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"Li­la-Bä­cker" mel­det In­sol­venz an

Wett­be­werb durch Dis­coun­ter und zö­ger­li­ches Ma­nage­ment füh­ren zur In­sol­venz der ost­deut­schen Bä­cke­rei­ket­te "Li­la-Bä­cker"
Mann in Geldbörse

18.01.2019. (dpa/fle) - Von der In­sol­venz der Bä­cke­rei­ket­te "Li­la Bä­cker" sind al­le fünf Stand­or­te in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg be­trof­fen. Bei den et­wa 2.700 Mit­ar­bei­tern herrscht gro­ße Ver­un­si­che­rung.

"Es han­delt sich um ei­ne Grup­pen­in­sol­venz in Ei­gen­ver­wal­tung", er­läu­ter­te am Mitt­woch ei­ne Spre­che­rin des Amts­ge­rich­tes Neu­bran­den­burg.

Das heißt: Die In­sol­venz­ver­fah­ren der Un­ter­neh­mens­grup­pe wur­den bei ei­nem In­sol­venz­ge­richt zu­sam­men­ge­fasst - und das Ma­nage­ment des Un­ter­neh­mens bleibt im Amt.

Am Amts­ge­richt Neu­bran­den­burg war die In­sol­venz am Diens­tag an­ge­mel­det wor­den. Ur­sa­che sei Zah­lungs­un­fä­hig­keit, hieß es. Als Grund für die Schief­la­ge nann­te Ge­schäfts­füh­rer Ste­fan Blaschak, der nun In­sol­venz­ver­wal­ter ist, am Mitt­woch un­ter an­de­rem "rück­läu­fi­ge Um­sät­ze, die auf den hei­ßen Som­mer, der die gan­ze Bran­che be­traf, so­wie auf Sa­nie­rungs­maß­nah­men im ope­ra­ti­ven Ge­schäft" zu­rück­zu­füh­ren sei­en.

Pro­duk­ti­on und der Ver­kauf in den rund 400 Fi­lia­len sei­en über In­sol­venz­aus­fall­geld der Ar­beits­agen­tu­ren zu­nächst bis En­de Fe­bru­ar 2019 ge­si­chert hieß es. Ein Sa­nie­rungs­kon­zept se­he künf­tig mehr Snacks und Ge­trän­ke im Sor­ti­ment der rund 400 Fi­lia­len vor. Es ge­be Ge­sprä­che mit mög­li­chen In­ves­to­ren.

Die Back­ket­te hat drei Stand­or­te in Meck­len­burg-Vor­pom­mern, wo die Haupt­stand­or­te in Pa­se­walk, Neu­bran­den­burg und Gä­ge­low bei Wis­mar lie­gen, und zwei Sit­ze im bran­den­bur­gi­schen Dah­le­witz.

Bei den Be­schäf­tig­ten hat die Nach­richt gro­ße Un­si­cher­heit aus­ge­löst, wie Jörg Dahms von der Ge­werk­schaft NGG sag­te. So blie­ben Kraft­fah­rer in Bran­den­burg am Mitt­woch zu Hau­se, auch Ver­käu­fe­rin­nen ka­men nicht, weil am 15.01.2019 kein Lohn auf ih­rem Kon­to war. Nach An­ga­ben der Mit­ar­bei­ter sei­en die Ver­kaufs­zah­len schon seit Wo­chen zu­rück­ge­gan­gen, sag­te Dahms. Er ver­mu­te auch, dass der­zeit ge­zielt Geld aus dem Un­ter­neh­men ge­zo­gen wer­de. Das ge­sun­ke­ne Käu­fer­in­ter­es­sen wer­de auch dar­auf zu­rück­ge­führt, dass das ei­ge­ne Back-An­ge­bot stark re­du­ziert wur­de und mehr Back­wa­ren zu­ge­kauft wür­den.

Ein Spre­cher des Haupt­ge­sell­schaf­ters Deut­sche Be­tei­li­gungs AG (DBAG/Frank­furt/Main) nann­te meh­re­re Ur­sa­chen für die schlech­te La­ge: ho­hen Wett­be­werbs­druck der Bran­che wie durch Back­statio­nen bei Dis­coun­tern, hö­he­re Min­dest­löh­ne und nicht aus­rei­chen­de Maß­nah­men zur Um­struk­tu­rie­rung. Der Um­satz der Grup­pe, die auch als "Un­ser Hei­mat­bä­cker" fir­miert, lag 2016 bei 142 Mil­lio­nen EUR, 2017 bei 138 Mil­lio­nen und 2018 bei "ge­plant 130 Mil­lio­nen EUR".

Die DBAG hat­te die Ge­schäfts­füh­rung erst An­fang 2018 ge­wech­selt. Der jet­zi­ge Ge­schäfts­füh­rer soll ei­nen Sa­nie­rungs­be­ra­ter be­kom­men. Im Fe­bru­ar 2018 war be­reits 220 Mit­ar­bei­tern ge­kün­digt wor­den. Da­bei wur­den Ku­chen­pro­duk­tio­nen und Ver­wal­tungs­stand­or­te in Dah­le­witz, Pa­se­walk und Gä­ge­low ge­schlos­sen.

Die NGG kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen bei der In­sol­venz: Die ak­tu­el­le Ge­schäfts­füh­rung ha­be über elf Mo­na­te kein neu­es Kon­zept er­ken­nen las­sen. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin des Be­triebs­ra­tes sag­te: "Wir ha­ben das Ver­trau­en in die jet­zi­ge Ge­schäfts­füh­rung ver­lo­ren." Mit der In­sol­venz büß­ten et­li­che Mit­ar­bei­ter auch ih­re An­sprü­che aus bis zu 300 an­ge­sam­mel­ten Über­stun­den ein.

Kri­tik kam auch aus dem Land­tag in Schwe­rin. Si­mo­ne Ol­den­burg als Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Lin­ken er­klär­te, es müs­se al­les ge­tan wer­den, da­mit die Ar­beits­plät­ze in den Fi­lia­len er­hal­ten blie­ben. Un­klar sei aber, ob der Ge­schäfts­füh­rer nun als In­sol­venz­ver­wal­ter über­haupt in der La­ge sei, das Un­ter­neh­men zu ret­ten. Er sei mit ver­ant­wort­lich da­für, dass "die Kar­re im Dreck steckt". Ein Fach­mann von au­ßen sei nö­tig.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­de Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. August 2019

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