HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL

19/013a Kom­mu­nen wol­len Fi­nanz­hil­fen für Koh­le-Re­gio­nen selbst ver­wal­ten

Bun­des­mit­tel sol­len hel­fen, die vom Koh­le­aus­stieg be­trof­fe­nen Re­gio­nen vor wirt­schaft­li­chen Ein­schnit­ten zu be­wah­ren. Vor Ort gibt es schon kon­kre­te Ide­en für die Ver­wen­dung
Kohleausstieg, Bergbau Braunkohle, Braunkohletagebau Garzweiler

16.01.2019. (dpa/fle) - In der De­bat­te um die Fol­gen ei­nes Koh­le­aus­stiegs wird der Ruf nach mehr Ver­ant­wor­tung für die be­trof­fe­nen Kom­mu­nen laut.

Die Städ­te und Land­krei­se um das Mit­tel­deut­sche Re­vier her­um wünsch­ten sich, die Mil­lio­nen­sum­men des zu­ge­sag­ten So­fort­pro­gramms selbst zu ver­wal­ten, sag­te der Land­rat des Bur­gen­land­krei­ses, Götz Ul­rich.

Der CDU-Po­li­ti­ker spricht für ei­nen Zu­sam­men­schluss der be­trof­fe­nen Kom­mu­nen im süd­li­chen Sach­sen-An­halt so­wie im Raum Leip­zig. Vor Ort sei­en be­reits ers­te Ent­schei­dun­gen ge­fal­len, was mit den Bun­des­hil­fen um­ge­setzt wer­den soll­te.

An­lass sei­ner For­de­rung ist ein Spit­zen­tref­fen in Ber­lin. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat­te die zu­stän­di­gen Bun­des­mi­nis­ter und die Re­gie­rungs­chefs der Koh­le­län­der für Diens­tag­abend ein­ge­la­den. Auch die CDU-Re­gie­rungs­chefs von Sach­sen und Sach­sen-An­halt, Rei­ner Ha­seloff und Mi­cha­el Kret­sch­mer, for­mu­lier­ten vor ih­rer An­rei­se zum Tref­fen For­de­run­gen an den Bund.

Bis Mo­nats­en­de soll die Koh­le­kom­mis­si­on der Bun­des­re­gie­rung ne­ben Vor­schlä­gen für neue Im­pul­se in den Re­vie­ren auch ein Da­tum für den Aus­stieg aus der kli­ma­schäd­li­chen Koh­le nen­nen. Zu­ge­sagt sind 150 Mil­lio­nen EUR So­fort­hil­fe für die ost­deut­schen Re­vie­re. Sie sol­len die­ses Jahr in schnell um­setz­ba­re Pro­jek­te flie­ßen. Bis 2021 sind bis­her 1,5 Mil­li­ar­den EUR für al­le Koh­le­re­gio­nen ein­ge­plant. Da­zu gibt es das Si­gnal, die Sum­me deut­lich zu er­hö­hen.

Ha­seloff for­der­te kon­kre­te Zu­sa­gen für die För­de­rung neu­er Jobs in den Re­vie­ren. "Denn nur, wenn neue Ar­beits­plät­ze auch an­ge­bo­ten wer­den kön­nen, ist das Gan­ze in den Re­gio­nen oder den Re­vie­ren ver­mit­tel­bar", sag­te er dem Sen­der MDR Ak­tu­ell. Da­bei ge­he es nur zum Teil um neue Per­spek­ti­ven für die jet­zi­gen Braun­koh­le-Be­schäf­tig­ten.

Der CDU-Po­li­ti­ker ver­wies auf das Bei­spiel Ruhr­ge­biet. Dort sei­en einst für be­trof­fe­ne Mit­ar­bei­ter ak­zep­ta­ble Vor­ru­he­stands­re­ge­lun­gen ge­fun­den wor­den. "Aber de­ren Kin­der und En­kel­kin­der sit­zen teil­wei­se heu­te noch in der zwei­ten, drit­ten Ge­ne­ra­ti­on in der Ar­beits­lo­sig­keit und das wol­len wir nicht." Kret­sch­mer er­klär­te, dass die Re­gie­rung ihr Ver­spre­chen ein­hal­ten müs­se, dass nie­mand durch den Braun­koh­le­aus­stieg ar­beits­los wer­de.

