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Ge­schlechts­rol­len bei Be­rufs­wahl im Wan­del

Jahr­zehn­te­lang wa­ren die Rol­len bei der Be­rufs­wahl ziem­lich klar ver­teilt. Das scheint sich zu än­dern - al­ler­dings lang­sam
Berufswahl, Berufsorientierung, Berufsberatung, Richtungswahl

13.08.2019. (dpa/fle) - Im­mer mehr Mäd­chen stre­ben be­stimm­te bei Jungs be­lieb­te Aus­bil­dungs­be­ru­fe an – und um­ge­kehrt.

Der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) hat am Diens­tag ei­ne Aus­wer­tung der ab­ge­schlos­se­nen Aus­bil­dungs­ver­trä­ge bei­der Ge­schlech­ter für die Jah­re 2016 bis 2018 vor­ge­legt.

Die Sta­tis­tik deu­tet dar­auf­hin, dass sich die klas­si­sche Rol­len­ver­tei­lung bei der Wahl des Aus­bil­dungs­be­rufs zu än­dern be­ginnt - al­ler­dings eher lang­sam. Die Zei­tun­gen der Fun­ke-Me­di­en­grup­pe hat­ten zu­erst dar­über be­rich­tet.

So wol­len Mäd­chen zum Bei­spiel im­mer öf­ter Fach­in­for­ma­ti­ke­rin wer­den. Zwi­schen 2016 und 2018 ist der Be­ruf in der Be­liebt­heits­lis­te bei den Mäd­chen von Platz 41 auf Platz 33 ge­klet­tert. Auch der wei­ter­hin un­an­ge­foch­te­ne Lieb­lings­job bei jun­gen Män­nern, Kraft­fahr­zeug­me­cha­tro­ni­ker (frü­her Kfz-Me­cha­ni­ker), ist bei den jun­gen Frau­en in der Be­liebt­heit ge­stie­gen und hat sich in der Rang­lis­te von Platz 43 auf Platz 36 vor­ge­scho­ben. Um­ge­kehr­te Bei­spie­le gibt es auch: Mehr Jun­gen ent­schei­den sich da­für, zahn­me­di­zi­ni­scher Fach­an­ge­stell­ter zu wer­den (von Rang 131 auf Rang 113) oder Fri­seur (von Rang 41 auf 35).

Aus Sicht des DIHK ist die­se Ent­wick­lung auch we­gen des Fach­kräf­te­man­gels wich­tig. Die Un­ter­neh­men könn­ten bei der Fach­kräf­te­si­che­rung auf sich wan­deln­de Rol­len­bil­der hof­fen, sag­te der stell­ver­tre­ten­de DIHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Achim Dercks. "Die Be­rufs­vor­stel­lun­gen von Ju­gend­li­chen än­dern sich zwar lang­sam, aber sie än­dern sich."

Ge­bremst wer­de die Ent­wick­lung aber da­durch, dass im­mer noch zu vie­le jun­ge Män­ner und Frau­en nur die Top 10 der Aus­bil­dungs­be­ru­fe ken­nen. "Da­bei kön­nen die jun­gen Leu­te zwi­schen Hun­der­ten von Aus­bil­dun­gen wäh­len", sag­te Dercks. Zu oft folg­ten Ju­gend­li­che je­doch Kli­schees und schränk­ten des­we­gen ih­re Be­rufs­wahl ein. In der Aus­wer­tung des Ver­bands sind mehr als 300 Be­ru­fe auf­ge­lis­tet, von man­chen dürf­ten die we­nigs­ten schon mal ge­hört ha­ben: Schiff­fahrts­kauf­mann/-frau zum Bei­spiel oder Geo­ma­ti­ker/-in und Süß­wa­ren­tech­no­lo­ge/-in.

Bei der Ver­än­de­rung von ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Vor­lie­ben für Stu­di­um und Be­ruf brau­che man ei­nen lan­gen Atem, sag­te ein Spre­cher des Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­ri­ums der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. "Das kli­schee­be­haf­te­te Ab­stem­peln von Be­ru­fen mit über­kom­me­nen Ge­schlechts­rol­len ist Den­ken von ges­tern. Das muss im­mer wei­ter ak­tiv ab­ge­baut wer­den." Der Spre­cher ver­wies auf die Initia­ti­ve "Kli­schee­frei", in der sich fast 200 Part­ner aus Bil­dung, Po­li­tik, Wirt­schaft und For­schung ge­mein­sam für ei­ne Be­rufs­wahl frei von Ge­schlechterkli­schees ein­setz­ten.

Die Be­trie­be müss­ten mehr tun, for­der­te die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des, El­ke Han­nack, am Diens­tag laut ei­ner Mit­tei­lung. "Da­mit jun­ge Men­schen ih­re in­di­vi­du­el­len Kom­pe­ten­zen oh­ne ein­engen­de Ge­schlech­ters­te­reo­ty­pe ent­fal­ten kön­nen, sind schu­li­sche und be­trieb­li­che An­ge­bo­te zur gen­der­sen­si­blen Be­rufs­ori­en­tie­rung ge­fragt, z.B. in Form von Schul­prak­ti­ka und Zu­kunfts­ta­gen wie dem Girls'Day und dem Boys'Day."

Als "groß­ar­tig" be­zeich­ne­te da­ge­gen die FDP-Bil­dungs­po­li­ti­ke­rin Kat­ja Su­ding die Ent­wick­lung hin zu mehr Durch­läs­sig­keit bei der Be­rufs­aus­bil­dung auf bei­den Sei­ten. "Das zeigt, dass die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on au­ßer­halb von Schub­la­den denkt und die Ju­gend­li­chen ihr Le­ben selbst­be­stimmt in die ei­ge­ne Hand neh­men", sag­te sie der dpa am Diens­tag.

Auch wenn sich die Rol­len­bil­der lang­sam zu än­dern schei­nen, ganz vor­ne auf der Be­liebt­heits­ska­la der Be­ru­fe ist die Ver­tei­lung im Mo­ment im­mer noch klas­sisch: Jun­ge Frau­en ha­ben 2018 am häu­figs­ten ei­ne Aus­bil­dung zur Bü­ro­kauf­frau, zur me­di­zi­ni­schen oder zahn­me­di­zi­ni­schen Fach­an­ge­stell­ten, zur Ein­zel­han­dels­kauf­frau oder Ver­käu­fe­rin be­gon­nen. Männ­li­che Azu­bis streb­ten in die Au­to­werk­stät­ten, woll­ten Elek­tro­ni­ker oder In­for­ma­ti­ker wer­den oder An­la­gen­me­cha­ni­ker für Sa­ni­tär-, Hei­zungs-, und Kli­ma­tech­nik.

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Letzte Überarbeitung: 19. August 2019

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