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Fle­xi­ble Aus­bil­dung ge­gen Er­zie­her­man­gel?

Nie­der­sach­sen setzt bei der Per­so­nal­ge­win­nung von Er­zie­hern auf fle­xi­ble Aus­bil­dungs­we­ge. Nicht am­bi­tio­niert ge­nug sa­gen Kri­ti­ker
Kindergartenerzieherin spielt mit Kindern

27.06.2019. (dpa/fle) - Weil in Nie­der­sach­sens Ki­tas nach Schät­zun­gen Tau­sen­de So­zi­al­as­sis­ten­ten und Er­zie­her feh­len, setzt das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um auf fle­xi­ble Aus­bil­dungs­we­ge.

"Wir brau­chen mehr und aus­rei­chend qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te", sag­te Kul­tus­mi­nis­ter Grant Hen­drik Ton­ne (SPD).

Bis­her muss­ten an­ge­hen­de Er­zie­her vier Jah­re lang ei­ne Be­rufs­fach­schu­le be­su­chen und an Schu­len pri­va­ter Trä­ger­schaft so­gar Schul­geld be­zah­len.

Mit dem Schul­jahr 2019/2020 wird lan­des­weit die Schul­geld­frei­heit ein­ge­führt. Au­ßer­dem ist dann ei­ne Aus­bil­dung zum So­zi­al­päd­ago­gi­schen As­sis­ten­ten und zum Er­zie­her in Teil­zeit mög­lich - die Ar­beit wäh­rend der län­ge­ren Pra­xis­pha­sen in der Ki­ta wird ver­gü­tet. Wer Ab­itur oder Vor­bil­dung im päd­ago­gi­schen Be­reich hat, kann die ver­gü­te­te Aus­bil­dung in kür­ze­rer Zeit be­rufs­be­glei­tend ab­sol­vie­ren. Ziel sei, dass kei­ne Grup­pen in Kin­der­gär­ten ge­schlos­sen wer­den müss­ten, weil Fach­kräf­te fehl­ten, be­ton­te Mi­nis­ter Ton­ne. Gleich­zei­tig wer­de die Qua­li­tät der Aus­bil­dung auf­recht­er­hal­ten.

Nach Ein­schät­zung der Bil­dungs­ge­werk­schaft GEW wer­den bis zum Jahr 2025 bun­des­weit min­des­tens 300.000 zu­sätz­li­che Er­zie­he­rin­nen und Er­zie­her ge­braucht, um den jet­zi­gen Stan­dard zu hal­ten. Nach An­ga­ben des nie­der­säch­si­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums be­fin­den sich der­zeit 15.300 jun­ge Men­schen in der Aus­bil­dung zum Er­zie­her - mehr als je zu­vor. Wie vie­le Stel­len im Land un­be­setzt sind, sei nicht be­kannt. Al­ler­dings muss­ten vie­ler­orts schon Grup­pen ta­ge­wei­se schlie­ßen, weil Per­so­nal fehl­te. Bis 2022 er­hält Nie­der­sach­sen im Rah­men des "Gu­te-Ki­ta-Ge­set­zes" 526 Mil­lio­nen EUR aus Bun­des­mit­teln - un­ter an­de­rem für die Per­so­nal­ge­win­nung.

Dem Prä­si­den­ten des Nie­der­säch­si­schen Städ­te- und Ge­mein­de­bun­des, Mar­co Trips, ge­hen die Plä­ne mit fle­xi­ble­ren Aus­bil­dungs­we­gen nicht weit ge­nug. Er for­der­te an­ge­sichts des leer­ge­feg­ten Fach­kräf­te­mark­tes ei­ne drei­jäh­ri­ge dua­le Aus­bil­dung für Er­zie­he­rin­nen und Er­zie­her. "Wei­te­re Qua­li­fi­ka­tio­nen las­sen sich dann über Fort­bil­dun­gen ver­mit­teln. Wir war­ten da drin­gend auf Un­ter­stüt­zung durch den Kul­tus­mi­nis­ter", sag­te Trips am Mitt­woch der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Seit­dem El­tern für Drei- bis Sechs­jäh­ri­ge kei­ne Ki­ta-Ge­büh­ren mehr zah­len müss­ten, ge­be es ei­ne noch grö­ße­re Nach­fra­ge nach Plät­zen. Im­mer mehr Klein­kin­der wer­den zu­dem ganz­tags be­treut.

Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat ei­ne ver­gü­te­te Aus­bil­dung zur "Fach­kraft für Kin­der­ta­ges­stät­ten" ein­ge­führt, ähn­lich wie es dem NSGB vor­schwebt. Nie­der­sach­sens Kul­tus­mi­nis­ter Ton­ne sieht dies kri­tisch, weil die­ser Ab­schluss an­ders als So­zi­al­as­sis­tent und Er­zie­her nicht bun­des­weit an­er­kannt sei. Den­noch sol­le in ei­nem Pi­lot­pro­jekt der dua­le Aus­bil­dungs­weg er­probt wer­den, kün­dig­te der SPD-Po­li­ti­ker an. Trä­ger der Re­gio­nal­ab­tei­lung Braun­schweig hät­ten ei­nen Schul­ver­such vor­be­rei­tet, der am 1. Au­gust star­ten wer­de.

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Letzte Überarbeitung: 27. Juni 2019

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