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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/056

His­to­risch nied­ri­ge Fe­bru­ar-Ar­beits­lo­sig­keit 2019

Der Ar­beits­markt pro­fi­tiert vom mil­den Win­ter und kann sich im Ver­gleich zum Ja­nu­ar wei­ter ver­bes­sern
Stellenanzeige in der Zeitung, Stellenmarkt, Arbeitsmarkt

01.03.2019. (dpa/fle) - Trotz schwä­cheln­der Kon­junk­tur ist die Zahl der Ar­beits­lo­sen im Fe­bru­ar stär­ker ge­sun­ken als in den Vor­jah­ren.

Mit 2,373 Mil­lio­nen Men­schen oh­ne Job rutsch­te die Ar­beits­lo­sig­keit auf den nied­rigs­ten Stand seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung, wie die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) am Frei­tag mit­teil­te.

Das sind 33.000 Job­su­cher we­ni­ger als im Ja­nu­ar und 173.000 we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te hielt sich bei 5,3 Pro­zent.

Blickt man auf die ver­gan­ge­nen drei Jah­re, ist die Fe­bru­ar-Ar­beits­lo­sen­zahl im Schnitt um 16.000 ge­sun­ken. Im Jahr 2014 ging sie das letz­te Mal nach oben - da­mals um 2.000. Ei­ne ein­deu­ti­ge Er­klä­rung für die bes­se­re Ent­wick­lung in die­sem Jahr gibt es laut BA-Chef Det­lef Schee­le nicht. "Da kommt re­la­tiv viel zu­sam­men", sag­te er. "Es liegt an der Wit­te­rung, der gu­ten La­ge am Ar­beits­markt - wir sind auch schon gut ins Jahr ge­star­tet." Und auch für die kom­men­den Mo­na­te zeig­te sich der BA-Chef zu­ver­sicht­lich.

Nicht ganz so ro­sig sieht die La­ge am Ar­beits­markt aus, wenn man die Men­schen in Un­ter­be­schäf­ti­gung hin­zu­zählt. Rech­net man je­ne Job­su­cher mit ein, die der­zeit Aus- und Fort­bil­dun­gen oder För­der­kur­se ab­sol­vie­ren, gab es im Fe­bru­ar mit 3,314 Mil­lio­nen rund 941.000 Ar­beits­lo­se mehr. Sai­son­be­rei­nigt ist aber auch die­se Zahl rück­läu­fig - sie ging um 199.000 im Ver­gleich zum Vor­jahr zu­rück.

Gleich­zei­tig wa­ren bei der Bun­des­agen­tur et­wa 784.000 of­fe­ne Stel­len ge­mel­det - mit 20.000 mehr als im Vor­jahr ein neu­es Fe­bru­ar-Hoch. Die Zahl der zu be­set­zen­den Jobs nann­te die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de ein Alarm­si­gnal für Deutsch­land als Wirt­schafts­stand­ort. "Der Fach­kräf­te­man­gel ent­wi­ckelt sich zu ei­ner Wachs­tums­brem­se", er­klär­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Stef­fen Kam­pe­ter.

Schee­le hielt da­ge­gen: "Wir ha­ben Bran­chen, in de­nen ist die Fra­ge des Ar­beits­kräf­te­zu­gangs sehr schwie­rig", räum­te er zwar ein. Als Wachs­tums­brem­se woll­te er die feh­len­den Fach­kräf­te aber nicht be­zeich­nen. Auch das In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) sieht kein flä­chen­de­cken­des Phä­no­men.

In man­chen Re­gio­nen und in man­chen Be­ru­fen wer­de es eng, so IAB-For­scher En­zo We­ber. Künf­tig wer­de es aber mehr denn je nicht nur auf die Quan­ti­tät, son­dern auf die Qua­li­tät der Ar­beits­kräf­te an­kom­men. Denn der de­mo­gra­fi­sche Wan­del wer­de das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al im Land ab den 2020er Jah­ren deut­lich min­dern, ist sich der Lei­ter des IAB-For­schungs­be­reichs "Pro­gno­sen und ge­samt­wirt­schaft­li­che Ana­ly­sen" si­cher. Wich­tig sei es, sich dar­auf et­wa mit In­ves­ti­tio­nen in Wei­ter­bil­dung vor­zu­be­rei­ten und Män­ner und Frau­en für die künf­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen am Ar­beits­platz fit zu ma­chen.

Schee­le be­ton­te, dass es beim Kampf ge­gen Fach­kräf­te­man­gel kei­nen Kö­nigs­weg ge­be. Es sei wich­tig beim Über­gang von Schu­le zu Be­ruf nie­man­den zu ver­lie­ren und et­wa auch Frau­en aus der Teil­zeit in die Voll­zeit zu brin­gen, da­mit das in­län­di­sche Er­werbs­per­so­nen­po­ten­zi­al bes­ser ge­nutzt wer­de. Gleich­zei­tig sei es auch wich­tig, Fach­kräf­te aus dem Aus­land nach Deutsch­land zu ho­len. "Man muss al­le die­se We­ge ge­mein­schaft­lich be­spie­len - aber es ist am­bi­tio­niert."

Ei­ner neu­en Stu­die des Bas­ler Pro­gnos-In­sti­tuts zu­fol­ge wird sich der Ar­beits­kräf­te­man­gel in Deutsch­land bis 2025 dras­tisch ver­schär­fen. Bis Mit­te des kom­men­den Jahr­zehnts wer­den dem­nach 2,9 Mil­lio­nen Fach­kräf­te feh­len, schät­zen die Schwei­zer Gut­ach­ter in ih­rer Un­ter­su­chung für den baye­ri­schen Ar­beit­ge­ber­ver­band vbw. Kon­ti­nu­ier­lich wach­sen­den Ar­beits­kräf­te­be­darf er­war­ten die Gut­ach­ter un­ter an­de­rem in der IT-Bran­che, Elek­tro­nik und im So­zi­al- und Ge­sund­heits­we­sen - in letz­te­ren bei­den Bran­chen könn­ten laut der Stu­die 2025 be­reits 210.000 Mit­ar­bei­ter zu­sätz­lich ge­braucht wer­den.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil (SPD) zeig­te sich op­ti­mis­tisch: "Mit dem Qua­li­fi­zie­rungs­chan­cen­ge­setz und dem Fach­kräf­te­ein­wan­de­rungs­ge­setz ha­ben wir die pas­sen­den Ant­wor­ten auf den Weg ge­bracht", teil­te er in Ber­lin mit. Zu­gleich lob­te er die gu­te Be­schäf­ti­gungs­la­ge im Land. Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen lag nach ak­tu­el­len Da­ten des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes im Ja­nu­ar bei 44,79 Mil­lio­nen - das ist ein Plus von 79.000 im Ver­gleich zum Vor­mo­nat, zum Vor­jahr wa­ren es 477.000 Er­werbs­tä­ti­ge mehr.

Re­gu­lär - al­so mit So­zi­al­ver­si­che­rungs­pflicht - be­schäf­tigt wa­ren im De­zem­ber nach BA-Hoch­rech­nun­gen sai­son­be­rei­nigt 33,32 Mil­lio­nen Män­ner und Frau­en. Das sind 76.000 mehr als im No­vem­ber und 708.000 mehr als ein Jahr zu­vor.

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Letzte Überarbeitung: 13. November 2019

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