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Gro­ßer Man­gel an Grund­schul­leh­rern

Der Ber­tels­mann-Stif­tung zu­fol­ge feh­len bis 2025 deut­lich mehr Grund­schul­leh­rer, als bis­lang er­war­tet wor­den ist
Lehrerin in einer Grundschulklasse mit Schülern, Schule

09.09.2019. (dpa/fle) - Die Zahl der nicht be­setz­ten Leh­rer­stel­len an den Grund­schu­len in den kom­men­den Jah­ren wird nach ei­ner Pro­gno­se der Ber­tels­mann-Stif­tung noch hö­her sein als bis­lang be­rech­net.

Bis zum Jahr 2025 wer­den dem­nach min­des­tens 26.300 Leh­rer für die­se Schul­form feh­len.

Da­mit sei die La­ge noch dra­ma­ti­scher, als von der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) er­war­tet, teil­te die Stif­tung am Mon­tag in Gü­ters­loh mit. Die KMK hat­te im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber ei­nen Man­gel von 15.300 Grund­schul­leh­rern im Jahr 2025 er­rech­net.

Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) sag­te den Zei­tun­gen der Fun­ke Me­di­en­grup­pe, die An­stren­gun­gen müss­ten ver­stärkt wer­den, mehr jun­ge Leu­te für den Leh­rer­be­ruf zu ge­win­nen. "Si­cher­lich müs­sen wir über­le­gen, wie wir un­se­re Pro­gnos­ein­stru­men­te wei­ter­ent­wi­ckeln, um recht­zei­tig ge­gen­steu­ern zu kön­nen." Es brau­che auch mehr Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten an den Hoch­schu­len. "Wir be­nö­ti­gen aber auch ei­ne mo­der­ne Leh­rer­bil­dung in all ih­ren Pha­sen und ei­ne Stei­ge­rung des ge­sell­schaft­li­chen An­se­hens die­ses wich­ti­gen Be­ru­fes."

Die Stu­die der Stif­tung be­zieht sich auf die Be­völ­ke­rungs­pro­gno­se des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts aus dem ver­gan­ge­nen Ju­ni. Sie geht für das Jahr 2025 von 3,254 Mil­lio­nen bis 3,323 Mil­lio­nen Kin­dern zwi­schen 6 und 10 Jah­ren aus. Die Ex­per­ten der Stu­die ori­en­tier­ten sich nach ei­ge­nen An­ga­ben an der fast nied­rigs­ten Va­ri­an­te - und ka­men da­bei be­reits auf ein Plus von 168.000 Kin­dern zur Zah­len­ba­sis der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz. Die Fol­ge: Für 2025 müss­ten noch mal 11.000 Leh­rer mehr ein­ge­stellt wer­den, als von der KMK er­mit­telt. So kom­me man auf die Zahl von 26.300 feh­len­den Grund­schul­leh­rern.

"Dass der Be­darf an Grund­schul­leh­rern grö­ßer ist als zu­nächst an­ge­nom­men, zei­gen auch un­se­re ak­tu­el­len Zah­len, dies ist al­so nichts Neu­es. Die Ber­tels­mann-Zah­len sind nun ein Jahr fri­scher als die KMK-Zah­len, aber die Sta­tis­tik-Kom­mis­si­on der KMK wird nächs­te Wo­che ak­tu­el­le Zah­len in ähn­li­cher Grö­ßen­ord­nung be­ra­ten", sag­te der KMK-Prä­si­dent und hes­si­sche Kul­tus­mi­nis­ter, Alex­an­der Lorz, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Die La­ge in den ein­zel­nen Län­dern stel­le sich nach wie vor aber sehr un­ter­schied­lich dar. "Es ist nicht so, dass in ganz Deutsch­land voll aus­ge­bil­de­te Lehr­kräf­te flä­chen­de­ckend zu tau­sen­den feh­len. Die Be­dar­fe un­ter­schei­den sich deut­lich zwi­schen den Schul­ar­ten und den Fä­chern", sag­te Lorz.

