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Größ­ter Haus­halts­über­schuss seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung

Die Staats­ein­nah­men über­stei­gen im Jahr 2018 die Aus­ga­ben um 58 Mil­li­ar­den EUR - doch Stim­mung für die Fol­ge­jah­re ist ge­trübt
Hunderteuroscheine

22.02.2019. (dpa/fle) - Der deut­sche Staat hat trotz der Kon­junk­tur­ab­schwä­chung so viel Geld in der Kas­se wie nie zu­vor.

Bund, Län­der, Ge­mein­den und So­zi­al­ver­si­che­run­gen nah­men im ver­gan­ge­nen Jahr un­ter dem Strich 58 Mil­li­ar­den EUR mehr ein als sie aus­ga­ben, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Frei­tag in Wies­ba­den mit­teil­te.

Es war der höchs­te Über­schuss seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung. An­ge­sichts han­dels­po­li­ti­scher Stür­me und der Un­wäg­bar­kei­ten des Brex­its dürf­te die ex­port­ori­en­tier­te deut­sche Wirt­schaft Öko­no­men zu­fol­ge in die­sem Jahr aber wei­ter an Tem­po ver­lie­ren. Der Geld­re­gen für den Fis­kus könn­te nach­las­sen.

Der Staat pro­fi­tier­te im ver­gan­ge­nen Jahr von spru­deln­den Steu­ern und So­zi­al­bei­trä­gen, auch dank der his­to­risch gu­ten La­ge auf dem Ar­beits­markt. Hin­zu kam den An­ga­ben zu­fol­ge ein deut­lich ge­stie­ge­ner Bun­des­bank­ge­winn, der an den Fis­kus geht. Be­zo­gen auf die Wirt­schafts­leis­tung lag der Über­schuss bei 1,7 Pro­zent. In ei­ner ers­ten Schät­zung wa­ren die Sta­tis­ti­ker so­gar von ei­nem Plus von 59,2 Mil­li­ar­den EUR aus­ge­gan­gen.

Deutsch­land er­ziel­te das fünf­te Jahr in Fol­ge ei­nen Über­schuss und ist da­mit weit ent­fernt von der De­fi­zit-Gren­ze des Maas­tricht-Ver­tra­ges. Dar­in er­lau­ben sich die Eu­ro­pä­er höchs­tens ein Haus­halts­de­fi­zit von 3,0 Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung. Ein - wenn auch mi­ni­ma­les - Mi­nus hat­te Deutsch­land zu­letzt 2013 ver­bucht.

Auch die vor al­lem in Deutsch­land um­strit­te­ne ul­tra­lo­cke­re Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) sorgt für Ent­las­tung. We­gen der nied­ri­gen Zin­sen kann sich der Staat güns­ti­ger ver­schul­den. Die Zins­aus­ga­ben des Fis­kus san­ken nach An­ga­ben der Wies­ba­de­ner Be­hör­de im ver­gan­ge­nen Jahr um 8,5 Pro­zent.

Das höchs­te Plus wies mit 17,9 Mil­li­ar­den EUR der Bund auf. Auch So­zi­al­ver­si­che­run­gen, Kom­mu­nen und die Län­der er­ziel­ten je­weils zwei­stel­li­ge Mil­li­ar­den­über­schüs­se. We­gen der ab­flau­en­den Kon­junk­tur droht dem Bund al­ler­dings ein 25-Mil­li­ar­den-Loch im Haus­halt bis 2023. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um rech­net mit rund fünf Mil­li­ar­den EUR ge­rin­ge­ren Steu­er­ein­nah­men pro Jahr.

Eu­ro­pas größ­te Volks­wirt­schaft hat­te im zwei­ten Halb­jahr 2018 deut­lich an Tem­po ver­lo­ren. Nach­dem das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) im drit­ten Quar­tal um 0,2 Pro­zent zum Vor­quar­tal ge­schrumpft war, sta­gnier­te es zum Jah­res­en­de, wie die Wies­ba­de­ner Be­hör­de ei­ne ers­te Schät­zung be­stä­tig­te.

Der Au­ßen­han­del fiel zum Jah­res­en­de 2018 als Wachs­tums­mo­tor aus. Der Ex­port lei­det un­ter han­dels­po­li­ti­schen Stür­men und der Ab­küh­lung der Welt­kon­junk­tur. Hin­zu kom­men die Un­wäg­bar­kei­ten des Brex­its. Die Sor­gen in den Chef­eta­gen der deut­schen Wirt­schaft wach­sen. Im Fe­bru­ar ver­schlech­ter­te sich die Stim­mung den sechs­ten Mo­nat in Fol­ge. Das Ifo-Ge­schäfts­kli­ma sank auf den nied­rigs­ten Stand seit De­zem­ber 2014.

"Die Dro­hung der USA mit Straf­zöl­len auf un­ser wich­tigs­tes Ex­port­gut - Au­tos - schwebt kon­kre­ter denn je im Raum", er­läu­ter­te KfW-Chef­volks­wirt Jörg Zeu­ner. Zu­gleich ra­se der Han­dels­part­ner Groß­bri­tan­ni­en wei­ter un­ge­bremst auf die Brex­it-Klip­pe zu, und in der Welt­wirt­schaft lau­fe es nicht mehr so rich­tig rund.

Wachs­tums­im­pul­se ka­men im vier­ten Quar­tal aus dem In­land. Die Un­ter­neh­men in­ves­tier­ten mehr in Ma­schi­nen und an­de­re Aus­rüs­tun­gen (plus 0,7 Pro­zent) als im drit­ten Vier­tel­jahr. Der Bau­boom setz­te sich fort. Die Kon­sum­aus­ga­ben der Ver­brau­cher leg­ten leicht zu (plus 0,2 Pro­zent). Die Kon­sum­aus­ga­ben des Staa­tes, zu de­nen un­ter an­de­rem so­zia­le Sach­leis­tun­gen und Ge­häl­ter der Mit­ar­bei­ter zäh­len, stie­gen deut­lich (plus 1,6 Pro­zent).

Cars­ten Brze­ski, Chef­volks­wirt Deutsch­land der ING, sieht die deut­sche Wirt­schaft ins­ge­samt "in ei­nem bes­se­ren Zu­stand als ihr ak­tu­el­ler Ruf". Die zeit­wei­sen Pro­ble­me der Au­to­in­dus­trie bei der Um­stel­lung auf das Ab­gas­test­ver­fah­ren WLTP über­deck­ten die so­li­den Fun­da­men­tal­da­ten der Ge­samt­wirt­schaft. Die Au­to­bau­er hat­ten we­gen der Ein­füh­rung des neu­en Ver­fah­rens zeit­wei­se ih­re Pro­duk­ti­on dros­seln müs­sen. Das be­las­te­te die Kon­junk­tur vor al­lem im drit­ten Quar­tal.

Im Ge­samt­jahr 2018 wuchs die deut­sche Wirt­schaft um 1,5 Pro­zent. Das war deut­lich we­ni­ger als in den Boom­jah­ren 2016 und 2017 mit ei­nem Plus von je­weils 2,2 Pro­zent. Für die­ses Jahr er­war­tet die Bun­des­re­gie­rung ein Wirt­schafts­wachs­tum von 1,0 Pro­zent.

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Letzte Überarbeitung: 10. Mai 2019

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