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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/066

Bo­den­per­so­nal be­streikt Ham­burg Air­port

Um der For­de­rung nach 12 EUR Min­dest­lohn Nach­druck zu ver­lei­hen, be­streikt das Bo­de­s­per­so­nal er­neut den Ham­burg Air­port
Bodenpersonal betankt Flugzeug am Flughafen

14.03.2019. (dpa/fle) - Der Warn­streik­auf­ruf der Ge­werk­schaft Ver­di am Ham­bur­ger Flug­ha­fen hat am Don­ners­tag zu Dut­zen­den Flug­strei­chun­gen ge­führt.

Mehr als 50 Flü­ge sei­en ge­stri­chen wor­den, je­weils zur Hälf­te an- und ab­ge­hen­de Ma­schi­nen.

Da­durch sei­en be­reits tau­sen­de Pas­sa­gie­re be­trof­fen, sag­te ei­ne Flug­ha­fen-Spre­che­rin.

Von 12.30 Uhr an, als die rund 1.000 Be­schäf­tig­ten der Ge­päck- und Flug­zeug­ab­fer­ti­gung zur Ar­beits­nie­der­le­gung auf­ge­for­dert wa­ren, soll­te es ur­sprüng­lich rund 250 Flü­ge mit 30.000 Pas­sa­gie­ren ge­ben. Der Flug­ha­fen ging da­von aus, dass sich der Flug­plan am Frei­tag im Lau­fe des Ta­ges nor­ma­li­siert und emp­fahl den Rei­sen­den, sich vor­ab bei ih­rer Air­line über die Flug­zei­ten zu in­for­mie­ren.

Am Warn­streik be­tei­lig­ten sich zu­nächst rund 150 Be­schäf­tig­te der Bond­en­ver­kehrs­diens­te. Sie hät­ten da­mit klar ge­macht, dass sie vom städ­ti­schen Flug­ha­fen und sei­nen Toch­ter­fir­men so­wie der Ham­bur­ger Po­li­tik er­war­te­ten, "end­lich ei­ne Ei­ni­gung im Ta­rif­kon­flikt vor­an zu trei­ben", sag­te Ver­di-Ver­hand­lungs­füh­re­rin Ire­ne Hat­zi­di­mou. Die Stadt ist Mehr­heits­eig­ne­rin des Flug­ha­fens.

Der Warn­streik mit­ten in den Ham­bur­ger Fe­ri­en sei völ­lig ver­ant­wor­tungs­los und so­zi­al zu­tiefst un­ge­recht, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer der HAM Ground Hand­ling, Chris­ti­an Noack. "Ver­di trifft da­mit vor al­lem die jetzt rei­sen­den Fa­mi­li­en." In der Toch­ter­fir­ma des städ­ti­schen Flug­ha­fens sind die Bo­den­ver­kehrs­diens­te (BVD) ge­bün­delt.

Be­trof­fen von den Flug­strei­chun­gen wa­ren Zie­le wie Por­to (Por­tu­gal), Pal­ma de Mal­lor­ca (Spa­ni­en) und Las Pal­mas (Spa­ni­en). Auch man­che Ge­schäfts­rei­sen­de nach Düs­sel­dorf, Köln oder Stutt­gart hat­ten ein Nach­se­hen. Die Air­lines könn­ten auch ent­schei­den, mit Pas­sa­gie­ren, aber oh­ne zu ver­la­de­nes Ge­päck, ab­zu­he­ben, er­läu­ter­te die Flug­ha­fen-Spre­che­rin.

Die BVD-Mit­ar­bei­ter hat­ten durch ei­nen Aus­stand be­reits am 04.02.2019 den Flug­ha­fen für ei­nen Tag lahm­ge­legt. Nach Ver­di-An­ga­ben de­mons­trier­ten rund 80 von ih­nen am Nach­mit­tag auf dem Ham­bur­ger Gän­se­markt di­rekt vor der Fi­nanz­be­hör­de. Sie mach­ten dort laut­stark deut­lich, dass ei­ne Ei­ni­gung im Ta­rif­kon­flikt "vor al­lem vom po­li­ti­schen Wil­len der Stadt Ham­burg ab­hängt".

Grund für den er­neu­ten Aus­stand bis Be­triebs­schluss sind die fest­ge­fah­re­nen Ta­rif­ver­hand­lun­gen. Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter wol­len vor al­lem ei­nen so­for­ti­gen Min­dest­stun­den­lohn von 12 EUR durch­set­zen. In der von der HAM Ground Hand­ling GmbH an­ge­streb­ten Ta­rif-Lauf­zeit von 24 Mo­na­ten wer­de für die An­lern­tä­tig­keit ein Ein­stiegs­ge­halt er­reicht, das deut­lich über 12 EUR lie­ge, be­kräf­tig­te der HAM-Chef. "Wir sind bis an die Gren­ze des­sen ge­gan­gen, was bei den Bo­den­ver­kehrs­diens­ten im der­zei­ti­gen Luft­ver­kehrs­markt wirt­schaft­lich leist­bar ist."

Ver­di hält dem HAM-Ma­na­ger und der Stadt die Ge­win­ne des Flug­ha­fens von knapp 47 Mil­lio­nen EUR (2017) vor und ver­langt, hier­von Ab­stri­che zu­guns­ten des Per­so­nals zu ma­chen. Nach eu­ro­päi­schen Richt­li­ni­en sei es ver­bo­ten, die BVD durch Mit­tel der Mut­ter­ge­sell­schaft zu sub­ven­tio­nie­ren, hält der HAM-Chef die­ser For­de­rung ent­ge­gen.

Die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter for­der­ten zu­letzt ei­ne Ta­rif­er­hö­hung von acht bis zwölf Pro­zent, bei ei­ner Lauf­zeit von 20 Mo­na­ten, so­wie an­ge­mes­se­ne­re Zeit- und Schicht­zu­schlä­ge. Die Ar­beit­ge­ber­sei­te hat nach ei­ge­nen An­ga­ben ei­ne Lohn­er­hö­hung von 7,0 Pro­zent an­ge­bo­ten. In fünf Ta­rif­run­den gab es kei­nen Durch­bruch, die nächs­te ist für den 20.03.2019 an­ge­setzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. April 2019

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