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18/276a Ta­rif­op­ti­on zur Ar­beits­zeit­ver­kür­zung ist be­liebt

Mehr Geld oder mehr Frei­zeit? Vom Me­tall-Ta­rif­ver­trag vor die­se Wahl ge­stellt ent­schei­den sich vie­le für mehr Frei­zeit
Wahlvorstand organisiert Betriebsratswahl, Gruppe von Menschen im Büro

13.11.2018. (dpa/fle) - Acht freie Ta­ge statt mehr Lohn - die­se Op­ti­on ist für Zehn­tau­sen­de Be­schäf­tig­te der deut­schen Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie of­fen­bar at­trak­tiv.

Nach An­ga­ben der IG Me­tall ha­ben be­reits rund 190.000 Ar­beit­neh­mer in ih­ren Be­trie­ben für 2019 ei­ne ent­spre­chen­de Frei­stel­lung be­an­tragt, die beim jüngs­ten Ta­rif­ab­schluss der deut­schen Schlüs­sel­in­dus­trie für be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen ver­ab­re­det wor­den ist.

"Wir konn­ten uns kaum ret­ten vor An­trä­gen", er­zählt Be­triebs­rä­tin Nek­ta­ria Chris­ti­dou vom Stutt­gar­ter Au­to­zu­lie­fe­rer Mah­le Behr.

Mit ei­ner Zu­stim­mungs­quo­te zwi­schen 70 und 80 Pro­zent sei die Ar­beits­zeit­ver­kür­zung vor al­lem bei Schicht­ar­bei­tern be­liebt, die rund 140.000 An­trag­stel­ler aus­ma­chen, be­rich­te­te die Ge­werk­schaft am Mon­tag in Frank­furt. Auch rund 50.000 El­tern jun­ger Kin­der und Be­schäf­tig­te, die zu­hau­se An­ge­hö­ri­ge pfle­gen, wähl­ten die Frei­zeit­op­ti­on. Sie ver­zich­ten im Ge­gen­zug auf ein hö­he­res Ge­halt, das ne­ben den nor­ma­len Ta­rif­er­hö­hun­gen in Form ei­ner Son­der­zah­lung im kom­men­den Jahr fäl­lig wür­de. Bei die­sen Grup­pen ist al­ler­dings die Ge­samt­zahl der An­spruchs­be­rech­tig­ten un­klar. Ins­ge­samt sind in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie rund 3,9 Mil­lio­nen Men­schen be­schäf­tigt.

Der Ers­te Vor­sit­zen­de der IG Me­tall, Jörg Hof­mann, sprach von ei­ner "enor­men Re­so­nanz" auf die neue Ta­rif­re­ge­lung, die nun kon­kret um­ge­setzt wer­den müs­se. "Wir ha­ben den Nerv der Zeit ge­trof­fen", er­klär­te er. Das Bild sei noch nicht voll­stän­dig, er­läu­ter­te die Ge­werk­schaft. Es sei erst rund die Hälf­te der 2.800 ta­rif­ge­bun­de­nen Be­trie­be ab­ge­fragt wor­den, wo­bei dem Ver­neh­men nach so­wohl klei­ne als auch ganz gro­ße Un­ter­neh­men wie z.B. Bosch und Au­di noch fehl­ten.

Die Ar­beit­ge­ber­sei­te be­stä­tig­te das In­ter­es­se an den kür­ze­ren Ar­beits­zei­ten. Der Ver­band Ge­samt­me­tall mahn­te aber, dass das ent­fal­len­de Ar­beits­vo­lu­men we­gen des Fach­kräf­te­man­gels und der gu­ten Auf­trags­la­ge im Be­trieb aus­ge­gli­chen wer­den müs­se. "Des­halb be­mü­hen sich die Be­triebs­par­tei­en, Lö­sun­gen zu fin­den, ob und wie man die Frei­stel­lungs­ta­ge und de­ren Aus­gleich or­ga­ni­sie­ren kann. Der Ar­beit­ge­ber hat aber nach dem neu­en Ta­rif­ver­trag das Recht, An­trä­ge schlicht ab­zu­leh­nen, wenn kei­ne Kol­le­gin oder kein Kol­le­ge län­ger ar­bei­ten will", er­klär­te ein Ge­samt­me­tall-Spre­cher.

Meist ober­halb der Fach­ar­bei­ter-Ebe­ne spielt sich das eben­falls ta­rif­lich ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit­mo­dell der "kur­zen Voll­zeit" ab, be­rich­te­te der IGM-Ta­rif­ex­per­te Ste­fan Schaum­burg. Hier kön­nen Be­schäf­tig­te ih­re Wo­chen­ar­beits­zeit für bis zu zwei Jah­re auf 28 St­un­den ab­sen­ken, er­hal­ten da­für aber kei­nen Lohn­aus­gleich. Für die­ses Mo­dell ha­ben sich bis­lang 8.000 Ar­beit­neh­mer ent­schie­den.

Laut IG Me­tall gibt es in vie­len Be­trie­ben ein­ver­nehm­li­che Ab­wei­chun­gen vom ta­rif­li­chen Mo­dell. So öff­ne­ten ein­zel­ne Un­ter­neh­men die Frei­zeit­op­tio­nen für sämt­li­che Mit­ar­bei­ter ein­schließ­lich der Teil­zeit­kräf­te. Be­schäf­tig­te, die nicht zu den be­son­ders be­las­te­ten Per­so­nen­grup­pen ge­hö­ren, be­kom­men aber nur sechs freie Ta­ge, wenn sie auf das ta­rif­li­che Zu­satz­geld ver­zich­ten.

Es ge­be zu­dem Be­trie­be wie Opel, die we­gen feh­len­der Aus­las­tung sämt­li­che Be­schäf­tig­ten nach Hau­se schick­ten, an­statt das ta­rif­li­che Zu­satz­geld zu zah­len, be­rich­te­te Hof­mann. Die­se Ab­wei­chung vom Ta­rif­ver­trag sei mit der Ge­werk­schaft ver­ein­bart. Ähn­li­che Über­le­gun­gen soll es bei Ford und der kri­seln­den Kraft­werks­spar­te von Sie­mens ge­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 25. November 2018

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