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ARBEITSRECHT AKTUELL // 20/030

Hand­werk be­klagt den Bü­ro­kra­tie­auf­wand

Der Hand­werks­ver­band kri­ti­siert, dass Hand­werks­be­trie­be in dem Meer an bü­ro­kra­ti­schen Vor­schrif­ten er­tränkt wer­den
Tischer Handwerk, Schreiner Werkzeug

12.02.2020. (dpa/fle) - Das Hand­werk dringt bei der Bun­des­re­gie­rung ve­he­ment auf we­ni­ger Bü­ro­kra­tie in den Be­trie­ben.

Da­mit könn­ten auch War­te­zei­ten für die Kund­schaft sin­ken.

"Stän­dig neue Pflich­ten und An­for­de­run­gen ma­chen dem Hand­werk das Le­ben schwer", sag­te Hand­werks­prä­si­dent Hans Pe­ter Woll­sei­fer der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. "Im­mer mehr Zeit ver­brin­gen Hand­wer­ke­rin­nen und Hand­wer­ker am Schreib­tisch, statt in der Werk­statt oder beim Kun­den zu sein. Nicht zu­letzt liegt in die­sen bü­ro­kra­ti­schen Bür­den ein Grund für lan­ge War­te­zei­ten." Hand­wer­ker hät­ten ih­ren Be­ruf nicht ge­lernt, um als "Buch­hal­ter" zu en­den. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um be­grüß­te Vor­schlä­ge des Hand­werks für we­ni­ger Bü­ro­kra­tie.

Kun­den war­ten oft Wo­chen, bis ein Hand­wer­ker zu ih­nen kommt. Dies liegt aber auch am Fach­kräf­te­man­gel in be­stimm­ten Be­ru­fen. Das Hand­werk macht gu­te Ge­schäf­te, vie­le Be­trie­be su­chen nach Mit­ar­bei­tern und kön­nen nach Bran­chen­aus­sa­gen nicht al­le Auf­trä­ge an­neh­men. Woll­sei­fer hat­te der dpa vor ein paar Wo­chen ge­sagt: "Lei­der kann ich bei den War­te­zei­ten auf ei­nen Hand­wer­ker noch kei­ne Ent­war­nung ge­ben, die wer­den mit­tel­fris­tig erst ein­mal nicht ge­rin­ger." Es kä­men nicht ge­nü­gend Hand­wer­ker nach.

Der Zen­tral­ver­band des Deut­schen Hand­werk (ZDH) hat nun ei­nen um­fas­sen­den Ka­ta­log zum Ab­bau von Bü­ro­kra­tie in den Un­ter­neh­men er­ar­bei­tet - er wur­de am Mitt­woch an den Staats­mi­nis­ter im Kanz­ler­amt, Hen­drik Hop­pen­stedt, über­reicht.

Der Ver­band lis­te­te mehr als 50 Vor­schlä­ge auf. Die sol­len vor al­lem klei­ne Be­trie­be zu ent­las­ten. Kon­kret schlägt der Ver­band zum Bei­spiel Aus­nah­men von der Bon­pflicht vor, au­ßer­dem soll­ten Do­ku­men­ta­ti­ons­pflich­ten beim Min­dest­lohn ver­rin­gert wer­den. Das Hand­werk will zu­dem Er­leich­te­run­gen bei Aus­schrei­bun­gen und beim Da­ten­schutz so­wie län­ge­re Eich­fris­ten.

Hand­werks­be­trie­be bräuch­ten da­ne­ben zeit­li­che Frei­räu­me, in de­nen sie nicht ad hoc auf ge­setz­li­che Än­de­run­gen re­agie­ren müss­ten. So soll­ten Ge­set­ze ein­heit­lich an ei­nem von zwei Stich­ta­gen im Jahr, et­wa am 1. Ja­nu­ar und 1. Au­gust, in Kraft tre­ten. Wei­ter heißt es, neue Vor­schrif­ten über­for­der­ten die Be­trie­be häu­fig bei der Um­set­zung oder sei­en zu un­fle­xi­bel ge­stal­tet, um un­kom­pli­ziert an­ge­wen­det zu wer­den.

Woll­sei­fer sag­te, die bü­ro­kra­ti­schen Vor­ga­ben, Re­ge­lun­gen und Pflich­ten hät­ten ein "völ­lig über­trie­be­nes Aus­maß" an­ge­nom­men. "Über­bor­den­de Bü­ro­kra­tie er­weist sich im­mer häu­fi­ger als - um es ru­hig dras­tisch zu for­mu­lie­ren - Be­triebs­kil­ler. Wenn die Be­las­tun­gen durch Bü­ro­kra­tie nicht deut­lich zu­rück­ge­fah­ren wer­den, wer­den wir ge­ra­de im Be­reich klei­ner und mitt­le­rer Un­ter­neh­men künf­tig er­heb­li­che Ver­lus­te ha­ben." Die bü­ro­kra­ti­sche Be­las­tung schre­cke auch vie­le jun­ge Hand­wer­ker ab, sich selbst­stän­dig zu ma­chen.

Es sei ei­ne der drän­gends­ten Auf­ga­ben der Po­li­tik, Be­las­tun­gen spür­bar ab­zu­bau­en. "Das, was bis­lang beim Bü­ro­kra­tie­ab­bau ge­macht wur­de, kommt in der Pra­xis nicht an." Woll­sei­fer mach­te deut­lich, bis­he­ri­ge Maß­nah­men reich­ten nicht aus.

Ei­ne Spre­che­rin von Wirt­schafts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU) sag­te, der ZDH ren­ne beim Mi­nis­te­ri­um "of­fe­ne Tü­ren" ein: "Auch für uns ist der Ab­bau von Bü­ro­kra­tie vor al­lem für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men ein wich­ti­ges An­lie­gen und prä­gen­der Be­stand­teil un­se­rer Mit­tel­stands­stra­te­gie." Die Re­gie­rung ha­be im ver­gan­ge­nen Jahr ein Ge­setz zur Bü­ro­kra­tie­ent­las­tungs­ge­setz ver­ab­schie­det. "Wir blei­ben hier aber nicht ste­hen, son­dern wer­den wei­ter in­ten­siv dar­an ar­bei­ten, die Un­ter­neh­men von bü­ro­kra­ti­schen Las­ten zu be­frei­en."

Bun­des­tag so­wie Bun­des­rat hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr ein Pa­ket für we­ni­ger Bü­ro­kra­tie be­schlos­sen. Die­ses sah et­wa vor, dass die Krank­mel­dung auf Pa­pier durch ei­ne di­gi­ta­le Be­schei­ni­gung für den Ar­beit­ge­ber er­setzt wird. Bei Ho­tel­über­nach­tun­gen müs­sen Gäs­te künf­tig kei­ne Mel­de­schei­ne mehr auf Pa­pier aus­fül­len. Zu­vor hat­te be­reits der Bun­des­tag die Maß­nah­men ver­ab­schie­det. Ins­ge­samt ging es um Ent­las­tun­gen von 1,1 Mil­li­ar­den EUR.

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Letzte Überarbeitung: 12. Februar 2020

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