Die Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) for­der­te mit Blick auf die Stu­die er­neut, den Nu­me­rus clau­sus für das Lehr­amt an Grund­schu­len ab­zu­schaf­fen so­wie die Zahl der Stu­di­en- und Lehr­amts­an­wär­ter­plät­ze aus­zu­bau­en.

Die Ber­tels­mann-Stif­tung hat­te im Ja­nu­ar 2018 be­reits ei­ne Stu­die mit ähn­li­chen Zah­len ver­öf­fent­licht, die al­ler­dings auf ei­ner äl­te­ren Be­völ­ke­rungs­pro­gno­se auf­bau­te. Auch wenn die Grö­ßen­ord­nung von da­mals durch die neue Aus­wer­tung weit­ge­hend be­stä­tigt wer­de, sei man von der "Dy­na­mik doch über­rascht wor­den", sag­te Stu­di­en­au­tor Dirk Zorn. Die neue Stu­die sei "ein Weck­ruf", denn die Kin­der, die im Jahr 2025 in der Grund­schu­le ler­nen wer­den, sei­en schon al­le auf der Welt. Die Stif­tung plä­diert da­her für schnel­le Lö­sun­gen. So sol­le man zum Bei­spiel Quer­ein­stei­ger mit Fach­stu­di­um aber oh­ne Lehr­amts­ab­schluss ein­stel­len oder an­ge­hen­de Ru­he­ständ­ler er­mun­tern, län­ger zu un­ter­rich­ten.

Eben dies ge­sche­he be­reits in den Län­dern, sag­te Lorz. Zu­dem lie­fen ver­schie­de­ne Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der Zahl der Lehr­amts­stu­die­ren­den und der At­trak­ti­vi­tät des Be­rufs. Grund für den grö­ße­ren Be­darf an Grund­schul­leh­rern sei ne­ben stei­gen­den Ge­bur­ten­zah­len vor al­lem die Zu­wan­de­rung nach Deutsch­land. "Es muss auch be­rück­sich­tigt wer­den, dass die Aus­bil­dung zum Leh­rer fünf bis sie­ben Jah­re dau­ert. Wenn es al­so heu­te ei­nen Man­gel an Ma­the­ma­tik­leh­rern gibt, dau­ert es bis zu sie­ben Jah­ren bis zu­sätz­li­che neue Leh­rer nach­kom­men", so Lorz.

"Auf der Ebe­ne der Maß­nah­men ist in der Tat viel pas­siert. Hier könn­ten die Län­der sich im Rah­men der KMK al­ler­dings noch bes­ser zu ih­ren Er­fah­run­gen aus­tau­schen", sag­te Zorn. Die an­de­ren Län­der könn­ten zum Bei­spiel von den Er­fah­run­gen Ber­lins und Sach­sens bei der Qua­li­fi­ka­ti­on von Quer­ein­stei­gern pro­fi­tie­ren. Er reg­te zu­dem, an Da­ten für Bil­dungs­pla­ner re­gel­mä­ßig zu ver­öf­fent­li­chen. "Wer jetzt Ab­itur macht und über­legt Leh­rer zu wer­den, will doch wis­sen, wie die La­ge in sechs oder sie­ben Jah­ren auf dem Ar­beits­markt ist."

Und bei al­len Maß­nah­men sto­ßen die Län­dern an ih­re Gren­zen: So ver­mel­de­te et­wa Nord­rhein-West­fa­len zum Schul­jah­res­start 2019/2020, dass nur 57,8 Pro­zent der fast 10.000 im Som­mer aus­ge­schrie­be­nen Stel­len be­setzt wer­den konn­ten. Vor ei­nem Jahr lag die Be­set­zungs­quo­te noch bei 61,6 Pro­zent.

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Letzte Überarbeitung: 9. September 2019

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