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Luft­han­sa streicht hälf­te al­ler Flü­ge

In der Co­ro­na­kri­se geht der in­ter­na­tio­na­le Flug­ver­kehr im­mer mehr in die Knie. Luft­han­sa streicht den hal­ben Flug­plan
Flughafen_Streik_

07.03.2020. (dpa/fle) - Der Luft­han­sa-Kon­zern streicht we­gen des hef­ti­gen Nach­fra­ge­ein­bruchs in­fol­ge der Co­ro­na-Epi­de­mie sei­nen Flug­plan noch wei­ter zu­sam­men.

In den nächs­ten Wo­chen sol­le die Ka­pa­zi­tät um bis zu 50 Pro­zent re­du­ziert wer­den, teil­te das Un­ter­neh­men am Frei­tag in ei­ner Pflicht­mit­tei­lung an die Bör­se mit.

Da­bei wol­le man die wei­te­re Ent­wick­lung der Nach­fra­ge be­ob­ach­ten. Die Maß­nah­me die­ne da­zu, die fi­nan­zi­el­len Fol­gen des Nach­fra­ge­ein­bruchs zu ver­rin­gern.

Der Dax-Kon­zern be­rich­te­te von dras­ti­schen Bu­chungs­rück­gän­gen und zahl­rei­chen Flugs­tor­nie­run­gen. Be­trof­fen sei­en al­le Ziel­ge­bie­te. In­zwi­schen wird ge­prüft, die ge­sam­te Flot­te des größ­ten Ein­zel­flug­zeugs Air­bus A380 mit 14 Jets vor­über­ge­hend au­ßer Dienst zu stel­len. Nicht be­nö­tig­te Flug­zeu­ge wür­den in der Re­gel an ih­ren Sta­tio­nie­rungs­or­ten ab­ge­stellt, er­läu­ter­te ei­ne Spre­che­rin. Das wä­ren im Fall der Kern­mar­ke Luft­han­sa die Flug­hä­fen in Frank­furt und Mün­chen. Ei­ne ge­naue Zahl still­zu­le­gen­der Jets wur­de nicht ver­öf­fent­licht. An der Bör­se leg­te der in den ver­gan­ge­nen Wo­chen arg ge­beu­tel­te Ak­ti­en­kurs zwi­schen­zeit­lich zu, als die Nach­richt der wei­te­ren Ka­pa­zi­täts­ver­rin­ge­rung kam. Aus dem Han­del gin­gen die Luft­han­sa-Pa­pie­re mit mi­nus 0,22 Pro­zent.

Eu­ro­pas größ­ter Luft­ver­kehrs­kon­zern hat­te be­reits am Don­ners­tag für den März 7.100 Flug­paa­re sei­ner Kern­mar­ke Luft­han­sa ge­stri­chen. Ähn­li­che Strei­chun­gen gibt es auch bei den Töch­tern Aus­tri­an, Swiss, Eu­ro­wings und Brus­sels. Nach Chi­na, Iran und Is­ra­el sind die Flü­ge der Grup­pe kom­plett ab­ge­sagt. Den Kun­den räum­te Luft­han­sa zu­sätz­li­che Um­bu­chungs­mög­lich­kei­ten ein. Neu er­wor­be­ne Ti­ckets kön­nen so­mit bis Jah­res­en­de ein­mal kos­ten­frei auf ein neu­es Da­tum um­ge­bucht wer­den.

Der Kon­zern hat rund 780 Flug­zeu­ge in der Flot­te, die im ver­gan­ge­nen Jahr durch­schnitt­lich 3.226 Flü­ge pro Tag ab­sol­viert ha­ben. Schwer­punk­te der Ab­sa­gen vom Don­ners­tag wa­ren die in­ner­deut­schen Ver­bin­dun­gen mit ho­hen Fre­quen­zen so­wie Flü­ge nach Ita­li­en. Das Per­so­nal wur­de auf­ge­for­dert, frei­wil­lig in Teil­zeit zu ge­hen oder un­be­zahl­ten Ur­laub ein­zu­rei­chen. Auch wird in Deutsch­land und Ös­ter­reich die Mög­lich­keit von Kurz­ar­beit für vie­le tau­send Mit­ar­bei­ter ge­prüft. Da­zu ge­be es Ge­sprä­che mit den Ge­werk­schaf­ten und den Be­triebs­part­nern mit dem Ziel, Kün­di­gun­gen von Mit­ar­bei­tern in der Pro­be­zeit zu ver­mei­den.

Der Bran­chen­ver­band IA­TA hat­te am Don­ners­tag den mög­li­chen Um­satz­ein­bruch im welt­wei­ten Pas­sa­gier­ge­schäft auf ei­ne Span­ne zwi­schen 63 Mil­li­ar­den und 113 Mil­li­ar­den Dol­lar (bis 101 Mrd EUR) ge­schätzt, bis zu 19 Pro­zent des ge­sam­ten Vo­lu­mens. Das sei in der Di­men­si­on mit der Fi­nanz­kri­se 2008/2009 ver­gleich­bar. Die Aus­wir­kun­gen auf das Fracht­ge­schäft sei­en noch nicht ab­zu­schät­zen.

