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Ar­beits­lo­sen­zah­len: Nied­rigs­ter No­vem­ber­stand seit 26 Jah­ren

Selbst die Vor­bo­ten des Win­ters ver­mö­gen die Ar­beits­lo­sen­bi­lanz im No­vem­ber kaum zu trü­ben. Dank vol­ler Auf­trags­bü­cher in vie­len Un­ter­neh­men sinkt die Er­werbs­lo­sen­zahl wei­ter.
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30.11.2017. (dpa) - Die Ar­beits­lo­sig­keit in Deutsch­land bleibt wei­ter auf Re­kord­tief. Mit 2,368 Mil­lio­nen sei die Zahl der Ar­beits­lo­sen zu­letzt auf den nied­rigs­ten No­vem­ber­stand seit 1991 ge­sun­ken, teil­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) am Don­ners­tag in Nürn­berg mit.

Da­mit gab es 20.000 Job­su­cher we­ni­ger als im Ok­to­ber und so­gar 164.000 we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank um 0,1 Punk­te auf 5,3 Pro­zent. "Der Rück­gang ist da­mit et­was stär­ker aus­ge­fal­len als sonst im No­vem­ber üb­lich", be­ton­te BA-Vor­stands­mit­glied Va­le­rie Hols­bo­er.

Rech­net man al­ler­dings zu der of­fi­zi­el­len Ar­beits­lo­sen­zahl noch Job­su­cher hin­zu, die in Aus- und Fort­bil­dun­gen, Trai­nings­maß­nah­men oder in Ein-Eu­ro-Jobs für den Ar­beits­markt fit ge­macht wer­den sol­len, lag die Zahl der Ar­beits­su­chen­den um knapp ei­ne Mil­li­on hö­her - näm­lich bei 3,359 Mil­lio­nen. Fach­leu­te spre­chen von der "Un­ter­be­schäf­ti­gung", die ih­rer An­sicht nach ein bes­se­res Bild über die Si­tua­ti­on auf dem Ar­beits­markt lie­fert als die Ar­beits­lo­sen­zahl.

Ein Grund für die "sehr gu­te Ent­wick­lung auf dem Ar­beits­markt" ist nach Hols­bo­ers Ein­schät­zung die wei­ter­hin ro­bus­te Kon­junk­tur. Dar­auf wei­se nicht nur der star­ke sai­son­be­rei­nig­te Rück­gang um 18.000 Er­werbs­lo­se hin, son­dern auch die stei­gen­de Zahl der Ar­beits­plät­ze. So ha­be es nach An­ga­ben des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zu­letzt im Ok­to­ber 44,74 Mil­lio­nen Er­werbs­tä­ti­ge ge­ge­ben - 650.000 mehr als vor ei­nem Jahr. Die Zahl der re­gu­lä­ren Stel­len mit So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht klet­ter­te nach BA-Hoch­rech­nung im Sep­tem­ber auf 32,74 Mil­lio­nen - 727.000 mehr als vor ei­nem Jahr.

Aus­ge­spro­chen zu­frie­den mit der Ar­beits­markt-La­ge zeig­te sich am Don­ners­tag auch die ge­schäfts­füh­ren­de Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD). "Am Ar­beits­markt zeigt sich kei­ne Spur von No­vem­ber-Blues", stell­te sie fest. Trotz­dem blie­ben Her­aus­for­de­run­gen: "Denn trotz der leicht po­si­ti­ven Ten­denz im Be­reich der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit mah­nen uns die im­mer noch knapp 862.000 Men­schen, die an­hal­tend kei­ne Be­schäf­ti­gung fin­den, un­se­ren Ein­satz für die­se Grup­pe deut­lich zu ver­stär­ken", sag­te sie.

Ers­te Licht­bli­cke gibt es nach Ein­schät­zung von BA-Vor­stands­mit­glied Rai­mund Be­cker bei der Flücht­lings­ar­beits­lo­sig­keit. Zwar gal­ten im No­vem­ber im­mer noch 420.000 Flücht­lin­ge als ar­beits­su­chend; zu­gleich fän­den aber auch im­mer mehr Asyl­su­chen­de ei­ne Ar­beit. So hät­ten im Sep­tem­ber 195.000 Män­ner und Frau­en aus nicht­eu­ro­päi­schen Asyl­her­kunfts­län­dern ei­nen re­gu­lä­ren Job ge­habt - 75.000 mehr als vor ei­nem Jahr. Zu­meist ar­bei­te­ten sie für Zeit­ar­beits­fir­men, Ku­rier­diens­te oder in der Gas­tro­no­mie. Da­durch sank im No­vem­ber erst­mals seit En­de 2014 die Flücht­lings­ar­beits­lo­sig­keit leicht - und zwar auf 175.000.

Leicht ge­trübt wur­de die No­vem­ber-Bi­lanz der Bun­des­agen­tur le­dig­lich durch die Air-Ber­lin-Plei­te. Da­durch, so Be­cker, sei die Zahl der Ar­beits­lo­sen in der Luft­fahrt­bran­che hoch­ge­schnellt. Lie­ge die Zahl der ar­beits­lo­sen Luft­fahrt­be­schäf­tig­ten bun­des­weit für ge­wöhn­lich bei 100 bis 200, so sei sie im No­vem­ber auf rund 1.800 ge­stie­gen. Wie stark sich der ge­plan­te Job­ab­bau an den ver­schie­de­nen deut­schen Sie­mens-Stand­or­ten aus­wir­ken wer­de, sei da­ge­gen noch un­klar. Be­cker räum­te ein, dass es dar­über be­reits im Vor­feld mit der Sie­mens-Un­ter­neh­mens­füh­rung Ge­sprä­che ge­ge­ben ha­be.

Zu­neh­mend wird auch der Fach­kräf­te­man­gel in ei­ni­gen Bran­chen zum The­ma bei der Bun­des­agen­tur. Von ei­nem flä­chen­de­cken­den Pro­blem kön­ne - mit Aus­nah­me der Al­ten­pfle­ge - der­zeit aber noch kei­ne Re­de sein. Um das Pro­blem ab­zu­mil­dern, set­ze die BA zu­neh­mend auf ei­ne ver­stärk­te Aus- und Fort­bil­dung von Ar­beits­lo­sen in den Eng­pass­be­ru­fen. "Auch wer­den wir die ge­steu­er­te Zu­wan­de­rung aus Nicht-EU-Län­dern ver­stärkt in den Fo­kus neh­men", kün­dig­te Be­cker an. Sei­ne Kol­le­gin Hols­bo­er er­in­ner­te zum be­vor­ste­hen­den "In­ter­na­tio­na­len Tag der Men­schen mit Be­hin­de­rung" (3. De­zem­ber) zu­dem an das gro­ße Po­ten­zi­al gut aus­ge­bil­de­ter Be­hin­der­ter. "Sie kön­nen Teil der Lö­sung der Fach­kräf­te­knapp­heit sein", mach­te sie deut­lich.


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Letzte Überarbeitung: 30. November 2017

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