Öko­no­men des In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung aus Hal­le, kurz IWH, be­zwei­feln, dass mit po­li­ti­schen Maß­nah­men kurz­fris­tig Er­satz­jobs in den jet­zi­gen Re­vie­ren ge­schaf­fen wer­den könn­ten. Lang­fris­tig könn­ten sich gu­te Be­din­gun­gen für Pend­ler und Grün­der po­si­tiv aus­wir­ken. Die IWH-For­scher un­ter­such­ten in ei­ner Mo­dell­rech­nung, wel­che Fol­gen der bis­her dis­ku­tier­te frü­hest­mög­li­che Aus­stieg aus der Braun­koh­le im Jahr 2035 hät­te.

Wäh­rend sie für die ge­samt­deut­sche Wirt­schaft kaum Ef­fek­te vor­her­sa­gen, se­hen die For­scher für die Re­vier­re­gio­nen durch­aus spür­ba­re Ein­schnit­te: Die Ar­beits­lo­sen­quo­te wür­de dem­nach zwi­schen 2035 und 2040 stei­gen, die durch­schnitt­li­chen Brut­to­löh­ne fal­len und vor al­lem gut qua­li­fi­zier­te Be­schäf­tig­te weg­zie­hen, so die Ein­schät­zung. Am stärks­ten wä­ren die­se Ef­fek­te der IWH-Stu­die zu­fol­ge in der Lau­sitz in Sach­sen und Bran­den­burg.

Im Land­kreis Leip­zig, in dem zwei ak­ti­ve Ta­ge­baue lie­gen, mahn­te Land­rat Hen­ry Grai­chen (CDU), die Feh­ler aus den 1990ern nicht zu wie­der­ho­len. "Wir ha­ben da lei­di­ge Er­fah­run­gen ge­macht", sag­te er. Da­mals ha­be es kei­nen Struk­tur­wan­del ge­ge­ben, son­dern ei­nen Struk­tur­bruch.

Es müss­ten neue In­dus­trie­zwei­ge an­ge­sie­delt wer­den - und be­ste­hen­den Bran­chen ge­hol­fen wer­den, den Wan­del zu be­wäl­ti­gen, sag­te Grai­chen. Als Bei­spiel nann­te er die Bau­stoff­in­dus­trie oder Her­stel­ler von In­dus­trie­ga­s­en, die bis­her Wär­me und Dampf aus Braun­koh­le­kraft­wer­ken nut­zen. Grai­chen schlug ei­ne För­de­rung vor, um die Be­trie­be beim Auf­bau nö­ti­ger neu­er In­fra­struk­tur zu un­ter­stüt­zen. Zu­dem müs­se die Pla­nung öf­fent­li­cher Pro­jek­te be­schleu­nigt wer­den. Als Bei­spiel nann­te er die Bahn­stre­cke Leip­zig-Zeitz-Ge­ra, die der­zeit nicht mit Elek­tro­lei­tun­gen für S-Bah­nen aus­ge­stat­tet ist.

Im Mit­tel­deut­schen Re­vier hän­gen dem Land­rat zu­fol­ge je 2000 Jobs di­rekt und in­di­rekt an der Braun­koh­le. Der Bur­gen­land­kreis, wo der Braun­koh­le­för­de­rer Mi­brag ei­ner der wich­tigs­ten Ar­beit­ge­ber ist, hat schon ers­te Plä­ne be­schlos­sen. Wenn die Bun­des­mit­tel flie­ßen, wür­den in Naum­burg und Wei­ßen­fels neue Bil­dungs­zen­tren ge­baut, sag­te Land­rat Ul­rich. Für Zeitz sei ein ähn­li­cher Plan noch in der Ab­stim­mung. So sol­len die grö­ße­ren Städ­te at­trak­ti­ve Wohn­or­te blei­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 7. November 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de