Auf die Luft­han­sa und an­de­re Flug­ge­sell­schaf­ten könn­ten wei­te­re Be­las­tun­gen zu­kom­men, wenn Ti­cke­t­in­ha­ber bei kurz­fris­ti­gen Flug­ab­sa­gen oder Ver­spä­tun­gen Ent­schä­di­gun­gen nach der EU-Flug­gastricht­li­nie 261 ver­lan­gen. Wäh­rend sich die Air­lines auf au­ßer­ge­wöhn­li­che Um­stän­de be­ru­fen, die sie von Ent­schä­di­gun­gen ent­bän­den, se­hen In­ter­net-Flug­gast­por­ta­le gu­te Chan­cen auf Ent­schä­di­gun­gen von 250 bis 600 EUR.

Ei­ne Pro­zess­wel­le ist nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten zu er­war­ten. "Es wird si­cher­lich zu ver­mehr­ten Strei­tig­kei­ten kom­men, ob auf­grund des Co­ro­na­vi­rus an­nul­lier­te Flü­ge ei­nen be­rech­tig­ten An­spruch auf Aus­gleichs­zah­lung dar­stel­len", sagt Heinz Klewe, Ge­schäfts­füh­rer der Sch­lich­tungs­stel­le für den öf­fent­li­chen Per­so­nen­ver­kehr (SÖP) in Ber­lin.

Luft­han­sa, Rya­n­air und Co. hät­ten ih­re Eu­ro­paflü­ge al­lein aus be­triebs­wirt­schaft­li­chen Grün­den zu­sam­men­ge­stri­chen, ar­gu­men­tiert bei­spiels­wei­se Lars Wa­ter­mann vom Por­tal EU­f­light, das Pas­sa­gie­ren be­reits ih­re For­de­run­gen aus den Co­ro­na-Ab­sa­gen ab­kauft. Es ha­be kei­ne be­hörd­li­chen Ver­bo­te ge­ge­ben, we­gen der Vi­rus­aus­brei­tung et­wa Flü­ge im deut­schen In­land oder nach Ita­li­en zu un­ter­neh­men. "Wenn ein nicht aus­ge­las­te­ter Flug aus be­triebs­wirt­schaft­li­chen Grün­den an­nul­liert wird, liegt hier­in kein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Um­stand, der die Flug­ge­sell­schaft von ei­ner Ent­schä­di­gungs­zah­lung be­freit." Das un­ter­neh­me­ri­sche Ri­si­ko der Aus­las­tung müs­se al­lein die Flug­ge­sell­schaft tra­gen.

Die deut­sche Flug­bran­che hat über den Bun­des­ver­band der Deut­schen Luft­ver­kehrs­wirt­schaft (BDL) die Ge­gen­po­si­ti­on ein­ge­nom­men. Die Ein­schnit­te in die Flug­plä­ne sei­en letzt­lich auf au­ßer­ge­wöhn­li­che Um­stän­de zu­rück­zu­füh­ren, weil die Flug­ge­sell­schaf­ten nur auf die Aus­brei­tung des Vi­rus re­agiert hät­ten. "Lee­re Flug­zeu­ge zu flie­gen, wä­re wirt­schaft­lich un­ver­ant­wort­bar und öko­lo­gisch völ­lig schäd­lich", hat­te der Ver­band dann noch er­klärt.

Statt ei­ner Ent­schä­di­gung nach der EU-Ver­ord­nung soll­ten die Kun­den den Ti­cket­preis er­stat­tet be­kom­men oder kos­ten­los um­bu­chen kön­nen, so der BDL. Das ist auch die Po­si­ti­on der Luft­han­sa, die et­wai­ge Ent­schä­di­gungs­for­de­run­gen nach der EU-Ver­ord­nung nicht ak­zep­tie­ren wür­de, wie ein Spre­cher in Frank­furt er­klär­te.

Der FDP-Po­li­ti­ker Frank Sit­ta sprach sich an­ge­sichts der ak­tu­el­len Bran­chen­pro­ble­me da­für aus, die zum 1. April wirk­sa­me Er­hö­hung der Luft­ver­kehrs­steu­er aus­zu­set­zen der Bran­che rasch Zu­gang zu Kurz­ar­beit zu er­leich­tern. "Die Bun­des­re­gie­rung muss er­ken­nen, dass schon jetzt in­ter­ne Maß­nah­men wie Ein­stel­lungs­stopp und Zwangs­ur­laub er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beit­neh­mer­schaft ha­ben", so der Frak­ti­ons­vi­ze im Bun­des­tag.

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Letzte Überarbeitung: 15. März 2020

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