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19/020a Kauf­hof streicht nach Fu­si­on 2.600 Stel­len

Nach der Fu­si­on von Kar­stadt und Kauf­hof sol­len al­le Fi­lia­len of­fen blei­ben. Kauf­hof wird aber 2.600 Stel­len strei­chen und aus der Ta­rif­bin­dung aus­stei­gen
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25.01.2019. (dpa/fle) - Ein mas­si­ver Stel­len­ab­bau beim Kauf­hof, aber erst ein­mal kei­ne Fi­li­al­schlie­ßun­gen: So will Kon­zern­chef Ste­phan Fan­derl den Zu­sam­men­schluss von Kar­stadt und Kauf­hof zum Er­folg ma­chen.

Der neue Wa­ren­haus­rie­se kün­dig­te am Frei­tag den Ab­bau von rund 2.600 Voll­zeit­stel­len an. Die Zahl der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter dürf­te so­gar hö­her sein, da im Han­del vie­le Mit­ar­bei­ter in Teil­zeit ar­bei­ten.

Die Ge­werk­schaft Ver­di be­zeich­ne­te die Plä­ne in ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me als "un­trag­bar". Kon­zern­chef Fan­derl be­ton­te da­ge­gen, har­te Ein­schnit­te beim Kauf­hof sei­en un­ver­meid­lich. In sei­nem der­zei­ti­gen Zu­stand sei das Un­ter­neh­men "lang­fris­tig nicht über­le­bens­fä­hig".

Fan­derl will die wich­tigs­ten Füh­rungs- und Ver­wal­tungs­struk­tu­ren bei­der Wa­ren­häu­ser künf­tig in der bis­he­ri­gen Kar­stadt-Zen­tra­le in Es­sen bün­deln. Da­bei sol­len vor­han­de­ne Dop­pel­funk­tio­nen so­wie un­nö­ti­ge Hier­ar­chie­ebe­nen ge­stri­chen wer­den. Al­lein da­durch sol­len rund 1.000 Voll­zeit­stel­len weg­fal­len. Wei­te­re 1.600 Voll­zeit­stel­len sol­len durch ei­ne bes­se­re Or­ga­ni­sa­ti­on in den Fi­lia­len ge­stri­chen wer­den.

Auf Fi­li­al­schlie­ßun­gen will der Kon­zern bei sei­nen Sa­nie­rungs­be­mü­hun­gen da­ge­gen zu­nächst ver­zich­ten. Das gel­te auch für die In­nen­städ­te, wo so­wohl Kar­stadt als auch Kauf­hof ver­tre­ten sei­en. Denn Dop­pel­stand­or­te bö­ten "be­son­de­re Chan­cen zur Schwer­punkt­bil­dung und Dif­fe­ren­zie­rung", be­ton­te das Un­ter­neh­men.

Am Stand­ort Köln, bis­her der Sitz der Kauf­hof-Zen­tra­le, soll ein Kom­pe­tenz-Cen­ter für Di­gi­ta­li­sie­rung und E-Com­mer­ce auf­ge­baut wer­den. Au­ßer­dem sol­len von hier aus das Gas­tro­no­mie- und Le­bens­mit­tel­ge­schäft so­wie das Out­let-Ge­schäft ge­steu­ert wer­den.

Doch müs­sen sich die Mit­ar­bei­ter von Kauf­hof nicht nur auf ei­nen Stel­len­ab­bau ein­stel­len, son­dern auch auf Ein­schnit­te bei ih­ren Ge­häl­tern. Um Kos­ten zu spa­ren, wer­de der Kauf­hof um­ge­hend aus der Ta­rif­bin­dung aus­stei­gen, teil­te das Un­ter­neh­men mit. Man stre­be ei­ne in­di­vi­du­el­le Ta­rif­lö­sung an, die der wirt­schaft­li­chen Not­si­tua­ti­on von Kauf­hof Rech­nung tra­ge, hie­ße es. Bei Kar­stadt gilt schon lan­ge ein Sa­nie­rungs­ta­rif­ver­trag, der er­heb­li­che Zu­ge­ständ­nis­se der Mit­ar­bei­ter et­wa bei Ur­laubs- und Weih­nachts­geld um­fasst.

Kon­zern­chef Fan­derl steht un­ter Druck. Er soll aus den bei­den schwä­cheln­den Wa­ren­haus­kon­zer­nen ei­nen auch im In­ter­net-Zeit­al­ter wett­be­werbs­fä­hi­gen Han­dels­rie­sen schmie­den. Nach Kar­stadt-An­ga­ben blieb das Weih­nachts­ge­schäft beim Kauf­hof je­doch deut­lich un­ter den Er­war­tun­gen. Die Um­sät­ze der Kauf­hof-Fi­lia­len hät­ten fast vier Pro­zent un­ter dem Vor­jah­res­ni­veau ge­le­gen. Und auch das On­line-Ge­schäft sei ge­gen den Markt­trend ge­schrumpft. Bei Kar­stadt soll das wich­ti­ge Weih­nachts­ge­schäft nach An­ga­ben aus in­for­mier­ten Krei­sen eben­falls nicht gut ge­lau­fen sein.

Die Ge­werk­schaft Ver­di kün­dig­te hef­ti­gen Wi­der­stand ge­gen die Kon­zern­plä­ne an. "Wir las­sen kei­ne Sa­nie­rung zu, die ein Ge­sund­sto­ßen des Kon­zerns al­lein auf dem Rü­cken der Be­schäf­tig­ten vor­sieht", sag­te Ver­di-Bun­des­vor­stands­mit­glied Ste­fa­nie Nut­zen­ber­ger. Was völ­lig feh­le, sei ein trag­fä­hi­ges Zu­kunfts­kon­zept. Statt­des­sen wer­de ein Aus­stieg aus der Ta­rif­bin­dung an­ge­kün­digt. Ver­di wer­de "um die Ar­beits­plät­ze kämp­fen", sag­te Nut­zen­ber­ger. Die Ta­rif­kom­mis­sio­nen von Kauf­hof und Kar­stadt wür­den sich zeit­nah tref­fen und über Ak­ti­vi­tä­ten be­ra­ten.

Die Köl­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin Hen­ri­et­te Reker zeig­te sich ent­täuscht über die Ent­schei­dung für Es­sen als Sitz der künf­ti­gen Kon­zern­zen­tra­le. "Wir hät­ten uns ei­ne an­de­re Ent­schei­dung ge­wünscht, die der her­aus­ra­gen­den Be­deu­tung Kölns als Han­dels­me­tro­po­le mit ex­zel­len­ten Stand­ort­be­din­gun­gen ge­recht wird", sag­te die par­tei­lo­se Po­li­ti­ke­rin. Es­sens Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Ku­fen (CDU) be­grüß­te die Ent­schei­dung da­ge­gen.

Die Mehr­heit am neu­en Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men, das in et­wa 240 Fi­lia­len rund 32.000 Mit­ar­bei­ter be­schäf­tigt, hält seit dem Zu­sam­men­schluss En­de No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res der bis­he­ri­ge Kar­stadt-Ei­gen­tü­mer Re­né Ben­ko. Kar­stadt hat auch die ope­ra­ti­ve Füh­rung über­nom­men. Der Kauf­hof-Ei­gen­tü­mer Hud­son's Bay Com­pa­ny blieb aber als Min­der­heits­ei­gen­tü­mer an Bord.

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Letzte Überarbeitung: 15. Mai 2019

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