HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/171

Lohn­sta­tis­tik der Ar­beits­agen­tur

Die jüngs­ten Er­he­bun­gen der Ar­beits­agen­tur zei­gen ein gro­ßes Lohn­ge­fäl­le zwi­schen Ost und West
Mindestlohn, Arbeitnehmer arbeiten auf Euro-Münzen

22.07.2019. (dpa/fle) - Meck­len­burg-Vor­pom­mern steckt wei­ter im Lohn­kel­ler Deutsch­lands fest.

Wie aus am Mon­tag von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit in Nürn­berg ver­öf­fent­lich­ten Da­ten her­vor­geht, lag 2018 das mitt­le­re Brut­to­mo­nats­ent­gelt für so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Voll­zeit­be­schäf­tig­te im Nord­os­ten bei 2.496 EUR.

Das wa­ren et­wa 800 EUR un­ter dem bun­des­deut­schen Mit­tel (Me­di­an­wert) von 3.304 EUR und ent­sprach knapp 73 Pro­zent des in West­deutsch­land ge­zahl­ten Mo­nats­lohns. Die­ser er­reich­te 2018 im Mit­tel 3.434 EUR.

Da­mit be­stä­tig­te sich er­neut, dass Ar­beit­neh­mer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern deut­lich we­ni­ger ver­die­nen als ih­re Kol­le­gen im Wes­ten und sich das Pen­deln zu Ar­beits­stät­ten et­wa in Schles­wig-Hol­stein oder Nie­der­sach­sen nach wie vor lohnt. Dort lie­gen die Brut­to­ge­häl­ter im Schnitt bei 3.045 so­wie 3.175 EUR. In Ham­burg, dem Spit­zen­rei­ter im Län­der­ran­king, er­reich­ten die mo­nat­li­chen Brut­to­ent­gel­te nach Be­rech­nun­gen der Bun­des­agen­tur im Mit­tel so­gar 3.718 EUR.

Selbst in Bran­den­burg lag der Mo­nats­ver­dienst mit 2.593 EUR um fast 100 EUR über dem in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Dank der in Ber­lin ge­zahl­ten Löh­ne von im Mit­tel 3.175 EUR er­reich­te das Ost-Ein­kom­men mit 2.707 EUR im Mo­nat fast 79 Pro­zent des West­ni­veaus.

Ex­per­ten se­hen als Grün­de für das fort­be­ste­hen­de Lohn­ge­fäl­le die nied­ri­ge­re In­dus­trie­dich­te so­wie die ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Ta­rif­bin­dung der Fir­men im Os­ten. So la­gen et­wa in den Au­to­mo­bil­hoch­bur­gen In­gol­stadt und Wolfs­burg die mitt­le­ren Mo­nats­ein­kom­men bei fast 4.900 EUR. Das ist mehr als dop­pelt so viel wie im struk­tur­schwa­chen Land­kreis Vor­pom­mern-Rü­gen, für des­sen Be­woh­ner die Bun­des­agen­tur für Ar­beit ein mitt­le­res Mo­nats­ein­kom­men von et­wa 2.303 EUR be­rech­ne­te. Nur zwei Re­gio­nen in Sach­sen wie­sen ge­rin­ge­re Wer­te auf.

Bun­des­weit wa­ren 2018 die Brut­to­ver­diens­te der so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten im Ver­gleich zu 2017 um knapp drei Pro­zent ge­stie­gen. Grün­de für die Zu­nah­me sind nach Ein­schät­zung ei­ner BA-Sta­tis­tik­ex­per­tin ne­ben der Er­hö­hung der Ta­rif­ge­häl­ter auch ein wach­sen­den An­teil gut qua­li­fi­zier­ter Be­schäf­tig­ter, die in der Re­gel hö­he­re Brut­to­ein­kom­men be­zie­hen.

Die Ein­kom­mens­un­ter­schie­de nach Ge­schlech­tern be­ste­hen der­weil fort: Wäh­rend das mitt­le­re Brut­to­ge­halt von Män­nern im Vor­jahr bei 3.468 EUR lag, be­trug es bei Frau­en le­dig­lich 3.014 EUR. Die jüngs­te Sta­tis­tik zeigt auch, dass sich ei­ne gu­te Aus­bil­dung beim Brut­to­ge­halt aus­zahlt: So brach­ten es Be­schäf­tig­te mit ei­nem aka­de­mi­schen Ab­schluss 2018 im Mit­tel auf ein mo­nat­li­ches Brut­to­ein­kom­men von 5.113 EUR. Be­schäf­tig­te oh­ne Be­rufs­ab­schluss muss­ten sich hin­ge­gen mit 2.461 EUR zu­frie­den ge­ben. Noch grö­ßer fällt der Un­ter­schied zwi­schen Hilfs­ar­bei­tern und Be­schäf­tig­ten mit Ex­per­ten­sta­tus aus.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) hat­te zu Jah­res­be­ginn die Un­ter­neh­mer in Meck­len­burg-Vor­pom­mern er­mahnt, im ei­ge­nen In­ter­es­se den Wi­der­stand ge­gen Ta­rif­ver­trä­ge auf­zu­ge­ben. Gu­te Leu­te wür­den nur in gu­te Be­trie­be mit gu­ter Ar­beit und gu­ten Löh­nen ge­hen, sag­te der Vor­sit­zen­de des DGB Nord, Uwe Pol­ka­ehn. Er re­agier­te da­mit auf zu­neh­men­de Kla­gen der Wirt­schaft im Nord­os­ten über feh­len­de Fach­kräf­te und die fort­be­ste­hen­de Lohn­kluft zwi­schen Ost und West, die als Grund für die noch im­mer ho­hen Pend­ler­zah­len gilt. Laut Bun­des­agen­tur für Ar­beit ge­hen et­wa 75.000 Ar­beit­neh­mer aus dem Nord­os­ten ei­ner Be­schäf­ti­gung in an­de­ren Bun­des­län­dern nach.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2019

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Für Personaler, betriebliche Arbeitnehmervertretungen und andere Arbeitsrechtsprofis: "Update Arbeitsrecht" bringt Sie regelmäßig auf den neusten Stand der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung. Informationen zu den Abo-Bedingungen und ein kostenloses Ansichtsexemplar finden Sie hier:

Alle vierzehn Tage alles Wichtige
verständlich / aktuell / praxisnah

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2019:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de