti­ve zur An­nah­me des In­sol­venz­plans", be­grüß­te der Ge­schäfts­füh­rer der Ge­werk­schaft NGG, Jörg Dahms, die Ent­schei­dung. Die Schlie­ßung hät­te in der Re­gi­on Pa­se­walk schwe­re Aus­wir­kun­gen ge­habt. Er be­dau­er­te, dass sei­ne Ge­werk­schaft bei der Ent­schei­dungs­fin­dung kei­nen Bei­trag leis­ten konn­te. Er kri­ti­sier­te in die­sem Zu­sam­men­hang, dass dem Be­trieb mit öf­fent­li­chen Gel­dern ge­hol­fen wird und trotz­dem kein Ta­rif­lohn be­zahlt wer­de. "Da muss das Land in der La­ge sein, Be­din­gun­gen zu stel­len."

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Letzte Überarbeitung: 7. Oktober 2019

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