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17/295a Be­wer­bun­gen: An­ony­mi­sie­rung, aber nicht zu viel

An­ony­mi­sier­te Be­wer­bun­gen könn­ten Dis­kri­mi­nie­run­gen im Aus­wahl­ver­fah­ren vor­bei­gen. We­der Be­wer­ber noch Un­ter­neh­men hal­ten da­von je­doch be­son­ders viel.
Anonyme Bewerbung, Diskriminierung im Auswahlverfahren

24.11.2017. (dpa/wie) - An­ony­me Be­wer­bun­gen, die kei­nen Rück­schluss auf Ge­schlecht, Al­ter oder Her­kunft des Be­wer­bers zu­las­sen, sind in ei­ni­gen Län­dern be­reits gän­gi­ges Pra­xis. In Deutsch­land ist dies je­doch sehr un­üb­lich.

Aus ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­tät Bam­berg im Auf­trag des Job-Por­tals "Mons­ter.de" geht her­vor, dass nur 5,7 Pro­zent von 250 be­frag­ten Un­ter­neh­men in der An­ony­mi­sie­rung von Be­wer­bungs­ver­fah­ren mehr Vor­tei­le als Nach­tei­le se­hen. Von den 3.400 be­frag­ten Be­wer­bern hiel­ten im­mer­hin 27,5 Pro­zent die In­ko­gni­to-Be­wer­bung für vor­teil­haft.

Für Frank Schrö­der, Be­wer­bungs­ex­per­te von der Eu­ro­päi­schen Fach­hoch­schu­le in Brühl, hät­te ei­ne zu­neh­men­de An­ony­mi­sie­rung po­si­ti­ve Ef­fek­te: "Men­schen tref­fen Ent­schei­dun­gen im­mer auch un­ter emo­tio­na­len Ge­sichts­punk­ten", gab Schrö­der zu be­den­ken. "Da man sich da­von nie ganz frei ma­chen kann, kann An­ony­mi­tät hilf­reich sein, um Ob­jek­ti­vi­tät zu för­dern."

Laut der An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des lei­den be­son­ders Frau­en und Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund un­ter den Vor­ur­tei­len im Aus­wahl­ver­fah­ren. Sie wür­den durch die An­ga­be von Na­men und Her­kunft nach­weis­lich schlech­te­re Chan­cen ha­ben, zu ei­nem Vor­stel­lungs­ge­spräch ein­ge­la­den zu wer­den.

Der Dis­coun­ter Al­di Süd geht auf dem Ab­sol­ven­ten­kon­gress in Köln (23./24.11.2017) in Sa­chen An­ony­mi­tät noch ei­nen Schritt wei­ter. In ei­ner Black­box wer­den dort in völ­li­ger Dun­kel­heit Be­wer­bungs­ge­sprä­che ge­führt. "Wir wol­len ein Ge­spräch oh­ne Vor­ur­tei­le - we­der von­sei­ten der Be­wer­ber noch von­sei­ten des Un­ter­neh­mens", er­klärt Sa­bi­ne Gro­ba­ra, Ent­wick­le­rin des Kon­zepts. Es han­de­le sich je­doch nur um ein Ex­pe­ri­ment.

Die­se dras­ti­sche Art von An­ony­mi­tät hält Schrö­der je­doch nur für be­dingt sinn­voll. "Die­se Art des Be­wer­bungs­ge­sprächs kann ich mir, ähn­lich ei­nes Speed-Da­tings, sehr gut für ein ers­tes Ken­nen­ler­nen vor­stel­len", sag­te der Be­wer­bungs­ex­per­te. Wich­tig sei je­doch nicht nur, was ge­sagt wird, son­dern wie es ge­sagt wird. Des­halb kom­me man mit der Blind-Date-Va­ri­an­te nur bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt.

Auch bei Al­di geht es nicht oh­ne das tra­di­tio­nel­le Vor­stel­lungs­ge­spräch. Die Teil­neh­mer der Black­box er­hal­ten im An­schluss ei­nen Code, mit dem sie sich im In­ter­net als In­ter­es­sen­ten vor­mer­ken las­sen kön­nen. Da­nach be­ginnt al­ler­dings auch für die das üb­li­che Aus­wahl­ver­fah­ren, viel­leicht mit ei­nem klei­nen Vor­teil.


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Letzte Überarbeitung: 6. April 2018

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