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ARBEITSRECHT AKTUELL // 18/289

Schee­le ge­gen völ­li­gen Weg­fall der Hartz-IV-Sank­tio­nen

Die Po­li­tik de­bat­tiert über ei­ne Re­form von Hartz-IV. Haupt­streit­punkt sind die der­zei­ti­gen Mit­wir­kungs­pflich­ten von Hartz-IV-Emp­fän­gern
Logo der Bundesagentur für Arbeit, weißes Dreieck auf rotem Hintergrund

28.11.2018. (dpa/fle) - In der De­bat­te über mög­li­che grund­le­gen­de Än­de­run­gen an Hartz IV hat der Chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, Det­lef Schee­le, vor ei­nem völ­li­gen Weg­fall von Sank­tio­nen ge­warnt.

"Was soll denn ein Ver­mitt­ler tun, wenn ein Ar­beits­lo­ser mehr­fach nicht zum Ter­min er­scheint?", sag­te er.

Für ei­ne sehr ge­rin­ge Zahl von Men­schen brau­che es ein In­stru­men­ta­ri­um, "da­mit sich ein Ver­mitt­ler durch­set­zen kann und nicht zum Bitt­stel­ler ge­gen­über dem­je­ni­gen wird, der ei­ne staat­li­che Leis­tung be­zieht", so Schee­le.

Vor al­lem in der SPD wird über ei­ne Re­form oder Ab­schaf­fung des vom frü­he­ren SPD-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der ein­ge­führ­ten Hartz-Sys­tems zur Grund­si­che­rung dis­ku­tiert. Par­tei­che­fin An­drea Nah­les hat­te ei­ne "So­zi­al­staats­re­form 2025" ge­for­dert und an­ge­kün­digt: "Wir wer­den Hartz IV hin­ter uns las­sen."

Als mög­li­che neue Grund­si­che­rung ist ein sog. Bür­ger­geld in der Dis­kus­si­on. Sank­tio­nen soll­ten weit­ge­hend ent­fal­len. Grü­nen-Chef Ro­bert Ha­beck hat ei­ne "Ga­ran­tie­si­che­rung" vor­ge­schla­gen, bei der Zwang zur Ar­beits­auf­nah­me und Sank­tio­nen eben­falls weg­fal­len sol­len.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) wand­te sich da­ge­gen, je­de Mit­wir­kungs­pflicht auf­zu­he­ben. "Wenn je­mand zum zehn­ten Mal nicht zu ei­nem Ter­min beim Amt er­scheint, soll­te das Kon­se­quen­zen ha­ben", sag­te Heil. Zu­gleich kün­dig­te er an, be­stimm­te Sank­tio­nen ab­zu­schaf­fen, "die wir­kungs­los sind und den Be­trof­fe­nen Angst ma­chen". Als Bei­spiel sag­te Heil, es sei un­sin­nig, dass 24-Jäh­ri­ge schär­fer sank­tio­niert wür­den als 25-Jäh­ri­ge. Und auch wenn die Kos­ten für Mie­te und Un­ter­kunft ge­kürzt wür­den, ver­un­si­che­re das Men­schen un­nö­tig.

Be­hör­den­chef Schee­le sag­te zu den De­bat­ten: "Ich bin schon er­staunt, mit wel­cher Ve­he­menz von un­ter­schied­li­chen Sei­ten ge­gen das Sys­tem der Grund­si­che­rung po­le­mi­siert wird". Die Zahl der Über­gän­ge von Ar­beits­lo­sen in die Grund­si­che­rung ge­he kon­ti­nu­ier­lich zu­rück. Er se­he aber durch­aus Dis­kus­si­ons­po­ten­zi­al. "Der schnel­le Über­gang in die Grund­si­che­rung ent­wer­tet lan­ge Ar­beits­bio­gra­fi­en. Das wird als un­ge­recht emp­fun­den." Dar­über kön­ne Po­li­tik nach­den­ken, "oh­ne gleich das gan­ze Sys­tem ab­zu­schaf­fen".

In der rot-grü­nen Ko­ali­ti­on von Schrö­der war vor rund 15 Jah­ren be­schlos­sen wor­den, Ar­beits­lo­sen- und So­zi­al­hil­fe zur neu­en Grund­si­che­rung Hartz IV zu­sam­men­zu­le­gen. Der­zeit liegt der Satz bei 416 EUR im Mo­nat. Zu­dem wur­den Sank­tio­nen ver­schärft, um den Zwang zu er­hö­hen, sich um Fort­bil­dun­gen und neue Jobs zu be­mü­hen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn sprach sich ge­gen grund­le­gen­de Um­bau­plä­ne aus. "Geld oh­ne Ge­gen­leis­tung wi­der­spricht mei­nem Bild ei­ner so­zia­len Markt­wirt­schaft". Wer ar­bei­te, müs­se am En­de des Mo­nats mehr Geld be­kom­men als je­mand, der das nicht tut. "Wer an die­sem Prin­zip rüt­telt, ge­fähr­det die Ak­zep­tanz des So­li­dar­sys­tems".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 29. November 2018

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