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Me­tall­in­dus­trie hält Ge­setz zur Ent­gelt­trans­pa­renz für ge­schei­tert

Das Ge­setz zur För­de­rung der Ent­gelt­trans­pa­renz zwi­schen Frau­en und Män­nern ist in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Nord­deutsch­lands bis­her an­schei­nend ver­pufft
weibliche Schweißerin, Frau in Männerberuf

22.10.2018 (dpa/fle) - In grö­ße­ren Un­ter­neh­men mit mehr als 200 Mit­ar­bei­tern in den Küs­ten­län­dern ha­ben bis­her kaum Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen um Aus­kunft über die Be­zah­lung ih­rer Kol­le­gen ge­be­ten, so je­den­falls der Ar­beit­ge­ber­ver­band Nord­me­tall, der zu die­sem The­ma ei­ne Stich­pro­ben-Um­fra­ge bei sei­nen Mit­glieds­un­ter­neh­men durch­ge­führt hat.

Le­dig­lich bei ei­nem sehr gro­ßen Un­ter­neh­men mit mehr als 10.000 Mit­ar­bei­tern sei­en 60 Aus­kunfts­er­su­chen ge­zählt wor­den. Es sei kein Fall be­kannt, bei dem ein Ge­halt an­ge­passt wor­den sei.

Seit gut ei­nem Jahr kön­nen Ar­beit­neh­mer und Ar­beit­neh­me­rin­nen Aus­kunft über das Ge­halt ver­gleich­ba­rer Be­schäf­tig­ter des je­weils an­de­ren Ge­schlechts ver­lan­gen. Das Ge­setz rich­tet sich vor al­lem an Frau­en, die sich ge­gen­über Män­nern un­fair be­zahlt füh­len und des­halb ei­nen Ver­gleich su­chen. Aus Sicht von Nord­me­tall hat das Ge­setz eher ge­scha­det. "Das Ent­gelt­trans­pa­renz­ge­setz ist ein bü­ro­kra­ti­scher Rohr­kre­pie­rer", sag­te Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ni­co Fi­ckin­ger. "Es be­wirkt nichts, zwingt vie­le Un­ter­neh­men je­doch zum Vor­hal­ten ei­ner zu­sätz­li­chen Per­so­nal­bü­ro­kra­tie."

Glei­che Be­zah­lung von Män­nern und Frau­en für glei­che Ar­beit sei ein wich­ti­ges Ziel, das in den Ta­rif­ver­trä­gen der Me­tall­in­dus­trie längst um­ge­setzt wer­de. Die Lohn­lü­cke zwi­schen Män­nern und Frau­en be­ru­he im we­sent­li­chen auf Un­ter­schie­den bei Be­ruf, Bran­che, Ar­beits­zeit und Qua­li­fi­ka­ti­on.

Im Ver­bands­ge­biet von Nord­me­tall lie­ge der Un­ter­schied bei der Be­zah­lung zwi­schen Män­nern und Frau­en bei ver­gleich­ba­rer Tä­tig­keit und Ein­grup­pie­rung im glei­chen Be­trieb bei 2,6 Pro­zent. "Die­se klei­ne Lü­cke lässt sich weit­ge­hend schlie­ßen, wenn die Kom­mu­nen ein grö­ße­res Be­treu­ungs­an­ge­bot für Kin­der be­reit­stel­len, da­mit Müt­ter schnel­ler in den Be­ruf zu­rück­keh­ren kön­nen", sag­te Fi­ckin­ger. Wenn die IG Me­tall glau­be, auf das ge­schei­ter­te Ge­setz noch ein Ver­bands­kla­ge­recht drauf­sat­teln zu müs­sen, dann sei das nur ein ver­län­ger­ter Holz­weg und ein Miss­trau­ens­vo­tum ge­gen­über den Be­triebs­rä­ten, die an der Ein­grup­pie­rung be­tei­ligt sei­en.

Die Ge­werk­schaft wi­der­sprach der Nord­me­tall-Ein­schät­zung. "Ein Ver­bands­kla­ge­recht müss­te die IG Me­tall gar nicht ins Spiel brin­gen, wenn die Un­ter­neh­men von sich aus Trans­pa­renz her­stel­len oder selbst ei­ge­ne Kon­zep­te zur be­trieb­li­chen Gleich­stel­lung, wie die Schlie­ßung der Lohn­lü­cke zwi­schen Mann und Frau, vor­le­gen wür­den", sag­te Mein­hard Gei­ken, Be­zirks­lei­ter der IG Me­tall Küs­te. Da­mit wür­den die Ar­beit­ge­ber auch die At­trak­ti­vi­tät ih­rer Ar­beits­plät­ze er­hö­hen. "Aber an­statt mit gu­tem Bei­spiel vor­an­zu­ge­hen und Ent­gelt­gleich­heit end­lich um­zu­set­zen, kla­gen sie über zu ho­hen bü­ro­kra­tisch-ju­ris­ti­schen Auf­wand." Wenn es nicht an­ders ge­he, müss­ten die Un­ter­neh­men auf ge­setz­li­chem Weg ver­pflich­tet wer­den, mehr für Trans­pa­renz und Ent­gelt­gleich­heit zu tun.

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Letzte Überarbeitung: 15. November 2018

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