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Der rich­ti­ge Um­gang mit in­ne­rer Kri­tik

Schluss mit Selbst­kri­tik: Selbst­zwei­fel in den Griff be­kom­men
Stoppschild auf Boden

27.02.2012 (dpa/tmn) – Sie ist ein Mie­se­pe­ter, Be­den­ken­trä­ger, Bes­ser­wis­ser und ewi­ger Kri­ti­ker.

Bei man­chen regt sie sich nur ab und zu, an­de­re be­glei­te­te sie mit dik­ta­to­ri­scher Hart­nä­ckig­keit: Die in­ne­re Stim­me – nicht zu ver­wech­seln mit dem Bauch­ge­fühl oder der meist ganz ge­sun­den Selbst­kri­tik. Denn der in­ne­re Nörg­ler ist un­dif­fe­ren­ziert, ent­mu­ti­gend und vor al­lem mä­ke­lig - und er ist lei­der auch ein Teil von uns.

Der macht uns ins­be­son­de­re in der Ar­beits­welt das Le­ben schwer. Doch mit ein biss­chen An­stren­gung lässt sich ganz gut da­mit le­ben.

"Die­ser in­ne­re Kri­ti­ker ge­hört zu un­se­rer Per­sön­lich­keit, hat die Psy­che ei­nes klei­nen Kin­des, das gro­ße Ängs­te hat und schon sehr früh in un­se­rem Le­ben ent­stan­den ist", sagt der Ham­bur­ger Psy­cho­lo­ge und Coach Tom Dies­brock. Die­se Stim­me ist nicht kon­struk­tiv, son­dern scheut das Ri­si­ko. Sie sieht uns im­mer im schlech­tes­ten Licht. Und sie ach­tet in ers­ter Li­nie auf die an­de­ren, was sie sa­gen, mei­nen und den­ken könn­ten. "Die­se In­stanz ist durch Er­fah­rung und So­zia­li­sie­rung ent­stan­den", er­klärt Dies­brock. Bei dem ei­nen stär­ker als bei dem an­de­ren.

Ty­pi­sche Sät­ze des Nörg­lers sind: "Das schaffst Du nicht. Das kannst Du nicht. Das macht man nicht." Und wenn et­was schief geht: "Das hab' ich Dir doch gleich ge­sagt." "Na­tür­lich kann an die­sen Zwei­feln et­was dran sein", gibt die Ham­bur­ger Psy­cho­lo­gin und Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin Sven­ja Ho­fert zu be­den­ken. Doch rei­che es nicht, blind auf die­se Stim­me zu hö­ren. Viel­mehr müs­se man sich über­le­gen, was tat­säch­lich dran ist an der Kri­tik und an den Be­den­ken. "Dann kann so ein in­ne­rer Kri­ti­ker so­gar als Kor­rek­tiv agie­ren", sagt sie. Vor­aus­ge­setzt, die in­ne­re Stim­me ge­winnt nicht die Über­hand.

Um zu ler­nen, mit die­sem Teil von uns aus­zu­kom­men, hat Tom Dies­brock ihm ei­nen Na­men ge­ge­ben: Her­mann. "Da­mit gibt man der Stim­me ein Ge­sicht und kann sie als Spar­ring­part­ner se­hen. Wich­tig ist da­bei, dass wir das Zep­ter in der Hand hal­ten - und nicht Her­mann", er­klärt er. Ernst muss man sei­nen Her­mann den­noch neh­men. Denn er ist nicht zu un­ter­schät­zen.

"Man kann ihn als ernst­haf­ten Ge­sprächs­part­ner be­trach­ten, des­sen Mei­nung man hin­ter­fragt", rät Ho­fert. Da­zu sei es eben hilf­reich, die­ser Stim­me ei­nen Na­men zu ge­ben und sich vor­zu­stel­len, er sit­ze auf ei­nem Stuhl ne­ben ei­nem. "Dann legt man erst­mal sei­ne Sicht dar, dann setzt man sich auf den an­de­ren Stuhl und äu­ßert die Mei­nung des in­ne­ren Kri­ti­kers."

Die Münch­ner Kar­rie­r­e­be­ra­te­rin Brit­ta Schä­fer rät zur klas­si­schen Pro-und-Kon­tra-Lis­te: "Wer sich sei­ner ei­ge­nen Stär­ken be­sinnt und die­se auch auf­schreibt, ist meis­tens er­staunt, wie vie­le er da­von hat", sagt sie. Das sei vor al­lem vor Be­wer­bungs­ge­sprä­chen oder sons­ti­gen of­fi­zi­el­len Ter­mi­nen sehr hilf­reich.

Psy­cho­lo­ge Dies­brock nennt es das "Her­mann-Ta­ge­buch". "Dar­in schreibt man dann mal ganz de­tail­liert auf, was Her­mann ei­gent­lich sagt und kri­ti­siert", sagt er. Das tue im Zwei­fel auch mal weh. Es schu­le aber die ei­ge­ne Wahr­neh­mung un­ge­mein. "Das ist dann wie De­tek­tiv­spie­len, um her­aus­zu­fin­den, was man wirk­lich über sich selbst glaubt", führt Dies­brock aus.

Ho­fert hält es auch für le­gi­tim, mit sei­nen Schwä­chen zu spie­len, oder gar zu ko­ket­tie­ren. "Wenn die Ner­vo­si­tät und da­mit mög­li­cher­wei­se auch die ei­ge­ne Un­si­cher­heit wäh­rend ei­nes Be­wer­bungs­ge­sprächs nicht zu über­se­hen sind, kann man ge­nau das durch­aus the­ma­ti­sie­ren", sagt sie. Al­les an­de­re wir­ke un­glaub­wür­dig und sei auf Dau­er nicht durch­zu­hal­ten.

Auch Brit­ta Schä­fer rät, die in­ne­re Stim­me zu ak­zep­tie­ren. Gleich­zei­tig dür­fe sie aber auch nicht zu stark wer­den. "Walt Dis­ney hat schon ge­sagt, dass für je­des Pro­jekt ein Träu­mer oder Vi­sio­när be­tei­ligt sein muss, ein Rea­li­sie­rer und ein Kri­ti­ker. Nur so kann es ge­lin­gen", er­klärt sie. So funk­tio­nie­re auch die ei­ge­ne Per­sön­lich­keit, in un­ter­schied­li­chen Aus­füh­run­gen.

Es hilft al­so al­les nichts, so ganz wird man die­sen ewi­gen Nörg­ler wohl nie los. "Er ist und bleibt ein Teil von mir. Mein bes­ter Freund wird er des­we­gen noch lan­ge nicht", sagt Dies­brock. Man sol­le aber grund­sätz­lich gut mit ihm um­ge­hen, eben weil er men­tal wie ein klei­nes Kind ist. "Im Grun­de will die­se in­ne­re Stim­me ein­fach nur un­ge­stör­te Ge­bor­gen­heit oh­ne je­de Ver­än­de­rung und oh­ne je­des Ri­si­ko." Da muss man ihm im Zwei­fel scho­nend bei­brin­gen, dass es eben doch Zeit ist für das ein oder an­de­re Wag­nis.

Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2014

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