HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/009

Ford will tau­sen­de Jobs in Eu­ro­pa strei­chen

Die Ge­schäf­te des Au­to­bau­ers Ford lau­fen schlecht in Eu­ro­pa. Stel­len­strei­chun­gen sol­len den Kon­zern wie­der in die Ge­winn­zo­ne brin­gen
Autoproduktion in Fabrik

10.01.2019. (dpa/fle) - We­gen schlech­ter Ge­schäf­te in Eu­ro­pa stellt sich der Au­to­bau­er Ford neu auf und will da­bei Tau­sen­de Jobs strei­chen.

Von den rund 50.000 Ar­beits­plät­zen wer­de "ei­ne be­trächt­li­che An­zahl" weg­fal­len, sag­te Ford-Eu­ro­pa­chef Ste­ven Arm­strong am Don­ners­tag in Köln. In Deutsch­land ar­bei­ten für Ford cir­ca 24.000 Men­schen, der Groß­teil da­von in Köln.

Wie vie­le Ar­beits­kräf­te in der Dom­stadt weg­fal­len, woll­te der Ma­na­ger nicht sa­gen. Man füh­re noch Ge­sprä­che mit der Ar­beit­neh­mer­sei­te zu den ein­zel­nen Stand­or­ten, sag­te er. Bis spä­tes­tens Mit­te 2019 sol­len Ein­zel­hei­ten fest­ste­hen.

Be­reits En­de 2018 hat­te Ford die Schlie­ßung ei­nes klei­nen Ge­trie­be-Werks im fran­zö­si­schen Bor­deaux so­wie Ein­schnit­te für sein Werk im saar­län­di­schen Saar­louis an­ge­kün­digt (18/299 Ford plant Stel­len­ab­bau in Saar­louis). An dem zweit­größ­ten deut­schen Stand­ort Saar­louis wur­de jah­re­lang un­ter an­de­rem der Van C-Max ge­fer­tigt, die­se Pro­duk­ti­on wird im Au­gust 2019 ein­ge­stellt. Grund: ge­sun­ke­ne Nach­fra­ge nach den Vans. In dem Werk ar­bei­ten rund 6.000 Men­schen. Von drei Schich­ten soll ei­ne weg­fal­len. Ge­ne­rell will Ford Eu­ro­pa sein Pkw-An­ge­bot "straf­fen" und sein Ge­schäft mit Nutz­fahr­zeu­gen und Im­port­mo­del­len aus­bau­en.

Ob­gleich noch kei­ne kon­kre­te Zahl für Köln fest­steht, dürf­te es auch das Werk mit sei­nen der­zeit cir­ca 18.000 Mit­ar­bei­tern tref­fen. Denn Arm­strong stell­te klar: "Die Ein­schnit­te wer­den in al­len Ge­schäfts­be­rei­chen kom­men." Der Ab­bau sol­le so­zi­al­ver­träg­lich er­fol­gen, al­so zum Bei­spiel mit Al­ters­teil­zeit oder Ab­fin­dun­gen.

In Groß­bri­tan­ni­en sol­len zwei Stand­or­te zu­sam­men­ge­legt wer­den. Soll­ten die Fron­ten zwi­schen Lon­don und Brüs­sel ver­här­tet blei­ben, wür­den Ein­schnit­te des Au­to­bau­ers im Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich tie­fer aus­fal­len als bis­her an­ge­dacht. "Wenn wir das fal­sche Er­geb­nis be­kom­men und ei­nen har­ten Brex­it ha­ben, dann soll­te man er­war­ten, dass die Fol­gen deut­lich dra­ma­ti­scher wer­den als das, wor­über wir nun nach­den­ken", sag­te Arm­strong.

Ford hat in Eu­ro­pa seit lan­gem ei­nen schwe­ren Stand, die Toch­ter­fir­ma des US-Kon­zerns ist in den ro­ten Zah­len. Auch 2018 sei ein Ver­lust­jahr ge­we­sen, sag­te Arm­strong. Kon­kre­te Ge­schäfts­zah­len nann­te er nicht, be­ton­te aber: "Es ist wich­tig, dass wir 2019 we­sent­li­che Fort­schrit­te ma­chen." Ziel sei die Rück­kehr in die Ge­winn­zo­ne. Das Er­geb­nis vor Steu­ern und Zin­sen (Ebit) soll bei min­des­tens sechs Pro­zent vom Um­satz lie­gen - "das ist ein wett­be­werbs­fä­hi­ges Le­vel für ein Un­ter­neh­men un­se­rer Grö­ße in Eu­ro­pa", so Arm­strong.

War­um kommt Ford in Eu­ro­pa ein­fach nicht in die Gän­ge? Da ge­be es kei­nen ein­zel­nen Grund, sag­te Arm­strong. "Wenn man auf die ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te guckt, war Ford Eu­ro­pa nie nach­hal­tig pro­fi­ta­bel." Man kön­ne nur da in­ves­tie­ren, wo es sich auch loh­ne. Da­her sei die Um­struk­tu­rie­rung der Eu­ro­pa­prä­senz nun sehr wich­tig.

Der Au­to­mo­bi­l­ex­per­te Fer­di­nand Du­den­höf­fer von der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen ist be­sorgt. Die Ford-Plä­ne sei­en "sehr ernst­zu­neh­men". Mög­li­cher­wei­se wür­den die Ein­schnit­te viel tie­fer aus­fal­len als bis­her ge­dacht. "Ford hat ein struk­tu­rel­les Kos­ten­pro­blem, weil die Fahr­zeu­ge fast nur in Eu­ro­pa ver­kauft wer­den und nicht auf dem Welt­markt." Da­durch ha­ben sie ei­nen we­sent­li­chen Wett­be­werbs­nach­teil ge­gen­über der Kon­kur­renz. Das Pro­blem wä­re nur mit ei­nem Ver­kauf lös­bar oder wenn ein Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ge­fun­den wird. Ein Rück­zug aus Eu­ro­pa mit Kon­se­quen­zen auch für den Stand­ort Köln sei nicht aus­zu­schlie­ßen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. November 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de