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Je­der Fünf­te ist dau­er­haft auf Hartz-IV

Mehr als 5 Mil­lio­nen Men­schen sind auf Hartz-IV-Leis­tun­gen an­ge­wie­sen. Je­der fünf­te Emp­fän­ger so­gar dau­er­haft
Hartz IV, Arbeitslosengeld II, ALG II

09.12.2019. (dpa/fle) - Hun­dert­tau­sen­de Men­schen ste­cken in Deutsch­land dau­er­haft im Hartz-IV-Sys­tem fest.

Das zei­gen Zah­len, die das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um auf An­fra­ge der AfD-Frak­ti­on im Bun­des­tag zur Ver­fü­gung ge­stellt hat.

Zu­dem gibt es ei­nen "Dreh­tür-Ef­fekt": Vie­le in Jobs ver­mit­tel­te Be­trof­fe­ne lan­den nach kur­zer Zeit wie­der beim Job­cen­ter. Nach dem SPD-Par­tei­tag am Wo­chen­en­de wird nun er­neut über die Zu­kunft von Hartz IV de­bat­tiert. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten hat­ten be­schlos­sen, das Sys­tem ih­res Ex-Kanz­lers Ger­hard Schrö­der hin­ter sich zu las­sen. Das stößt auf Bei­fall und Kri­tik.

Den Zah­len des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums zu­fol­ge be­zo­gen im Ok­to­ber rund 991.000 Men­schen seit min­des­tens zehn Jah­ren Hartz-IV-Leis­tun­gen. Mehr als die Hälf­te da­von (rund 548.000) sind so­gar schon seit mehr als 14 Jah­ren im so­ge­nann­ten Re­gel­leis­tungs­be­zug. Sie be­zie­hen al­so seit 2005, dem Jahr der Zu­sam­men­le­gung von Ar­beits­lo­sen­hil­fe und So­zi­al­hil­fe zum so­ge­nann­ten Hartz IV un­ter dem da­ma­li­gen Kanz­ler Schrö­der, die­se Leis­tung. Über die Zah­len hat­te das Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND) zu­erst be­rich­tet.

Laut ak­tu­el­ler Sta­tis­tik der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) gibt es rund 5,3 Mil­lio­nen Re­gel­leis­tungs­be­rech­tig­te in Deutsch­land. 3,8 Mil­lio­nen da­von gel­ten als er­werbs­fä­hig - un­ter den Er­werbs­fä­hi­gen sind rund 1 Mil­li­on Men­schen, die ar­bei­ten, aber mit Hartz IV auf­sto­cken müs­sen. Der Ant­wort des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums auf die AfD-An­fra­ge zu­fol­ge sind un­ter den Re­gel­leis­tungs­be­zie­hern rund 3,3 Mil­lio­nen Deut­sche und 2 Mil­lio­nen Aus­län­der.

Die dau­er­haf­te In­te­gra­ti­on von Hartz-IV-Be­zie­hern in den Ar­beits­markt bleibt schwie­rig. Rund je­der zwei­te ver­mit­tel­te Ar­beits­lo­sen­geld-II-Be­zie­her ist nach BA-An­ga­ben vom Som­mer spä­tes­tens nach drei Mo­na­ten wie­der auf die fi­nan­zi­el­le Hil­fe der Job­cen­ter an­ge­wie­sen. Der AfD-So­zi­al­ex­per­te Re­né Sprin­ger sag­te dem RND: "Die­ses Hartz-IV-Ka­rus­sell dreht sich schon viel zu lan­ge. Es wird Zeit die­ses bü­ro­kra­ti­sche und er­nied­ri­gen­de Sys­tem zu über­win­den."

Die SPD hat­te un­ter dem neu­en Füh­rungs­duo Nor­bert Wal­ter-Bor­jans und Sas­kia Es­ken am Wo­chen­en­de auf ih­rem Par­tei­tag be­schlos­sen, sich von Hartz IV zu ver­ab­schie­den. Statt­des­sen for­dern die So­zi­al­de­mo­kra­ten ein Bür­ger­geld mit we­ni­ger Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten.

Be­grüßt wur­de der Schwenk am Mon­tag von Grü­nen und Lin­ken. Der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Frak­ti­on, Sven Leh­mann, sag­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur: "Es ist gut, wenn nach den Grü­nen nun auch die SPD Hartz IV hin­ter sich las­sen will." Da­zu brau­che es aber mehr als ein neu­es Eti­kett. Das Exis­tenz­mi­ni­mum müs­se voll­stän­dig von Sank­tio­nen aus­ge­nom­men wer­den. Hier blei­be die SPD schwam­mig. Die Lin­ke sieht durch die SPD-Be­schlüs­se ei­ne ver­bes­ser­te Ba­sis für Ge­sprä­che mit den So­zi­al­de­mo­kra­ten. Sie freue sich, dass bei der SPD et­was in Be­we­gung ge­kom­men sei, sag­te Par­tei­che­fin Kat­ja Kip­ping.

Kri­tik kam vom CDU-Ar­beits­markt­ex­per­ten und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Kai Whit­ta­ker: "Die SPD will Hartz IV hin­ter sich las­sen. Wir als Uni­on wol­len, dass die be­trof­fe­nen Men­schen Hartz IV hin­ter sich las­sen", sag­te er. Whit­ta­ker for­der­te ei­ne bes­se­re per­sön­li­che Be­treu­ung der Men­schen in den Job­cen­tern. Die FDP schlug vor, die Hin­zu­ver­dienst­gren­zen bei Hartz IV an­zu­he­ben. "Nur so baut man ech­te Brü­cken in den Ar­beits­markt", sag­te der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der FDP-Frak­ti­on, Pas­cal Ko­ber, am Mon­tag.

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Letzte Überarbeitung: 9. Dezember 2019

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