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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/021

Aus­ge­wei­te­te Warn­streiks im Bus­ver­kehr

Im Ta­rif­kon­flikt der Bus­fah­rer in Schles­wig-Hol­stein wur­den die Warn­streiks aus­ge­wei­tet, doch die Ar­beit­ge­ber­sei­te bleibt hart
Bus Cockpit, Busfahrer, Unternehmen finden keine Busfahrer, Fachkräftemangel

29.01.2020. (dpa/fle) - Die aus­ge­wei­te­ten Warn­streiks im Bus­ver­kehr in Schles­wig-Hol­stein ha­ben nach An­ga­ben der Ge­werk­schaft Ver­di am Mitt­woch zu deut­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen im Nah­ver­kehr in den be­trof­fe­nen Krei­sen Pin­ne­berg und St­ein­burg ge­führt.

Au­ßer­dem sei in Neu­müns­ter am zwei­ten Tag des drei­tä­gi­gen Warn­streiks im städ­ti­schen Bus­ver­kehr "nichts ge­fah­ren", sag­te Karl-Heinz Plie­te, Lan­des­streik­lei­ter von Ver­di, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

In Neu­müns­ter de­mons­trier­ten nach sei­nen An­ga­ben mehr als 100 Bus­fah­rer und wei­te­re Be­schäf­tig­te der Stadt­wer­ke Neu­müns­ter Ver­kehr so­wie Mit­ar­bei­ter pri­va­ter Bus­un­ter­neh­men aus Pin­ne­berg und St­ein­burg. Be­reits Mit­te Ja­nu­ar hat­te Ver­di den öf­fent­li­chen Bus­ver­kehr in Kiel, Neu­müns­ter, Lü­beck und Flens­burg mit ei­nem ganz­tä­gi­gen Warn­streik lahm­ge­legt.

Der Auf­ruf zu ganz­tä­gi­gen Warn­streiks im pri­va­ten Bus­ge­wer­be in Pin­ne­berg und St­ein­burg wur­de laut Ver­di am Mitt­woch weit­ge­hend be­folgt. Be­trof­fen wa­ren in Ue­ter­sen und Elms­horn Bus­fah­rer der Kreis­ver­kehrs­ge­sell­schaft in Pin­ne­berg (KVIP), des Un­ter­neh­mens Die Li­nie in Kel­ling­hu­sen so­wie in It­ze­hoe der Be­trie­be Vi­ne­ta Bus­be­triebs­ge­sell­schaft und Graf Re­cke. Le­dig­lich beim Un­ter­neh­men Hols­ten-Ex­press in It­ze­hoe sei es nicht zum Warn­streik ge­kom­men.

Die Ge­werk­schaft woll­te mit dem Aus­wei­ten der Warn­streiks den Druck auf die aus ih­rer Sicht schlep­pen­den Ta­rif­ver­hand­lun­gen im Bus­ge­wer­be er­hö­hen. Der Kom­mu­na­le Ar­beit­ge­ber­ver­band hat für die­ses Jahr 1,8 Pro­zent mehr Geld an­ge­bo­ten und für nächs­tes Jahr 1,3 Pro­zent. Ver­di ver­langt 2,06 EUR mehr in der St­un­de für 2020. Dies soll ein­heit­lich für al­le acht Ta­rif­grup­pen gel­ten.

Un­ver­ständ­nis für die Warn­streiks und über­zo­ge­ne Ta­rif­for­de­run­gen äu­ßer­te der Om­ni­bus Ver­band Nord (OVN), dem nach ei­ge­nen An­ga­ben et­wa 90 pri­va­te Bus­un­ter­neh­men aus Ham­burg und Schles­wig-Hol­stein mit rund 1.800 Bus­sen an­ge­hö­ren. Man ha­be ein An­ge­bot un­ter­brei­tet, "das mit 180 EUR für zwei Jah­re noch nie so hoch war", hieß es. Kon­kret ge­he es um ei­nen St­un­den­lohn von 16,40 EUR, mit dem der Ta­rif­ver­trag wie bis­her bun­des­weit nach Ba­den-Würt­tem­berg an zwei­ter Stel­le lä­ge. Die Streiks sei­en aber auch des­halb un­ver­ständ­lich, weil das Fahr­per­so­nal erst vor drei Mo­na­ten ei­ne Lohn­er­hö­hung von 50 EUR er­hal­ten ha­be und jetzt ei­ne For­de­rung ge­stellt wer­de, «die in ih­rer Hö­he mit 17 Pro­zent völ­lig ab­surd ist", sag­te OVN-Ver­hand­lungs­füh­rer und Ver­bands­chef Klaus Schmidt.

Die Ver­hand­lun­gen für den öf­fent­li­chen Bus­ver­kehr sol­len am 7. Fe­bru­ar in Flens­burg und für das pri­va­te Bus­ge­wer­be am 11. Fe­bru­ar vor­aus­sicht­lich in Ham­burg fort­ge­setzt wer­den. Ob es bis da­hin zu wei­te­ren Warn­streiks kommt, ist of­fen. Ver­di teil­te nur mit, "wenn et­was pas­siert, kün­di­gen wir es am Vor­tag an".

"Wir be­dau­ern sehr, dass durch die über­flüs­si­gen Streiks nun ein Kli­ma ge­schaf­fen wird, das ei­ne Ei­ni­gung in der ge­mein­sam fest­ge­leg­ten neu­en Ver­hand­lungs­run­de am 11. Fe­bru­ar zu­min­dest er­schwert", kri­ti­sier­te der OVN. Zu­dem wüss­ten al­le Be­tei­lig­ten, dass die von den Krei­sen an die Bus­un­ter­neh­men ge­zahl­ten Be­trä­ge ge­de­ckelt sei­en und et­wai­ge Preis­fort­schrei­bun­gen al­len­falls auf dem Ni­veau der In­fla­ti­ons­ra­te er­folg­ten. "Die Un­ter­neh­men sind be­kannt­lich nicht in der La­ge, zur Re­fi­nan­zie­rung sol­cher For­de­run­gen die Fahr­prei­se mal eben zu er­hö­hen", kri­ti­sier­te der Om­ni­bus Ver­band Nord.

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Letzte Überarbeitung: 29. Januar 2020

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