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Arbeitsrecht aktuell: 11/171 LAG Berlin: Betriebsratswahl bei GlobeGround in Berlin unwirksam
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Wahlanfechtung der Betriebsratswahl bei GlobeGround auch in zweiter Instanz vor dem LAG Berlin erfolgreich
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11
von Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Fachanwalt für Arbeitsrecht, Berlin
Hensche Rechtsanwälte, Kanzlei Berlin
02.09.2011. Der Betriebsrat ist die von den Arbeitnehmern eines Betriebs gewählte Interessenvertretung auf der Grundlage des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG). Der Betriebsrat besteht nur in kleinen Betrieben aus einer Person. Bei mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern besteht er schon aus drei Personen, den Betriebsratsmitgliedern. Je größer der Betrieb, desto mehr Mitglieder hat der Betriebsrat.
Der Betriebsrat bzw. seine Mitglieder werden für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Dabei gelten ähnliche Wahlgrundsätze wie bei politischen Wahlen. So schreibt § 14 Abs.1 BetrVG z.B. vor, dass der Betriebsrat in geheimer und unmittelbarer Wahl gewählt wird. Weitere Vorschriften zur Betriebsratswahl sind in der Ersten Verordnung zur Durchführung des BetrVG (Wahlordnung - WO) festgelegt. Verstößt eine Betriebsratswahl gegen „wesentliche“ Vorschriften über das Wahlverfahren und kann dadurch das Wahlergebnis beeinflusst werden, so kann die Betriebsratswahl angefochten werden.
GlobeGround ist als Dienstleister auf den Berliner Flughäfen tätig und beschäftigt dort ungefähr 1.650 Arbeitnehmer, davon etwa zwei Drittel am Flughafen Berlin-Tegel und ein Drittel am Flughafen Berlin-Schönefeld. Die Wahl des Betriebsrats im April 2010 wurde von 22 Arbeitnehmern gerichtlich angefochten.
Wie bereits in der ersten Instanz das Arbeitsgericht Berlin, so hat nunmehr auch das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg hat die Wahl für unwirksam erklärt (Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 25.08.2011, 25 TaBV 529/11). Denn der Wahlvorstand hat bei der Durchführung der Wahl gegen wesentliche Vorschriften über das Wahlverfahren verstoßen, und dadurch konnte das Wahlergebnis beeinflusst werden.
So hatte der Wahlvorstand bei der Stimmabgabe keine Wahlumschläge ausgehändigt, so dass die Arbeitnehmer keine Möglichkeit hatten, ihren Stimmzettel im Rahmen einer geheimen abzugeben. Dieser Verfahrensfehler konnte das Wahlergebnis beeinflussen, da nur eine kleine Minderheit von 128 Arbeitnehmern ihre Stimme per Briefwahl abgab (von insgesamt 912 Arbeitnehmern, die sich an der Betriebsratswahl beteiligten). Außerdem waren die Kandidaten auf den Stimmzetteln in anderer Reihenfolge wiedergegeben worden als auf der ursprünglichen Vorschlagsliste.
Da das LAG Berlin-Brandenburg die Rechtsbeschwerde zum Bundesarbeitsgericht (BAG) nicht zugelassen hat, wird die Entscheidung voraussichtlich spätestens innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate rechtskräftig werden. Denn nach Zustellung der (derzeit noch nicht vorliegenden) Entscheidungsgründe an die Prozessbeteiligten kann der momentan noch amtierende Betriebsrat Nichtzulassungsbeschwerde beim BAG einlegen. Diese Beschwerde hat allerdings kaum Aussicht auf Erfolg und dürfte daher voraussichtlich etwa binnen eines halben Jahres nach Einlegung vom BAG abgewiesen werden. Spätestens dann, d.h. im Sommer 2012, enden sämtliche Befugnisse des jetzt noch amtierenden Betriebsrats und es ist ein neuer Betriebsrat zu wählen.
