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Luft­han­sa-Streik trifft 180.000 Pas­sa­gie­re

Die Ge­werk­schaft UFO hat ih­re Mit­glie­der zu ei­nem 48 stün­di­gen Streik auf­ge­ru­fen. Be­trof­fen sind et­wa 180.000 Pas­sa­gie­re
Stewardess im Flugzeug, Flugbegleiterin

06.11.2019. (dpa/fle) - Rund 180.000 Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa sind we­gen ei­nes zwei­tä­gi­gen Streiks der Flug­be­glei­ter von Flug­aus­fäl­len be­trof­fen - auch in Bay­ern.

Luft­han­sa sag­te für Don­ners­tag und Frei­tag ins­ge­samt rund 1.300 Flü­ge ab.

Das ist zwar nur ein je­weils klei­ne­rer Teil des welt­wei­ten Pro­gramms des Luft­ver­kehrs­kon­zerns mit täg­lich rund 3.000 Flü­gen. An deut­schen Flug­hä­fen ist aber ein Groß­teil der Starts mit LH-Flug­num­mern ab­ge­sagt, dar­un­ter auch zahl­rei­che In­ter­kon­ti­nen­tal­ver­bin­dun­gen von den bei­den Dreh­kreu­zen Frank­furt und Mün­chen. Die Luft­han­sa war am Mitt­woch­abend auch mit ih­rem zwei­ten Ver­such ge­schei­tert, den Streik mit ju­ris­ti­schen Mit­teln zu stop­pen.

In der ge­nann­ten Ge­samt­zahl von 3.000 sind auch Flü­ge nicht be­streik­ter Part­ner-Air­lines wie Swiss, Aus­tri­an oder Brus­sels Air­lines ent­hal­ten. Die Ge­werk­schaft Ufo hat bis­lang nur zu ei­nem Streik bei der Luft­han­sa-Kern­ge­sell­schaft auf­ge­ru­fen, die laut Kon­zern an den bei­den Ta­gen je­weils rund 1.100 Flü­ge welt­weit ab­sol­vie­ren soll­te. Ab­ge­sagt wur­den nun 700 Flü­ge am Don­ners­tag und 600 am Frei­tag.

Ufo hat­te sich zu­dem vor­be­hal­ten, den Streik auf bis zu vier wei­te­re Flug­be­trie­be mit deut­schem Ta­rif­recht aus­zu­wei­ten, die ins­be­son­de­re noch für die Toch­ter Eu­ro­wings un­ter­wegs sind. Ih­ren Kun­den hat Luft­han­sa be­reits um­fang­rei­che und kos­ten­freie Um­bu­chungs­mög­lich­kei­ten an­ge­bo­ten.

Am Mitt­woch hat­te der Kon­zern zu­nächst vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt ei­ne ju­ris­ti­sche Nie­der­la­ge er­lit­ten. Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin lehn­te die be­an­trag­te Einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ge­gen den Ar­beits­kampf ab. Nach ih­rer Ein­schät­zung sind die Ta­rif­ver­trä­ge kor­rekt ge­kün­digt wor­den und der Streik­be­schluss gül­tig. An­grif­fe der Luft­han­sa-An­wäl­te ge­gen die kurz­fris­tig ge­än­der­te Ar­beits­kampf­ord­nung der Ge­werk­schaft lehn­te die Rich­te­rin eben­falls ab. Hier han­de­le es sich um in­ter­ne Re­ge­lun­gen der Ufo oh­ne Au­ßen­wir­kung. Es ge­be auch kei­ne of­fen­kun­di­gen Zwei­fel an der Ta­rif­fä­hig­keit der Ufo, die das Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­letzt in ei­nem Ur­teil von 2014 be­stä­tigt ha­be.

Luft­han­sa ging dar­auf­hin in Be­ru­fung. Aber auch das hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt lehn­te es noch am Abend in Frank­furt ab, den Ar­beits­kampf mit ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung zu stop­pen.

Der Ufo-Vi­ze­vor­sit­zen­de Da­ni­el Flohr sag­te die Teil­nah­me an dem für Mitt­woch­abend an­ge­setz­ten Kri­sen­ge­spräch mit Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr ab, da man mit der Be­ru­fung be­schäf­tigt sei. Er schät­ze das Ge­spräch, an dem auch Ver­tre­ter der Ver­di und der noch in Grün­dung be­find­li­chen Ca­bin Uni­on (Ka­bi­nen-Ge­werk­schaft) teil­neh­men soll­ten, oh­ne­hin als "PR-Coup" ein. Ei­ne Lö­sung der Pro­ble­me sei dort nicht zu er­war­ten. Ein Luft­han­sa-Spre­cher er­klär­te, dass Ge­spräch kön­ne auch auf ei­nen spä­te­ren Zeit­punkt am Mitt­woch­abend ver­scho­ben wer­den.

In der Ge­richts­ver­hand­lung am Vor­mit­tag hat­te Luft­han­sa der Ge­werk­schaft noch so­for­ti­ge Vor­ver­hand­lun­gen zu ta­rif­li­chen The­men an­ge­bo­ten, die aber erst mit dem neu zu wäh­len­den Ufo-Vor­stand ab dem 15. Fe­bru­ar 2020 fi­na­li­siert wer­den könn­ten. Den jet­zi­gen Vor­stand leh­ne man wei­ter­hin als nicht ver­tre­tungs­be­rech­tigt ab, sag­te Luft­han­sa-An­walt Tho­mas Ub­ber. Ufo ver­lang­te hin­ge­gen so­for­ti­ge Ta­rif­ver­hand­lun­gen auf Au­gen­hö­he mit dem am­tie­ren­den Vor­stand.

Als letz­te Mög­lich­keit zur Ver­hin­de­rung des Streiks könn­te Luft­han­sa auch ei­ne Sch­lich­tung ver­lan­gen, was aber letzt­lich auf ei­ne An­er­ken­nung des Ufo-Vor­stands hin­aus­lie­fe. Die Ge­werk­schaft wür­de die Sch­lich­tung be­für­wor­ten, sag­te ihr Spre­cher Ni­coley Baublies der Deut­schen Pres­se-Agen­tur.

Ufo for­dert für die rund 21.000 Luft­han­sa-Flug­be­glei­ter hö­he­re Spe­sen und Zu­la­gen so­wie bes­se­ren Zu­gang für Sai­son­kräf­te in re­gu­lä­re An­stel­lungs­ver­hält­nis­se. Für die vier an­de­ren Flug­be­trie­be wur­den je­weils se­pa­ra­te For­de­run­gen auf­ge­stellt und Ur­ab­stim­mun­gen ab­ge­hal­ten. In dem ge­sam­ten Kon­flikt geht es aber haupt­säch­lich um die vom Kon­zern auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, ob Ufo über­haupt noch Ta­rif­ver­trä­ge für das Ka­bi­nen­per­so­nal durch­set­zen kann. In ei­nem ers­ten Warn­streik bei den vier Toch­ter-Flug­be­trie­ben hat­te Ufo am 20. Ok­to­ber die­ses Jah­res mehr als 100 Flü­ge aus­fal­len las­sen. Da­mals hat­te der Luft­han­sa-Kon­zern kei­nen Er­satz­flug­plan er­stellt. Der letz­te re­gu­lä­re Ufo-Streik bei der Luft­han­sa-Kern­ge­sell­schaft da­tiert aus dem Jahr 2015 und war mit ei­ner Wo­che Dau­er der längs­te in der Un­ter­neh­mens­ge­schich­te.

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Letzte Überarbeitung: 6. November 2019

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