Hintergrund der Wahlanfechtung bei GlobeGround waren nicht nur die massiven Verfahrensfehler, sondern auch die Verärgerung der am Standort Berlin-Schönefeld beschäftigten Arbeitnehmer, die sich im Betriebsrat nicht vertreten sahen: Alle 17 Mitglieder des Betriebsrats, dessen Wahl jetzt erfolgreich angefochten werden konnte, arbeiten am Standort Berlin-Tegel, d.h. kein einziges Betriebsratsmitglied ist am Standort Berlin-Schönefeld beschäftigt. Diese Unterrepräsentation der „Schönefelder“ im Betriebsrat spielte allerdings bei der gerichtlichen Wahlanfechtung juristisch keine Rolle.
Nähere Informationen finden Sie hier:
Hinweis: In der Zwischenzeit, d.h. nach Erstellung dieses Artikels, hat das Gericht seine Entscheidungsgründe schriftlich abgefasst und veröffentlicht. Die Entscheidungsgründe im Volltext finden Sie hier:
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Letzte Überarbeitung: 17. Februar 2012
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Arbeitsrecht aktuell: |
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Hamburg, 24.05.2012 Fristlose Kündigung:
Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 23.05.2012, 2 Ca 2565/11
Frankfurt, 23.05.2012 TVöD-Mehrurlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 22.05.2012, 9 AZR 575/10
Berlin, 22.05.2012 Konkurrentenklage:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2383/11
Berlin, 19.05.2012 Teilzeitanspruch:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 14.03.2012, 15 SaGa 2286/11
Berlin, 17.05.2012 Outsourcing:
Bundesarbeitsgericht, Urteile vom 16.05.2012, 4 AZR 320/10 und 321/10
Berlin, 17.05.2012 Öffentlicher Dienst:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.05.2012, 10 AZR 202/11
München, 16.05.2012 Altersversorgung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15.05.2012, 3 AZR 128/11
Hannover, 15.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012, 5 Sa 1370/11
Frankfurt, 14.05.2012 Leiharbeit:
Hessisches Landessozialgericht, Beschluss vom 23.04.2012, L 1 KR 95/12 B ER
Berlin, 12.05.2012 Betriebsübergang:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 10.05.2012, 8 AZR 639/10
Köln, 09.05.2012 Whistleblowing:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 02.02.2012, 6 Sa 304/11
Köln, 08.05.2012 Lohnrückzahlung:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 12.10.2011, 9 Sa 156/11
München, 07.05.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 13.10.2011, 3 Sa 1187/10
Frankfurt, 04.05.2012 Urlaub und Krankheit:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 03.05.2012, Rs. C-337/10 - Neidel
Köln, 03.05.2012 Korruption:
Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 23.01.2012, 5 Sa 371/11
Köln, 02.05.2012 Kündigung und Krankheit:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 08.12.2011, 3 Ca 936/11
Köln, 30.04.2012 Fristlose Kündigung:
Landesarbeitsgericht Köln, Beschluss vom 27.07.2011, 9 TaBVGa 2/11
Frankfurt, 25.04.2012 Urlaubsabgeltung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 13.12.2011, 9 AZR 399/10
Köln, 24.04.2012 Diskriminierungsschutz:
Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.04.2012, II ZR 163/10
Frankfurt, 23.04.2012 Fristlose Kündigung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.04.2012, 2 AZR 258/11
Hamburg, 20.04.2012 Lohnuntergrenzen:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 18.04.2012, 4 AZR 139/10, Beschluss vom 18.04.2012, 4 AZR 168/10
Hamburg, 20.04.2012 Diskriminierung:
Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 19.04.2012, C-415/10 (Meister)
Hannover, 18.04.2012 Gleichbehandlung:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 17.04.2012, 3 AZR 280/10
Hamburg, 13.04.2012 Kündigungsschutzklage:
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 27.09.2011, 1 Sa 538 e/10
Stuttgart, 12.04.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.11.2011, 10 Sa 329/11
Köln, 28.03.2012 Ermahnung:
Arbeitsgericht Trier, Urteil vom 20.12.2011, 3 Ca 1013/11
Frankfurt, 26.03.2012 Mitarbeitergespräche:
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 06.02.2012, 16 Sa 1134/11
Berlin, 22.03.2012 Massenentlassungsanzeige
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.03.2012, 6 AZR 596/10
Berlin, 21.03.2012 Gleicher Urlaub:
Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.03.2012, 9 AZR 529/10
Berlin, 18.03.2012 Änderungskündigung:
Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, Urteil vom 19.12.2011, 15 Sa 1264/11, 15 Sa 1461/11
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